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Glaube, Liebe, Hoffnung (16): Wenn Sport zu Porno wird, kommt Ronaldo heraus – der Spornosexuelle

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Glaube, Liebe, Hoffnung (16): Wenn Sport zu Porno wird, kommt Ronaldo heraus – der Spornosexuelle

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Jetzt fängt die EM erst richtig an. Die obere Hälfte der K.O.-Runde ist aber ein ziemlich absurder Haufen, wo man allenfalls drei von acht Teams Halbfinaltauglichkeit attestieren möchte, nämlich Belgien, Kroatien und Portugal, schon den Ungarn traut man das doch eigentlich nicht zu. Daher sind die kommenden Achtelfinalbegegnungen schon so etwas wie heimliche Halbfinale. Vor allem das Spiel zwischen Portugal und Kroatien weckt hohe Erwartungen, treffen hier doch zwei völlig unterschiedliche Spielstile aufeinander, und die positive Überraschung der Vorrunde auf die negative.

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Der Kroate an sich ist ja im persönlichen Kontakt ein gemütlicher, umgänglicher Mensch, neigt aber bekanntlich zur Selbstüberschätzung und Großmäuligkeit. Daher wird der überraschende 2:1 Sieg gegen Europameister Spanien den Kroaten nicht guttun. Sie werden glauben, die Portugiesen einfach so in die Tasche zu stecken, wo sie doch schon die Spanier in die Pfanne gehauen haben, sei es auch knapp, spät, mit Glück und durch einen Torwartfehler. Portugiesen wiederum haben einen Neigung zur Melancholie und Selbstkasteiung. Sie sind nicht ganz so temperamentvoll wie die Spanier, den Deutschen ähnlicher, und haben nach Ansicht der Lustanistin Julya Teychman eine “fast slawische Mentalität”.

Die portugiesische Seelenruhe und Introvertiertheit kann im schlimmsten Fall mit Selbstzerstörung einhergehen, im besten mit stoischer Gelassenheit. Dies genau wird entscheidend für die Achtelfinalbegegnung: Bleibt Portugal cool, oder lassen sie sich frustrieren? Kroatien wird jedenfalls blind, aber direkt und mit Wucht wie Können anrennen, Portugal wird erstmal verteidigen. Damit entspricht Portugals Team genau dem Trend dieser EM zur Radikaldefensive auf hohem Niveau.
Darum sollte ein knapper Sieg, 1:0 oder 2:1 für Portugal, gegebenenfalls nach Verlängerung, drin sein.

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40 Standards in Serie hat Ronaldo verschossen, kein Trainer der Welt würde so einen noch schießen lassen, außer in der portugisischen Nationalmannschaft, die aus zehn Spielern und CR7 besteht. Die “SZ” hat inzwischen einen neuen Männertyp gesichtet – und der hat fatale Ähnlichkeit mit Cristiano Ronaldo. Er  präsentiert am liebsten seinen gemeißelten Körper auf dem Marktplatz. Die Wortschöpfung “Sporno” ist die Verschmelzung von Sport und Porno.

“Geprägt wurde sie von dem britischen Journalisten Mark Simpson, der schon 1994 die neuen Metrosexuellen feierte und sich Jahre später mit dem Begriff Retrosexualität auseinandersetzte. In einem Essay hat der Autor den metrosexuellen Mann nun offiziell beerdigt und seinen Nachfolger ausgerufen: ‘Der Metrosexuelle ist tot. Lang lebe der Spornosexuelle’ titelt der britische “Telegraph” und präsentiert eine “extremere, übersexualisierte und körperfokussierte Version’ des “Metros” als dessen kulturellen Erben.

Es sei nun an der Zeit, schreibt Simpson, einen neuen Begriff zu finden für die Weiterentwicklung des metrosexuellen Mannes – ‘diese aufgepumpte Nachkommenschaft’ jener Ronaldo- und Beckham-Werbebilder, bei denen Sport und Porno miteinander ins Bett stiegen, während Armani Fotos davon schoss.

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Der “Sporno” ist ein Narzisst. Er trägt keine Maßanzüge, sondern Slips oder Badehosen. Also möglichst wenig, das den gestählten Leib verdecken könnte. Das Ergebnis präsentiert er vornehmlich auf dem virtuellen Marktplatz der Eitelkeiten, wo die Community sich ergötzen kann an ästhetisch brillanten Selfies. “Für die heutige Generation sind Social-Media-Plattformen, Porno und Selfies die maßgeblichen Faktoren der männlichen Sehnsucht, begehrt zu werden”, schreibt Simpson.

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Wales gegen Nordirland, Brexit gegen Remain. Auch diesmal wird das Remain-Lager unterliegen, und Wales, das zweite echte Überraschungsteam dieses Turniers, wird alles richtig machen, was die Deutschen am Dienstag nicht geschafft haben, und wird sich gegen Nordirland klar durchsetzen: 3:1 für Wales.

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Und schließlich Schweiz gegen Polen. Ein unsägliches Taktieren wird das werden, von zwei nicht sehr einfallsreichen Teams. Die Schweiz wird von der ersten Minute an auf 0:0 spielen und aufs Elfmeterschießen setzen. Wer sollte auch für die Schweiz die Tore schießen, nachdem sie bisher nur gegen Rumänien und Albanien je ein Tor geschossen haben. Polen hingegen hat immerhin Lewandowski, ist insgesamt stärker und wird die Chance nutzen. 1:0 für Polen, vermutlich erst nach Verlängerung.

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