Berlin Festival 2012: Diese Zehn muss man sehen



Am Freitag und am Samstag findet auf dem Tempelhofer Flugfeld das Berlin Festival statt, dass wir hier ja schon ausführlich vorgestellt haben. Lesen Sie hier unsere kleine Empfehlungsliste der Online-Redaktion…

Nicolas Jaar Zippo
Encore Stage – Freitag, 21:00 Uhr
Eine bessere Spielzeit hätte man für den chilenisch-stämmigen und nun in New York lebenden Nicolas Jaar nicht finden können: Wenn er die Bühne betritt, wird vermutlich gerade am Ende des Rollfeldes die Sonne untergehen und Jaars Publikum wird sich lächelnd zu seinen Klängen im Abendlicht winden. Natürlich ist Jaar schon längst kein Geheimtipp mehr – spätestens seit seinem Debüt „Space Is Only Noise“ hat man ihn auf dem Zettel. Wer sich mit elektronischer Musik befasst, kennt ihn natürlich schon ein paar Jahre länger und schätzt ihn wegen seiner weichen, einzigartigen Klangnote, die sich kaum auf ein Genre festnageln lässt.

Bonaparte
Mainstage – Samstag, 18:00 Uhr
Zugegeben, Bonaparte sind das leichte Mädchen der Festivalszene. Jeder hatte sie schon. Das Berlin Festival ist nur eines von vielen. Aber man sollte dennoch einmal seine Schamgefühl zur Seite schieben, die Gelegenheit ergreifen und sich bei ihnen richtig gehen lassen. Tobias Jundt und sein exhibizionistisch veranlagtes Trashpunk-Varieté wissen einfach, wie man es macht. Wo sie waren, hinterlassen sie eine nassgeschwitzte, zufriedene Menge, die die Worte „Too Much“ nur noch japsen kann. Denn wie ihr neues Album „Sorry, We’re Open“ bereits erahnen lässt, sind sie für alles offen. Und das meinen sie ernst. Seid ihr es auch? Nur keine falsche Schüchternheit. Es wird gefallen.

Of Monsters And Men
Mainstage – Freitag 15:00 Uhr
Man sollte sich den Freitag vorsichtshalber freinehmen: Sonst verpasst man einige der schönste Acts des Berlin Festivals. Die Überflieger aus Island zum Beispiel, die mit ihrem folkigen Lalala-Hit „Little Talks“ das Kunststück fertigbrachten, das Formatradio zu infiltrieren und für einen der raren Lichtblicke in diesen sonst fürchterlichen Playlists zu sorgen. Of Monsters And Men eröffnen die Hauptbühne – damit es auch früh voll wird auf dem Flugfeld Tempelhof. Gemessen an ihrem Erfolg und ihren sangesfreudigen Konzerten könnte die Rechnung glatt aufgehen.

Grimes
Zippo Encore Stage – Freitag, 19:30 Uhr
Claire Boucher gibt sich die Ehre. Besser bekannt als Grimes erfreut die Dame mit dem schönen Namen die Berlin Festival Besucher in diesem Jahr mit etwas genauso melodisch klingendem. Sie präsentiert ihr neues Album „Visions“, das vielerorts (auch bei uns) geradzu gefeiert wurde. Wir haben auch eine Vision: Und zwar die von einem bewegenden Auftritt mit düsterstem Synth/Dream-Pop, der atemlos zurück lässt und den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die ungewöhnlich-experimentellen Klänge lassen jedenfalls eine Bühnenshow erwarten, die an Verdrehtheit hoffentlich ihresgleichen sucht.

Jamie N Commons Zippo
Encore Stage – Samstag, 16:00 Uhr
Der erst Anfang 20jährige Brite spielte im Herbst vergangenen Jahres schon einmal im Berliner Magnet und sorgte für Verwirrung. Als er – smart, langhaarig und ein wenig glatt – die Bühne betrat, dachte einer jeder, so ein Schönling, mit solch einem Künstlernamen spielt sicher wehleidigen Electropop und fährt sich nach jeder Strophe durchs schöne Haar. Aber dann erklangen die ersten bluesigen Akkorde, meldete sich das Schlagzeug schleppend und schwer und – tja, und dann sang dieser Jamie, sang von Priestern und Schulden und Tod und Teufel und Liebe und Verlust, mit einer Stimme, die klang, als hätte er mindestens 18 seiner Lebensjahre versoffen und verhurt. Kein Wunder, dass schnell jemand die Referenzen Cave und Lanegan in den Raum raunte und sich die anfangs überschaubare Menge vor der Bühne rasch vergrößerte. Am Ende dachte keiner mehr an wehleidige Schönlinge – man sah einen verschwitzten ganzen Kerl mit kraftvoller Stimme vor sich und wusste: Den wird man 2012 wiedersehen.

Jamie N Commons – Devil in Me from Bullion on Vimeo.

Franz Ferdinand
Mainstage -Samstag, 21:00 Uhr
Fast Geschichte in der Konzertlandschaft. Jetzt gibt es das Déjà-vu: Franz Ferdinand exklusiv auf dem Berlin Festival. Versuchen wir uns doch einmal an die Band zu erinnern: Postgepunkter Indie-Rock mit New Wave-Einfüssen. Ihr Album „Tonight: Franz Ferdinand“, dessen aufbereitete Version „Blood“. Und: Tolle Liveshows. Man hätte hier die Kombination aus gut gemachtem Sound, garniert Alex Kapranos gekonnt-arrogante Attitüde und einem Publikum, das dass zu schätzen weiß. In diesem Jahr sind die Jungs endlich wieder auf Tour, nur einmal verschlägt es sie nach Deutschland. Ganz dick vornotieren!

Daughter
Zippo Encore Stage – Freitag, 16.30 Uhr
Also wir die Britin Elene Tonra mit ihrer Band Daughter auf dem diesjährigen Roskilde Festival zu sehen bekamen schrieben wir: „Sie hat in ihrer Jugend, die noch nicht so richtig vorbei scheint, vermutlich viel Cat Power. Einige ihrer Songs haben noch nicht dieselbe Kraft, aber wie sie bei ‚Landfill‘ singt ‚I want you so much but I hate your guts‘, während die Drums düster klopfen – da konnte man sich auch im randvollen und warmen Zelt nicht gegen die Gänsehaut wehren.“ Das würden wir auch heute so unterschreiben.

Tocotronic
Mainstage – Freitag, 19:15 Uhr
Für alle Spinner, Blender und Verschwender, das ist ein Gruß an euch. Von wem? Natürlich von Tocotronic. Die Band verkündete auf ihrer Homepage am 01.06, dass sie sich wieder im Studio befindet und vermutlich im Januar mit einem neuen Album zurückkehren wird. Noch ein Konzert steht bis jetzt aus, um sich Kostproben anzuhören: Das Berlin Festival. Und bei der Überpräsenz an englischsprachigen Acts diesen Festivalsommer gelangt man bei dieser Band einmal nicht in die Gefahr der „Kapitulation“ vor zungenbrecherischen Lyrics. Wobei: Dirk von Lowtzow ist natürlich ein großer Texter, nur schafft er es jedes Mal komplexes Kopfkino in simple Worte zu kleiden. Ob es schon Neues zu hören geben wird? Wir sind gespannt!

The Killers
Mainstage – Freitag, 22:30 Uhr
Ja, wir geben es zu: Manchmal sind wir auch Popschweine. Und geben uns dem schändlichen Mainstream hin, den übergroßen Gesten, den Songs, die man eigentlich nicht übersetzen dürfte, weil man dann erkennt, wie wenig lyrische Substanz sie eigentlich haben. Aber hey, es ist das einzige Konzert der Killers in Deutschland in diesem Jahr! Und sie werden sicher neues von ihrem Album „Battle Born“ spielen. Das muss man sich doch eigentlich anschauen. Und sei es nur, um mal genüsslich bei „Mr. Brightside“ oder „All These Things That I Have Done“ das Klatsch- und Grölvieh zu geben, für das man sich sonst so cool ist. Killers-Songs können das nämlich. Einen mitreißen, auch wenn man es gar nicht will und gar nicht zu einem passt. Und auf „Battle Born“ werden sie wieder ein paar Songs haben, die so funktionieren. „Runaways“ geht ja schon in die Richtung – und wehe, wenn sie „Miss Atomic Bomb“ spielen! Diesem cheesy Popbrocken wird man kaum widerstehen können – soviel zur Vorwarnung.

Crookers
Club X-Berg in der Berlin Arena – Nacht von Freitag auf Samstag, 03:00 Uhr
Nach der Festivalodyssee am Tage noch nicht genug des Tanzens? Dann bitte noch in den Club X-Berg, dem Indoor-Begleitprogramm des Berlin Festivals. Die Crookers spielen live. Vielleicht nicht die innovativste Musik, aber ein bisschen Trash darf immer sein. Mit dabei hat das Mailänder DJ-Duo seinen frontal angreifenden Electro-Sound, der am Freitag um drei Uhr Nachts genau richtig sein dürfte. Platz für ernsthafte Kritik und schüchternes goutierendes Kopfnicken ist vorher, jetzt bitte Kopf ausschalten.