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Blackout Tuesday

„Helle Nächte“: Fader Vater-Sohn-Trip

Der Vater hält sich hartnäckig als das Symbol der fehlgeleiteten innerfamiliären Kommunikation. Noch immer wabert das Bild des cholerischen Pa­triarchen durch die Kunst, der sich in seiner nach Bartwichse, Leder und Zigarren muffelnden Schreibstube verschanzt, vergilbte Bücher wälzt, Freunde aus der Freimaurer­loge empfängt und seinen Kindern nur zu Weihnachten halbherzig durchs Haar streicht. Die Vaterfigur hat sich natürlich mittlerweile der Steifheit des Gehrocks entledigt und ist mit Scheidung, Selbstständigkeit und Smart­phone fürs neue Millennium aufgefrischt worden. Die Grundzutaten Absenz, Desinteresse und emotionaler Ungeschmeidigkeit sind jedoch geblieben.

Regisseur Thomas Arslan widmet sich in seinem neuen Film „Helle Nächte“ ebenjenen väterlichen Verfehlungen. Michael (Georg Friedrich) reist nach Norwegen, um dort seinen Vater zu beerdigen. Er überredet seinen 14-jährigen Sohn Luis (Tristan Göbel), zu dem er seit Jahren nur sporadisch Kontakt hat, ihn zu begleiten. Und so fährt das Vater-Sohn-Gespann zur Zeit der Sommersonnenwende angespannt schweigend durch die karge Landschaft Norwegens, die nie im Schutz der Dunkelheit verschwindet.

Strereotypes Schweigen

Eigentlich ist Thomas Arslan ein Meister der minimalistischen Erzählung: In „Ferien“ hat er auf Basis des Nichtstuns das soziale Gefüge einer Familie seziert und dabei en passant gesellschaftliche Strukturen aufgezeigt, in „Gold“ hat er Nina Hoss als Goldschürferin Richtung Klon­dyke River geschickt, wobei der Weg bereits das Ziel war. In „Helle ­Nächte“ verkommt das entschleunigte Familienporträt aber zu einem faden Roadtrip. Statt differenzierter Stille dominiert hier das stereotype Schweigen, das ebenso schwer auszuhalten ist wie der krampfhafte Versuch des Vaters, mit der gemeinsamen Reise die Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen. Hinzu kommt eine wenig subtile Symbolik. Da kann auch der großartige Georg Friedrich nichts ändern, der auf der diesjährigen Berlinale für diese Rolle als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde.


Wir brauchen „Imagine“ heute mehr, als John Lennon sich das je erträumte

John Lennon schrieb „Imagine“ an einem Vormittag Anfang 1971 in seinem Zimmer im Landsitz Tittenhurst. Yoko Ono sah zu. Lennon saß an dem weißen Flügel, der aus Filmen und von Fotos inzwischen weltbekannt ist, und komponierte „Imagine“ von Anfang bis Ende, in einem Rutsch. Die wehmütige Melodie, das federweiche Akkordmuster, die einprägsame Vier-Noten-Folge und fast den kompletten Text – 22 anmutige, schlichte Songzeilen über den Glauben daran, dass man die Welt verändern und heilen kann, wenn die Menschen feststellen, dass sie dieselben Träume haben. https://www.youtube.com/watch?v=YkgkThdzX-8 „Er hat sicher nicht gedacht: ,Hey, das wird eine Hymne!‘“, sagte Yoko 30 Jahre später.…
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