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Berlinale-Tagebuch 2016: „Hail, Caesar!“ ist eine einzige Schnapsidee

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Berlinale-Tagebuch 2016: „Hail, Caesar!“ ist eine einzige Schnapsidee

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Am Morgen bei der Auftakt-Pressekonferenz der Berlinale hat Meryl Streep schon verraten, worum es bei der diesjährigen Berlinale neben den Dramen und politischen Manifesten auch gehen soll: um den Spass und die Freude am Film. Und zack, kommt schon der Eröffnungsfilm der Berlinale um die Ecke, der sozusagen die Manifestation von Streeps Wunsch ist. Einen besseren Opener als “Hail, Caesar!” von den Coen-Brüdern kann es für ein Filmfestival wohl nicht geben. Die enfants terribles zeigen in ihrem neuen Werk mit nostalgischen Blick die absurde Filmindustrie Hollywoods in den 50er Jahren und schaffen so eine der schönsten visuellen Lieberklärung an die Traumfabrik, die man seit langem gesehen hat.

Der Film folgt dabei Filmstudioboss Eddie Mannix, meisterhaft kontrollierend und dennoch ständig an sich selbst zweifelnd gespielt von Josh Brolin, der als Herrscher über ein Capital und nicht Capitol Studios (einer der vielen versteckten Coen-Späße) den Laden am Laufen hält. Mannix ist dabei Babysitter, Zirkusdirektor und Traumarchitekt in einer Person, der dafür sorgt, dass die Schauspielerinnen nicht als Nacktmodels aus der Reihe tanzen, der Cowboy-Darsteller Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) ein Rebranding als Charakterdarsteller bekommt und Baird Whitlock (herrlich dämlich: George Clooney), der Star des Studios, nach einer Entführung durch kommunistische Drehbuchschreiber wieder den Weg zurück ins Studio findet. Als wäre diese Geschichte alleine schon nicht gut genug wird im Film noch die Produktion von fünf weiteren Filmen gezeigt, die alle für sich ein visuelles Fest sind, sozusagen ein filmisches All-You-Can-Eat-Buffet, bei dem einfach alles richtig gut schmeckt und an dem wohl auch Wes Anderson wahrscheinlich seine Freude hätte.

Großartige Dialoge

Zwischendurch, wenn die Ideen immer fantastischer werden, kommt es einem dann so vor, als hätte der Film auch gut als Schnappsidee in einer langen dunklen Barnacht entstanden sein können, in der sich die Coens, Clooney und der Rest des Cast bei vielen Runden Tequila gegenseitig mit absurden Einfällen übertrumpfen wollten. Man stellt sich dieses Gespräch vielleicht so vor. Clooney: „Und was ist wenn wir Scarlett Johannson als schlecht gelaunte Meerjungfrau besetzen und wir Channing Tantum endlich die Rolle seines Lebens auf den Leib schreiben und als Leichtmatrose stepptanzen lassen?“ An dem Abend wäre man dann doch irgendwie gerne dabei gewesen.

Das beste an „Hail, Caesar!“ ist dann auch nicht die Hauptgeschichte der Entführung, sondern die vielen kleinen Film-Momente, die durch ihre Leichtigkeit bestechen. Eine der besten Szene des Filmes ist die, in der Mannix alle Vertreter der Weltreligionen an einen Tisch bringt, um das fertige „Hail, Caesar!“-Script und die Rolle von Gott absegnen zu lassen. In solchen Momenten schrauben sich die Dialoge in solche Höhen, dass man mit dem Lachen fast nicht mehr hinterher kommt und die Tragik auch irgendwie darin liegt, dass dieser Moment noch heute genau in dieser Form stattfinden könnte.

Scarlett Johansson als Zicke

Die Kamera bleibt im Film häufig in der Totalen und sorgt so für eine notwendige Stabilisierung der Geschichte, die sich zwischendurch auch mal etwas vergaloppiert und an der einen oder anderen Stelle fast selbst überholt. Diese kleinen Verspringer werden allerdings sehr gut vom gesamten Cast des Films abgefedert. Da gibt es noch Tilda Swinton, die in einer Doppelrolle als Journalistin Thora und Thessaly Thacker auftritt oder Ralph Fiennes, der als verzweifelter Filmemacher Laurence Laurentz das ganze Mitleid des Publikums hat, wenn er für den Imagewechsel von Cowboy Darsteller Hobie Doyle verantwortlich gemacht wird.

Mit ihren Charakteren haben es die Coen-Brüder in „Hail, Caesar!“ auch geschafft, das beste und wohl auch zumeist Unerwartete aus allen schauspielerischen Rollen zu holen: Scarlett Johannsen als echte Zicke, in die sich zum ersten Mal wohl niemand verlieben will; George Clooney als herzergreifend dämlicher und ethusiasisch für den Kommunismus entbrannter Hauptdarsteller.

Die größte Überraschung sind dann aber nicht die Coen-All-Stars, sondern Newcomer Alden Ehrenreich, der für den Film als einziger durch ein richtiges Casting gehen musste und am Ende wahrscheinlich mit seiner Cowboy-Lassokünsten und einer großen Portion Naivität jedes Frauenherz im Kinosaal erobern dürfte. Am Ende ist „Hail, Caesar!“ eine Erinnerung an das, was Kino sein kann: ein Besuch im visuellen Wunderland, dass einem im besten Fall mit einem Grinsen im Gesicht den Saal verlassen lässt.

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