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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Ohren auf!

Folge 105

Vor einigen Wochen durfte ich eine interessante Erfahrung machen: Ich wurde am Auge operiert. Die unschöne Begebenheit verdankt sich einem Unfall, bei dem ich vor Jahren einen Dartpfeil ins Auge bekam. Sensible Zeitgenossen, das hätte ich vielleicht schon früher schreiben sollen, sind womöglich gut beraten, von einer Lektüre dieses Textes abzusehen und stattdessen eventuell die neue Savages-Platte oder Ähnliches zu hören.

Nun sind Augenoperationen eigentlich kein Thema, aus dem sich Kapital für eine Pop-Kolumne schlagen ließe. Es gibt zwar reichlich populäre Augenlieder („Bette Davis Eyes“, „Eye Of The Tiger“, „Dancing With Tears In My Eyes“), doch Stücke über chirurgische Eingriffe am Auge sind rarer als Punkrocksongs, in deren Texten nach mehr Kinder­tagesstätten in Ballungszentren verlangt wird. Der einzige Zusammenhang zwischen Pop und Augenoperationen, der mir in all den Wochen der Rekonvaleszenz einfallen wollte, waren die Hintergrundprojektionen, die die Flaming Lips Ende der 90er-Jahre für ihre Live-Shows nutzten. Da gab es, neben Aufnahmen des dirigierenden Herbert von Karajan, Atompilzen und allerhand psychedelischem Getöse, auch Aufnahmen von Augenoperationen zu sehen. Diese glorreichen Zeiten aber gehören der Vergangenheit an: Die Flaming Lips sind längst zu einer experimentellen Event-Band verkommen, die mit Miley Cyrus Tüten baut. Vor einiger Zeit war ich mal wieder auf einem Flaming-Lips-Konzert. Das Ganze wirkte einigermaßen professionell, und LED-Fetischisten dürften sich vor Erregung auf dem Boden gewälzt haben. Hintergrundprojektionen von Augenoperationen aber waren nicht mehr zu, äh, beäugen. Trotzdem: Von allen experimentellen Event-Bands, die mit Miley Cyrus Tüten bauen, sind die Flaming Lips ganz klar die beste.

Wenn man’s an den Augen hat, hört man anders. Nicht länger abgelenkt durch erschöpfende Paralleltätigkeiten war ich nunmehr aufs reine Hören zurückgeworfen. Und stellte fest: Mir waren im vergangenen Jahr einige großartige Alben entgangen, die zugunsten deutlich langweiligerer Platten nicht Einzug in meine Jahrescharts finden konnten. Ganz vorn dabei: „Perpetual Motion People“ von meinem liebsten Crossdresser, Ezra Furman. Was für eine Platte: eine völlig aufgekratzte und quietschbunte Indiehit-Schatulle, deren Lyrics oft klingen, als hätte jemand einen amoklaufenden 1966er-Dylan-Text-Roboter auf 2016 programmiert. Das Beste auf dem Album sind aber die Saxofone! Hätte ich mir nicht das Auge operieren lassen, wäre mir wohl nie in den Sinn gekommen, den Saxofon­einsatz auf einem Album zu loben, bin ich doch ansonsten der Meinung, dass alle Saxofone sofort aus der weißen Rockmusik gelöscht werden sollten – außer denen auf Adri­ano Celentanos „Ciao Ragazzi“, in einer Handvoll Spring­steen-Songs und in Rod Stewarts „Baby Jane“. Keine augenlose Spät­entdeckung hingegen wurde der Band Savages zuteil: Savages ohne Augen sind fad. Mit Augen eigentlich auch. Aber dieser Klang wird offensichtlich alle zehn Jahre in der Popmusik gebraucht.



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Mysterien des Alltags

Folge 205 Manchmal kehrt man von einer Tournee verändert zurück. Das liegt weniger daran, dass tourende Musiker – wie gern angenommen wird – Unmengen von Drogen nähmen oder anderen Formen der Ausschweifung nachgingen. Es sind eher kurze, unverhoffte Gespräche mit wildfremden Menschen nach einem Auftritt oder kleine Eindrücke am Wegesrand, die einem neue Perspektiven jenseits des heimischen Alltags eröffnen – oder einen im schlimmsten Fall nie wieder in diesen zurückfinden lassen. Neulich unterhielt ich mich in Hannover nach einem Konzert mit einer Frau, die mir ausgiebig von ihrer Leidenschaft für das Nasenflötenspiel berichtete. Ihr Partner, ein Türsteher, habe ihr das…
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