Entweder/Oder mit Anders/Fahrenkrog


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In den vergangenen Jahren fiel der eine als lustiger Juror bei „Popstars“ auf, der andere durch seine Fähigkeiten beim „Perfekten Promi-Dinner“ und dem „Großen IQ-Test“. Jetzt machen die beiden Pop-Profis Uwe Fahrenkrog-Petersen (Nena) und Thomas Anders (Modern Talking) gemeinsame Sache: Am 10. Juni erscheint das Debütalbum von Anders/Fahrenkrog, „Two“ – mit vielen Keyboards aufgemotzte Popmusik, die natürlich an die glorreichen – und manchmal auch seifigen – 80er-Jahre erinnert. Birgit Fuß hat den beiden ein paar Geschmacksfragen gestellt – entweder/oder?

70er- oder 80er-Jahre?

Beide: 80er!
Fahrenkrog: Na klar.
Anders: Die 80er haben unser Leben verändert.

ABBA oder Boney M.?

Beide: ABBA.
Fahrenkrog: Da ist das Songwriting Kunst, und das andere ist nett.
 

Beatles oder Stones?
Fahrenkrog:
Rolling Stones!

Anders: Muss ich einen nennen? Ich war von beiden nie Fan. Uwe ist der Rock’n’Roller. Man darf das ja gar nicht sagen, und ich erkenne die Beatles natürlich an, ich weiß, dass sie die Popmusik revolutioniert haben und so weiter und so weiter. Aber persönlich habe ich dazu keinen Bezug.
Fahrenkrog: Ich habe die Stones in der Deutschlandhalle gesehen, 1973, als sie gerade „Angie“ als Single hatten. Das war eine tolle Rockshow.

Lena oder Nena?

Fahrenkrog: Naja, also – Nena, klar. Lena ist ein nettes Mädchen, aber die Vergleiche mit Nena fand ich immer blöd. Nena hat ihr ganzes Leben lang Musik gemacht und ihre eigenen Songs geschrieben, ihre Karriere aufgebaut – und wurde nicht mit einem Lied durch eine Castingshow bekannt.
Anders: Sie hat immerhin mal frischen Wind reingebracht. Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Sie ist bei Stefan Raab ja in den besten Händen. Aber vielleicht macht sie auch etwas ganz anderes. Wenn man allerdings von Kopf bis Fuß, wenn jede Faser des Körpers Musik spürt, dann überlegt man nicht: Will ich jetzt noch mal studieren oder will ich Musik machen? Dann will man nur Musik machen, denn deshalb ist man auf dieser Erde, für nichts anderes. Und das fehlt natürlich vielen Casting-Teilnehmern. Die haben das nicht von der Pike auf gelernt, sie mussten nicht durch die Scheiße, durch die Täler der Enttäuschung gehen und sich immer wieder selbst motivieren. Sich immer wieder auf die Bühne stellen, auch wenn sie noch so viel auf die Schnauze bekommenhaben. Das formt im Grunde einen Menschen, einen Künstler – und nicht im Schnelldurchlauf in der Villa wohnen und groß präsentiert werden.

Britney Spears oder Lady Gaga?

Beide: Lady Gaga.
Fahrenkrog: Die ist eine super Musikerin und Sängerin.
Anders: Das darf man nicht übersehen. Natürlich will sie über Optik und Skandälchen auffallen, aber das Tolle an ihr ist: Wenn sie sich abgeschminkt, ohne Perücke und mit Jeans an den Flügel setzt, kann sie gut spielen und singen. Sie hat  musikalisch etwas auf der Pfanne.
Fahrenkrog: Dass sie sich inszeniert – so ist eben die heutige Zeit. Anders, als „die Frau am Klavier“, wäre sie nicht so weit gekommen.

Champagner oder Bier?

Beide: Champagner.
Anders: Beim Grillabend und beim Fußball ist Bier schon okay, aber das Genussmomentum ist Champagner.
Fahrenkrog: Bier macht übrigens dick. Außerdem kann ich Champagner eimerweise saufen, ohne betrunken zu werden, das habe ich über Jahre trainiert.

Rib-Eye oder Filet?

Beide: Filet.
Fahrenkrog: Wir sind eher für die Gourmet-Geschichten. Das Leben ist doch schon hart genug.

„Musikladen“ oder „ZDF-Hitparade“?

Beide: „Musikladen“!
Fahrenkrog: Geniale Sendung. Ich habe nicht mal davon geträumt, mal dort zu stehen. Ich sah Kim Wilde dort – und ein paar Jahre später habe ich ihre Platte produziert!
Anders: Schade, dass es sowas heute nicht mehr gibt.

„DSDS“ oder „Popstars“?

Fahrenkrog: „Popstars“. Das Format hat in den letzten Jahren ziemlich gelitten, aber anfangs hatten wir als Jury totale Freiheit, kein Sender hat dreingeredet, nichts wurde fürs Fernsehen schick gemacht. Es ging wirklich um die Künstler. Leider wurde es mit der Zeit immer mehr „DSDS“ angeglichen – und hat so viel von seinem Reiz verloren.

USA oder Deutschland?

Fahrenkrog: Oh. USA per se nicht – da gibt es ja nur zwei Städte, New York und Los Angeles. Die sind schon toll, gerade wenn man Musik macht, aber ich bin natürlich Berliner, also würde ich sagen: Deutschland.
Anders: Deutschland, natürlich. Ob es stört, dass man hier dauernd erkannt wird? Zum einen bringt das auch sehr viele Vorteile, zum anderen – na und? Ich klaue keiner Oma die Handtasche, ich benehme mich gut, und die Menschen sind nur wohlwollend mir gegenüber, egal wo ich hingehe, sie haben Respekt. Das ist doch im Grunde ein Traum. Früher war das bei mir gar nicht so, aber jetzt frage ich mich: Warum soll ich mir im Ausland all das hart erarbeiten, was ich hier sowieso bekomme?

In Russland sind sie aber doch noch erfolgreicher, oder?

Anders: In Russland kann ich nicht normal über die Straße gehen, das ist schon extremer dort. Das hängt mit der Historie zusammen. Als damals unter Gorbatschow die Perestroika kam, hatte die Regierung gestattet, dass der Markt auch für Musik geöffnet wird. Und da hat man sich mal umgehört, wer international gerade so erfolgreich ist, und das waren Modern Talking. Und man hat auch festgestellt: „Cherry, Cherry Lady“ hat keine politische Aussage.
Fahrenkrog: Es war zumindest rot!
Anders: Genau. Also durften wir unsere CDs verkaufen, und die haben reißenden Absatz gefunden. Und ich habe den Erfolg im Laufe der Jahrzehnte weiter ausgebaut.

Stadt oder Land?

Fahrenkrog: Stadt! Thomas ist ja mehr der Naturbursche.
Anders: Koblenz ist auch Stadt!

Fahrenkrog: Findest du?
Anders (unbeirrt): Eine ländliche Stadt eben. Aber ab 100 000 Einwohnern darf man sich Großstadt nennen, das ist die Definition. Ich bin auch für die Stadt, aber ich brauche einen ländlichen Einfluss. Nur Berlin wollte ich nicht. Auch nicht nur London.
Fahrenkrog: Meine Lieblingsstadt war Tokio, ich liebe diese endlose Betonwüste, das unendliche Angebot von Möglichkeiten. Aber die Japaner haben es jetzt ja vermasselt.