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Erinnerungen an die Beastie Boys: Die Todesursache von Adam Yauch


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Am 4. Mai 2012 trauerte die Musikwelt um Adam Yauch von den Beastie Boys, der ein „Pionier der Popmusik war und mehr noch: ein Neuerer der Techniken und Strategien von Pop-Kunst überhaupt.“ So schrieb es ROLLING-STONE-Redakteur Arne Willander in seinem Nachruf.

2009 waren bei Yauch Ohrspeicheldrüsen- und Lymphknotenkrebs diagnostiziert worden. Es folgten Operationen und Chemotherapien. Tatsächlich machte es den Anschein, als ob es ihm zunächst besser ging. In einem Statement erklärte er – mittlerweile verheiratet und Vater einer Tochter –, die Krankheit sei behandelbar. Das längst angekündigte Album „Hot Sauce Committe Part Two“ wurde mehrfach verschoben und erschien erst 2011 fast ohne Promotion: Die Beastie Boys schickten online einen Stream der Platte in den Madison Square Garden – die vorletzte ironische Volte.

Die Beastie Boys mit RUN DMC, 1985.

Woran starb Adam Yauch von den Beastie Boys?

Dann, drei Jahre später, schockierte eine Nachricht die Fans der Beastie Boys: „Mit großer Trauer bestätigen wir, dass der Musiker, Rapper, Aktivist und Regisseur Adam ‚MCA‘ Yauch … heute Morgen in seiner Heimatstadt New York City nach fast dreijährigem Kampf mit dem Krebs verstorben ist. Er war 47 Jahre alt.“

Kurz darauf meldeten sich auch Yauchs Bandkollegen Adam ‚Ad-Rock‘ Horovitz und Michael ‚Mike D.‘ Diamond via Social-Media zu Wort. Mike D. schrieb: „Ich weiß, wir sollten schon längst jeden traurigen, glücklichen und inspirierten Gedanken, jedes Lächeln oder jede Träne getwittert und instagrammed haben. Aber ehrlich gesagt waren die letzten Tage wegen unseres engsten Freundes, Bandkollegen und echten Bruders nur eine Verschwommenheit tiefer Gefühle. Ich vermisse Adam so sehr. Er war wirklich ein großartiges Vorbild für mich selbst und für so vieles, was Entschlossenheit, Glaube, Konzentration und Demut gepaart mit einem Sinn für Humor bewirken können. Die Welt braucht noch viele andere wie ihn. Wir lieben dich, Adam.“

ROLLING-STONE-Interview mit Adam Horovitz zum Tod von Adam Yauch

Wenige Wochen nach Adam Yauchs Tod sprach Adam Horovitz in einem seltenen Interview mit David Fricke vom US-ROLLING-STONE. Darin sprach er offen über seine Gefühle und seine Erinnerungen an Yauch:

Adam Yauch war der älteste der Beastie Boys. War er in den Anfangsjahren der Anführer der Band?

Ja. Er war smarter als wir, organisierter. Auch wenn man befreundet ist, gibt es immer nervige Dinge, die es zu erledigen gilt. Und man macht’s nie. Mit Adam war das anders. Er hatte einen besonderen Drang, diese Dinge im Blick zu haben. Wir alle hatten unsere Rollen, eine von seinen war die des Machers. Ich war eher so, dass ich sagte: „Hey, wir sollten diese Fotos schießen, auf denen wir wie Undercover Cops verkleidet sind.“ Aber Adam war Filmfan, und so machten wir gleich einen ganzen Film draus („Sabotage“) und nicht bloß ein nettes Foto.

Adam Yauch als „Techno Wiz“ der Beastie Boys

Was war Adam Yauchs musikalische Rolle bei den Beastie Boys?

Er war ein sehr guter Bassist. Er liebte Daryl (Jennifer) von den Bad Brains. Und er konnten seinen Bass genauso klingen lassen. Wenn wir (Produzent und Musiker) Mark Nishita traf, fingen die beiden gleich mit den musikalischen Fachsimpeleien an, während ich eher der Typ war, der sagte: „Zeigt mir, wo ich meine Finger drauflegen muss, und ich spiel‘ das für vier Minuten.

Adam war außerdem unser „Techno Wiz“ – so haben ich, Mike und Rick Rubin ihn genannt. Ich habe ihn mal in seinem Apartment in Brooklyn besucht. Adam hatte so einen Spulen-Tape-Rekorder und hatte das Band auf die ganze Wohnung verteilt, es hingt über Stühle und führte durch die Küche. Er hat da gerade an diesem Led Zeppelin-Beat rumgeschnippelt. Ich meinte zu ihm: „Wie hast du denn das gemacht?“ Und er sagte: „Ich habe gehört, Sly Stone hätte auch so gearbeitet.“

Wie hast du reagiert, als du erfahren hast, dass Adam Krebs hat?

Er sagte: „Ich werde es überstehen.“ Er hat bei bei allem möglichen Mist immer recht behalten, deshalb habe ich ihm auch diesmal geglaubt. Seine Begeisterung und sein Optimismus haben dich immer mitgerissen. Wir haben noch vor einigen Wochen zusammen Aufnahmen gemacht. Es war wie immer: Wir haben mehr Zeit damit verbracht, Furzwitze zu machen und Essen zu bestellen – deshalb hat das mit unseren Platten immer so lange gedauert.

Beastie Boys
Adam Yauch im Kreise der Beastie Boys, 2011.

Die Gründung der Beastie Boys

Yauch, 1964 in Brooklyn geboren, gründete mit seinem Freund Michael Diamond bereits 1979 die Beastie Boys, er selbst spielte den elektrischen Bass, Diamond saß am Schlagzeug, John Berry bediente die Gitarre. Sie waren fasziniert vom Hardcore der Stunde, von den Bad Brains und Black Flag. Yauchs frühes Peudonym Nathaniel Hörnblowér verweist bereits auf den ausgeprägten literarischen Verstand, den Eklektizismus und Witz des Jugendlichen. Ende 1982 trat das Trio am Bard College auf, und Philip Pucci machte daraus den Film „Beastie“, indem er einige der Zuschauer mit 16mm-Kameras ausrüstete, eine zentrale Kamera auf dem Balkon positionierte und das Material später zusammenschnitt.

Nach dem Auftritt verließ John Berry die Band, Adam Horvitz kam als Gitarrist. Schon der Song „Cooky Puss“ verband Punk-Rock-Gelärme mit Rap und wurde in den New Yorker Clubs gespielt. Von nun an beschäftigten die Beastie Boys auf der Bühne einen DJ und nannten sich MCA (Yauch), Mike D (Diamond) und Ad-Rock (Horvitz). Und sie lernten den Studenten Rick Rubin kennen, einen besessenen Freak und Tüftler, mit dem sie 1985 die EP „Rock Hard“ produzierten. Rubin gründete das Label Def Jam.

Von „Licensed To Ill“ zu „Paul’s Boutique“

Ein Jahr später erschien „Licensed To Ill“, ein Album voll Nerd-Humor, derben Sprüchen, Grölerei und Unflat. „(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)“ wurde allerorten zum Party-Hit für Pubertierende; dabei wurde die Ironie des Stücks übersehen: Schon die Klammern zeigen an, dass es sich um eine Antwort auf die Hippie- und Bürgerrechts-Bewegung, die Eltern-Generation also, handelt. Die Beastie Boys waren nicht nur die erste erfolgreiche weiße HipHop-Band, sie brachten das Jahrzehnt höhnisch auf die hedonistische bis hirnrissige Parole: Das Recht auf Feiern und Saufen wurde auch in dem Videoclip eindrucksvoll inszeniert.

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Bald danach endete das pubertäre Vergnügen. Mit den Dust Brothers als Produzenten arbeiteten die Beastie Boys an „Paul’s Boutique“, einem Taj Mahal aus Sound-Splittern, unverfrorenen Samples und Text- und Geräuschlawinen von allen Seiten. Als die wahrhaft postmoderne Collage 1989 erschien, fand sie nicht überall freundliche Aufnahme. Zwar waren mehr als 100 Songs durch die Häckselmaschinen gedreht worden, aber um Lieder im eigentlichen Sinn ging es den Beasties nicht. Vielmehr hatten sie eine Straßenecke in Brooklyn vertont und ihren Lieblingsladen für Platten und Krimskrams – insofern war es auch eine sentimentale Erinnerungsarbeit.

Sprengsätze an die amerikanische Sicht der Dinge

Erst 1992 trat die Band wieder auf den Plan: Ausgerechnet in Kalifornien war „Check Your Head“ entstanden, eine rüde, großenteils traditionell aufgenommene Platte; nicht nur der Hit „Sabotage“ legte Sprengsätze an die amerikanische Sicht der Dinge. Bei Konzerten spielten die Beasties ihre Instrumente selbst, das Sampling wurde reduziert. Die Beastie Boys waren jetzt die Lieblingsgruppe der (weißen) Intellektuellen und der Pop-Kritik und loteten auf „Ill Communication“ (1994) die Informations- und Meinungsströme weiter aus – mit desaströsen Befunden. In den Trümmern der Popkultur, abgebildet in den zerhackten und zerrissenen Sound-Halden, türmt sich ein nicht beherrschbarer Moloch auf.

Mittlerweile spielte die Band bei Festivals neben den Smashing Pumpkins, einer der größten Rockbands der Zeit. Adam Yauch trat den Rückzug ins Private an, wandte sich dem Buddhismus zu, gründete den Milarepa Fund zur Unterstützung von Tibet und veranstaltete 1996 in San Francisco das Tibetan Freedom Festival. „Hello Nasty“ (1998) brachte keine neuen Impulse – bald erschien das Debüt von Eminem, der die bereit gestellten Techniken für seine egozentrische Inszenierung nutzte und zum Superstar wurde.

Adam Yauchs letzte Rede

Erst 2004 veröffentlichten die Beastie Boys „To The 5 Boroughs“. Eine Hommage an die fünf Bezirke ihrer Heimatstadt nach den Anschlägen vom September 2001. Auf dem gezeichneten Cover sind die Twin Towers noch intakt, und im „Open Letter To NYC“ sprechen sich die Künstler selbst Mut zu. Adam Yauch beschäftigte sich neben seinem politischen Engagement zunehmend mit Filmarbeiten und der Restaurierung und Erweiterung der frühen Alben.

Beastie Boys Promo Bild
Beastie Boys

Im Dezember 2011 gaben die Väter der Rock and Roll Hall of Fame bekannt, dass die Beastie Boys in die Galerie aufgenommen würden. An der der Zeremonie im April 2012 konnte Adam Yauch nicht mehr teilnehmen. Mike Diamond und Adam Horvitz verlasen die von ihm verfasste Dankesrede, wohl den letzten Text des großen Wortkünstlers und Alchimisten.

Vinnie Zuffante Getty Images
Phil Andelman
Beastie Boys

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