10 Fakten zum Australien-Hit „Down Under“ von Men at Work


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Ein Song, der sich fast komplett nur mit Dingen auseinandersetzt, die jedem Menschen fernab von Australien fremd sind, wurde zu einem der erfolgreichsten Songs der 80er – weltweit. Dafür dauerte es aber nach dem ersten Radioeinsatz am 02. November 1981 in Australien noch etwas. Und MTV spielte auch eine wichtige Rolle. Zehn Fakten zum ewigen Radioklassiker „Down Under“.

Schon in den 70ern entstanden

„Down Under“ entstand in Grundzügen bereits 1978, da gab es die Band Men at Work noch gar nicht. Colin Hay und Ron Strykert hatten ihn damals noch an der Uni gemeinsam geschrieben, bevor sie 1979 in Melbourne gemeinsam mit Greg Ham (1953–2012), John Rees und Jerry Speiser die Gruppe gründeten, die zu einer der erfolgreichsten Exporte des Landes werden sollte. An dem Stück werkelten Men at Work noch bis zum letzten Moment, ehe es im Oktober 1981 zunächst auf dem Debütalbum „Business As Usual“ erschien und kurz darauf als (zweite) Single ausgekoppelt wurde. Zunächst mit bescheidenem Erfolg.

Vorher kam aber ein anderer Hit…

Noch bevor an „Down Under“ überhaupt als Hit zu denken war, veröffentlichten Men at Work „Who Can It Be Now“. Es ist der andere weltbekannte Song der Band, der 1982 in den USA sogar Platz eins der Single-Charts erreichte.

„Down Under“ und seine Erfolgsgeschichte

„Down Under“ war 1982 für vier unglaubliche Wochen für Nummer eins in den Single-Charts in den USA, drei Wochen reichte es für Rang eins in Großbritannien. Auch in Polen, Neuseeland, Kanada, Irland und der Schweiz errang das Lied die Chartspitze. In Deutschland, wo „Down Under“ auch erst 1982 zu hören war, reichte es immerhin für Position neun.

Inoffizielle Hymne Australiens

Als die Olympischen Spiele 2000 in Sydney stattfanden, luden die Veranstalter auch Men at Work ein, um bei der Abschlussfeier ihren großen Australien-Hit anzustimmen. Inzwischen gilt das Stück vielen Menschen auf der anderen Seite der Weltkugel als inoffizielle Nationalhymne. Auch zahlreiche Unternehmen nutzten die Popularität von „Down Under“, um auch für ihre australische Identität zu bürgen, etwa die Fluglinie Qantas Airways, die bis in die 2000er-Jahre den Song in Werbekampagnen einsetzte.

Und was hat das mit MTV zu tun?

Der Erfolg von „Down Under“ dürfte durchaus auch etwas mit dem Abspielen des Musikvideos bei MTV in Dauerschleife zu tun haben. Das hatte allerdings recht profane Gründe. Nach der Gründung des Musikkanals, der in wenigen Jahren zum game changer der Musikindustrie wurde, mussten einfach viele frische Clips her, um das Programm zu füllen. Also kamen Men at Work ins Spiel. Und auch die scharfe Selbstironie, die in dem anarchischen Minifilmchen zu bestaunen ist.

Australier auf Weltreise

Hier geht’s um Identität! Schon im Titel klingt die nicht ganz einfache Auseinandersetzung mit Australien an, die in anderen Teilen der Welt einsetzt, wenn es um das Land der Kängurus und eigenartigen Sitten geht. So beschreibt der Text, der bereits Ende der 70er entstand, die Wallfahrt eines Australiers, der den Hippie trail bereist, also mit dem Rucksack von Europa bis Asien wandert, um vor allem auch sich selbst kennenzulernen. Im Moment scheint er dabei gerade in Brüssel zu sein. Dabei reflektiert er über die Eigenarten seiner Heimat. Darunter ist natürlich auch exzessiver Bierkonsum mit anschließendem ebenso exzessiven Erbrechen.

Von Emanzipation hat man in „Down Under“ anscheinend noch nicht viel gehört (zumindest zum Zeitpunkt des Entstehens des Songs), entnimmt man doch dem Text „Do you come from a land down under/Where women glow and men plunder“ (heißt so viel wie: Wo Männer grapschen und Frauen mit Reizen nicht geizen). Kein Wunder, wenn es auch heißt: „Head full of zombie“, also voll breit nach einer Marihuana-Session. Auch eine lukullisch Spezialität Australiens spielt eine Rolle: das Vegemite Sandwich. Bei Vegemite handelt es sich um braunen, sehr konzentrierten Hefeextrakt, der auf Brote, Toasts und Cracker geschmiert wird. Man spricht hier wegen des ungewöhnlichen Geschmacks, der mit nichts zu vergleichen ist, auch vom „Taste Of Australia“. Schmeckt übrigens salzig-bitter und erinnert leicht an Malzprodukte.

Mit Reggae zum Erfolg

Eine durchaus nicht zu unterschätzende Rolle für den Erfolg von „Down Under“ dürfte sein, dass es höchstselbst ein kultureller Hybrid ist. Denn wie viele Songs von Men at Work schnurrte es in einem Ska- und Reggae-Rhythmus. Besonderheit ist natürlich der aus vier Takten bestehende Flötenteil, gespielt von Greg Ham (der 2012 tot in seiner Wohnung gefunden wurde und bisher als einziges Mitglied der Band verstarb).

Men at Work

Witzig – aber auch mit Botschaft?

Viele Jahre lang wurde „Down Under“ als Parodie auf das Lebensgefühl der Australier ausgelegt. Für Songwriter Colin Hay durchaus ein Missverständnis. Immer wieder machte er klar, dass es in seinem Song auch um den Ausverkauf der Identität Australiens geht, das als Land des britischen Empires zwischen der reichhaltigen Kultur der indigenen Bevölkerung und dem exportierten Lebensstils des alten Kontinents vermitteln muss. Der Song beklage die im Grunde seelenlose Überentwicklung des Landes und der chronischen Ausbeutung von fremder Hand.

Was machen Men at Work eigentlich heute?

Nicht mehr all zu viel. Nach dem zweiten Album „Cargo“ (1983), das immerhin mit „Overkill“ einen weiteren Hit enthielt, fiel die Band auseinander. Schon die dritte Platte in kleinerer Besetzung wurde zum Misserfolg. Daraufhin ließen es die Musiker 1985 erst einmal sein. Ein kleines Comeback gab es dann 1996, als Colin Hay und Greg Ham sich noch einmal zusammentaten. Bis 2012, dem Jahr, indem Ham verstarb, reisten sie auf Tour durch die Welt, um ihre Songs zu präsentieren. Neues Material kam, sieht man einmal vom Livealbum „Brazil ’96“ (1997) ab, nicht hinzu. Dafür aber eine unüberschaubare Anzahl an Hit-Kompilationen.

Da war doch was mit den Tantiemen…?

Wie immer, wenn es um große Hits geht, die selbst den Enkeln der Musiker noch ein stattliches Auskommen sichern, gab es auch um „Down Under“ juristischen Streit. Worum ging es? Angeblich sollte ein Teil des Flötenarrangements aus einem Lied namens „Kookaburra Sits in the Old Gum Tree“ stammen, einem Lied von 1934, für das allerdings 1975 Lizenzrechte beantragt wurden. 2008 wurde verhandelt. Die Sprache war in dem Verfahren von zwei von vier Flötentakten, die in „Down Under“ sozusagen ein Copyrightvergehen darstellten. Die Anwälte, die Men at Work vertraten, wandten ein, dass der Song in Moll gehalten sei, der angeblich beliehene aber in Dur eingespielt wurde. Wer wenig von Musik verstünde, so die Argumentation, würde eine Anleihe auch gar nicht erkennen, dafür sei die Übereinstimmung einfach zu gering.

Doch ein Bundesgericht in Sydney sah es anders. 2010 erging das Urteil, dass ab Mai 2002 rückwirkend fünf Prozent aller Tantiemen, die „Down Under“ erzielt, an den Musikverlag Larrikin übergehen, der die Rechte für das Pfadfinderlied aus den 30er Jahren hält. Ursprünglich hatte man übrigens 60 Prozent aller Einnahmen verlangt.

Interessanter Fakt am Rande: Die Schadensersatzsumme, die juristisch festgelegt wurde und die Jahre 2002-2012 umfasst, betrug etwas mehr als 600.000 Euro. Hochgerechnet auf den Prozentsatz, der vom Gericht veranschlagt wurde, bedeutet dies, dass Men at Work bzw. all jene, die Rechte an dem Werk der Band halten, in einer Dekade etwas mehr als 13 Millionen Euro nur mit diesem einen Hit verdienten. Rechnet man nun hoch, dass „Down Under“, inzwischen nun 40 Jahre alt, nach wie vor genauso populär ist und stets im Radio gespielt wird, dann dürften bis zum heutigen Tag etwa 50 Millionen Euro Einnahmen zusammengekommen sein.

Dave Hogan Getty Images

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