Der König der Zombies ist tot: George A. Romero

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Der König der Zombies ist tot: George A. Romero

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George A. Romero ist tot. Der Regisseur, bekannt geworden durch seine Zombie-Filme wie „Die Nacht der Lebenden Toten“ von 1968, verstarb im Alter von 77 Jahren nach einem „kurzen, aber aggressiven Kampf“ an Lungenkrebs. In seinen letzten Momenten habe der Filmemacher, wie sein Manager berichtete, Victor Youngs Soundtrack des Films „The Quiet Man“ (dt.: „Die Sieger“, 1952) gelauscht.

Der am 4. Februar 1940 in Toronto geborene George Andrew Romero überführte die zuvor als B-Monster geltenden Zombies mit seinem Werk „Die Nacht der lebenden Toten“ in die Populärkultur. Der in schwarzweiß gedrehte Film wird heute als Kunstschatz im New Yorker Museum Of Modern Art archiviert und gilt als Allegorie auf den Vietnamkrieg. Die gefallenen Soldaten sind die Untoten; dass am Schluss des Films der einzige Überlebende, ein Afroamerikaner, von Rednecks erschossen wird, wird  als Kommentar zum Rassismus in den USA gedeutet.

Die Zombies begleiteten ihn bis zum Tod

Zwar versuchte Romero sich in den 1970er-Jahren mal mehr („Martin“ –Vampirismus als Jugendrebellion), mal weniger („The Crazies“ – Amokläufer aufgrund von Umweltschäden) erfolgreich mit verschiedenen gesellschaftspolitischen Horror-Motiven im Spiel zu halten. Aber es blieben die Zombies, mit denen er weiterhin größte Aufmerksamkeit erzielte. „Dawn Of The Dead“ (dt.: „Zombie“, 1978) war sein Meisterwerk, eine Satire auf unsere Konsumgeilheit. Die Untoten kehren dorthin zurück, wo sie sich am wohlsten fühlten, schlurfen durch eine Shopping Mall; die sich darin verschanzenden Menschen wiederum kämpfen um jeden Zentimeter ihres Einkaufsparadieses.

Dank seiner ersten beiden Zombie-Werke wurde Romero als „politischer Horror-Filmer“ betrachtet und in der sehenswerten Doku „The American Nightmare“ (2000, Regie: Adam Simon) in eine Reihe gestellt mit John Carpenter, John Landis, David Cronenberg, Wes Craven und Tobe Hooper. Es waren Filmemacher, die in den aufgehitzten 1970er-Jahren inner-amerikanische Konflikte besser darzustellen wussten als manch ein hochgelobter, „seriöser“ Regisseur des  „New Hollywood“.

Hardcore-Fans liebten zwar auch den dritten Zombie-Film Romeros, „Day Of The Dead“ (1985), aber der Regisseur hatte ab den Achtzigern immer größere Schwierigkeiten an geeignete Stoffe zu kommen. Für seinen Freund Stephen King übernahm er die Leitung der wenig beachteten Verfilmung des Romans „The Dark Half“ (zur Umsetzung von „The Girl Who Loved Tom Gordon“ sollte es nicht mehr kommen).

Comeback im neuen Jahrtausend

Mit dem durch „28 Days Later“ (Regie: Danny Boyle) sowie des von Zack Snyder verantworteten „Dawn Of The Dead“-Remakes (2004) eingeleiteten Zombie-Revivals schnellten auch Romeros Aktien als Godfather of the Dead wieder in die Höhe. Aus Kostengründen drehte er zwar weiterhin in Kanada, aber seine drei letzten Werke konnten sich sehen lassen. In „Land Of The Dead“ machte er 2005 einen Afro-Amerikaner zum – gerechten – Anführer der Zombies; ,„Diary Of The Dead“ war seine Found-Footage-Fassung einer Untoten-Geschichte (auch er ließ sich vom Hype anstecken); und mit seinem letzten Kinofilm, „Survival Of The Dead“ von 2009 spekulierte Romero über das Recht der Monster, neben den Menschen koexistieren zu können.

George A. Romero 2010

Zuletzte machte der König der Zombies mit starker Kritik von sich Reden. Aufgrund von Serien wie „The Walking Dead“, als auch der effekthascherischen Romanverfilmung von „World War Z“ habe er es schwer, mit seinen kritisch-allegorischen Themen Gehör zu finden, sagte Romero. Sein Wunschprojekt „Road Of The Dead“ suche noch immer nach Finanziers; er wollte die Regie abgeben, er selbst hätte produziert.

Über Formate wie „The Walking Dead“ sagte Romero: „Im Prinzip ist es eine Seifenoper, bei der hin und wieder ein Zombie auftaucht. Ich habe den Zombie immer als Charakter für Satire oder politische Kritik genutzt. Das fehlt aktuell jedoch.“

Romero wurde auch nie müde, seine Version der Zombies zu verteidigen: Die Untoten, sagte er, müssen schlurfen. Langsam sein. Nicht so neumodisch, wie in „World War Z“, rennen. Klingt wie ein Fanboy-Problem? „Rennende Zombies in Hypergeschwindigkeit? Das kaufe ich keinem ab“, sagte er. „Sie sind doch keine Insekten.“

Denn Menschen in der Apokalypse, so der Filmemacher, müssten ihre Chance bekommen, um zu überleben. Eine Chance haben, den Zombies die Stirn bieten.

So wenig sie es manchmal auch verdient hätten, gegen die Untoten zu bestehen.

Stephen King kondoliert auf Twitter. Trauer über den Tod des „liebsten Partners”:

TV-Tipp: “Dawn Of The Dead” – “Zombie”

/lrc
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