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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Sherlock Holmes und die ägyptischen Limericks


von

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Madonna In Concert - Atlantic City, NJ

Weniger toll war es wohl bei Madonna, zumindest, wenn ich meinem Freund Alfred Jansen Glauben schenken darf, der dem Kölner Auftritt der Dame beiwohnte. Es sei so ziemlich jedes Arena-Show-Szenario durchgekaspert worden, das bei Damen wie Madonna eben so durchgekaspert werden muss, so Jansen, auch einen Ausflug nach Ägypten habe man sich nicht verkniffen. Ich glaube, ich muss in meine Live-Shows auch irgendwas Ägyptisches reinbekommen. Ich mache mal ein paar Skizzen, bespreche das Ganze mit meinen Technikern und melde mich dann wieder.
Alfred Jansen fasst seinen Eindruck des Madonna-Konzerts am Ende mit diesen schönen Worten zusammen, die man viel öfter auf aufgepumpte Arena-Shows anwenden sollte: „Eigentlich war’s wie bei André Heller.“

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Ich habe in diesem Jahr so viele Konzerte verpasst wie noch nie. Viele nicht besuchte Auftritte habe ich inzwischen halbwegs verkraftet. Doch das schlimmste Säumnis steht mir noch bevor: Beim 5. Weekend Fest, das an diesem Freitag und Samstag in meiner Heimatstadt Köln ausgetragen wird, ist am Samstag einer der seltenen Liveauftritte des mächtigen Wild Billy Childish zu bewundern. Zuletzt sah ich Childish mit seiner damaligen Band Thee Headcoats (Vorband: Thee Headcoatees!) in den Neunzigern. Ein unvergessliches Konzert: Die Band trug Sherlock-Holmes-Klamotten und spielte weit über drei Stunden. Zwischendurch fiel auch mal der Strom aus, aber das war egal. Nach jedem vierten Song stand der Schlagzeuger auf und trug einen Limerick vor. Ich glaube, ich werde künftig bei Liveauftritten auch Limericks aufsagen, eventuell kombiniere ich das Rezitieren ja mit einem ägyptischen Bühnen-Szenario. Sie sehen: In der Rockmusik und ihrer Live-Darreichung ist noch weit mehr möglich, als uns Miesmacher Glauben machen wollen!
Warum ich den Billy-Childish-Auftritt verpasse? Nun, weil ich an diesem Tag selbst auftrete. Gemeinsam mit den Kollegen Berni Mayer und Maik Brüggemeyer bin ich als „Rolling Stone Boygroup“ in Erlangen, der berühmten Stadt, zu sehen. Mal sehen, vielleicht tragen wir ja auch Sherlock-Holmes-Klamotten.

Donald Kravitz WireImage


Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Anfang vom Ende

Folge 213 Im Januar des Säkularjahres 2000, vor gut 20 Jahren also, wurde ein Jahrtausend verabschiedet. Wir hatten noch einmal Prince aufgelegt und versucht, so zu tanzen, als wäre es 1999. Das Problem: Es war tatsächlich noch 1999. Am nächsten Morgen durfte man erst einmal beruhigt feststellen, dass alle Computer noch liefen. Aufatmen. Dann konnte es losgehen. Yippie! Ich bezweifle hier einfach mal, dass das Pop-Jahr 2000 irgendjemandes musikalische Lieblingsära ist. Es war ein Jahr des Luftschnappens: Wir hatten New Metal, TripHop und so komische Sachen wie Jamiroquai überlebt und ahnten noch nicht, dass das nächste Jahrzehnt im Zeichen röhrenhosiger…
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