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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Nick Caves Skateboard

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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Nick Caves Skateboard

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Folge 75

Vor ein paar Tagen hörte ich einen Radiomoderator eine Wendung prägen, die ich seither anbete. Ich dürste geradezu danach, sie endlich mal irgendwo in einem Gespräch unterbringen zu können, aber es passt nie. Der Moderator sprach gerade über Menschen, die ausschließlich im Internet nach Bettgefährten Ausschau halten. Er sagte: „So weit, so gut. Das kennt man auch aus der Rea­lität.“ Was für ein Spitzensatz: „Das kennt man auch aus der Realität.“ Wenn ich es schon nicht schaffe, ihn irgendwo einzubauen, dann vielleicht ja Sie, werte Leserin!

Wer als höchst erfolgreicher Musiker durch die Welt latscht, kennt womöglich Folgendes aus der Realität: Erfolgsmusiker werden dauernd von allerhand Leuten angehauen, dieses und jenes nicht zwingend Erfolgsmusiker-typische zu machen. Nick Cave etwa wurde neulich gebeten, ein Skateboard zu designen. Mehr noch: Cave kam der Bitte sogar nach. Das Ganze ist freilich kein Einzelfall. J Mascis hat vor Jahren mal einen Turnschuh gestaltet, Paul Weller durfte ein paar Leibchen für eine britische Klamottenmarke entwerfen, und Pink Floyd haben sogar vor einigen Jahren eigenhändig einen Golf zusammengebaut oder so etwas in der Art. Ich würde mir wünschen, die genannten Beispiele machten Schule. Ich werde jedenfalls nicht ruhen, bis ich mir endlich einen von Jeff Tweedy designten Handtuchhalter an die Badezimmerwand nageln kann.

Sie werden es durchschaut haben: Ich habe mit Absicht Jeff Tweedy als Beispiel gewählt, handelt es sich hier doch um einen typischen ROLLING-STONE-Artist. Hätte ich statt eines Jeff-Tweedy-Handtuchhalters einen Aphex-Twin-Duschvorhang gefordert, wäre ich Gefahr gelaufen, noch vor Mitte des Textes das Interesse meiner Leserinnen zu verspielen. Sind Mike & The Mechanics eigentlich auch typische ROLLING-STONE-Artists? Sollte dem so sein, verkünde ich einfach mal in ranschmeißerischer Absicht, was ich eben auf einem Bauzaun las: „Hurra – Mike & The Mechanics sind wieder da!“ Sie touren in diesem Jahr sogar wieder in Deutschland. Yeah! Wenn nicht gar: Yeah! Yeah! Yeah!

Das Nick-Cave-Skateboard werde ich mir übrigens nicht besorgen. Weder skate ich, noch habe ich in meinem Landhaus Platz für ein sinnlos herumstehendes Skateboard, da kann es noch so sehr von Nick Cave sein. (Nur am Rande: Kein Platz in der Bude? – Das kennt man auch aus der Realität!) Und wenn der Butler beim Befeudeln der Bob-Dylan-Bootleg-Sammlung über das blöde Nick-Cave-Skateboard stolpert, könnte dies zu Recht Schlagzeilen wie „Butler stolpert beim Befeudeln von Bob-Dylan-Bootleg-Sammlung über Nick-Cave-Skateboard“ nach sich ziehen, und das wäre für eine Schlagzeile einfach zu lang!

Warum ich nie Skater war? Vielleicht weil ich schon beim Treppenhinabsteigen Angst habe, mir wehzutun. Ich weiß auch gar nicht, was heutige Skater so für Musik hören. Früher war es wohl Hardcore-Kram, aber heute? Vielleicht hören heutige Skater ja auch gar keine Musik mehr. Vielleicht skaten sie einfach nur und warten ansonsten darauf, dass irgendwelche Prominenten limitierte Skateboards designen. Skaten Nick-Cave-Fans eigentlich? Ach, immer diese Fragen.

Mike Rutherford von Mike & The Mechanics spielt gelegentlich ein doppelhalsiges Instrument, das aus einer 12-saitigen Gitarre und einem Bass besteht. Ich glaube, das tun sonst nicht allzu viele Menschen. Doppelhalsigkeit löst bei mir schon seit Jugendtagen Skepsis aus, weitaus mehr Skepsis als Skateboards. Auch wenn man sich beim Verwenden von Doppelhals-Instrumenten nicht so leicht verletzten kann, bezweifle ich, dass ich meine Doppelhals-Skepsis je überwinden werde. Selbst wenn Doppelhalsigkeit demnächst im Zuge irgendeines Revivals als tolles, campes Ding ausgerufen wird, werde ich weiter grimmig gucken, wenn Musiker mit zweihalsigen Saiteninstrumenten bewehrt Bühnen betreten. Sonst weiß ich nicht viel über Mike Rutherford. Doch: Er ist Polo-Spieler mit einem Handicap von 0. Ich vermute, Mike & The Mechanics werden niemals ein Skateboard designen. Noch nicht mal in der Realität.

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