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HERO: Warum Sting für sein Lebenswerk geehrt wird

Als Sting in den 80er-Jahren so berühmt war, dass er alles machen konnte, war ein Text im Feuilleton überschrieben: „Der Mann, der zu viel wusste“. Gordon Sumner, der Arbeitersohn aus Wallsend im Norden Englands, war einige Jahre Englischlehrer. Er las viel. Er schrieb Songs voll literarischer Anspielungen. „Ghost In The Machine“, eine Platte seiner Band The Police, ist nach einem Buch von Arthur Koestler betitelt. The Police waren ein Drei-Mann-Kraftwerk, sie verquickten Stings eingängige Drei-Minuten-Popsongs mit den verzögerten Rhythmen des Reggae, und so wurden sie mit ihrer ersten Platte 1978 zu Superstars. „Message In A Bottle“, „Every Little Thing She Does Is Magic“, „Spirits In The Material World“ – Songs, die bis heute auf Tausenden von Playlisten stehen. Sting, der Intellektuelle als Popstar, löste die Gruppe nach dem Welthit „Every Breath You Take“ und der letzten Tournee 1984 auf. Es war alles erreicht.

So machte Sting allein weiter – mit den Jazz-Musikern Branford Marsalis, Kenny Kirkland, Omar Hakim und Darryl Jones. Das Album „The Dream Of The Blue Turtles“ (1985) und die Live-Platte „Bring On The Night“ (1986) sind Zeugnisse der inspirierten Fusion von Stings raffiniertem Songwriting und der Improvisationskunst der Musiker. Sting befasste sich in seinen Liedern mit den Soldaten im Ersten Weltkrieg („Children‘s Crusade“), mit dem nuklearen Abraum („We Work The Black Seam“), mit der Konfrontation im Kalten Krieg („Russians“) und mit den Müttern der Verschleppten in der argentinischen Militärdiktatur („They Dance Alone“). Der portugiesische Dichter Fernando Pessoa war kein Fremder für Sting: „Fragile“, einen seiner schönsten Songs, nahm er auch in einer Fassung auf Portugiesisch auf.

Schon in „Quadrophenia“, einem BBC-Film nach der Platte von The Who, hatte Sting eine prägende Rolle. Dann spielte er in David Lynchs Film „Der Wüstenplanet“ (1984) und in „Stormy Monday“ (1988) von Mike Figgis, und auch das machte er gut. Er arbeitete mit dem deutschen Avantgardisten Eberhard Schoener und sang Lieder von Brecht/Weill und Hanns Eisler. Das Album „The Soul Cages“ (1991) markierte eine Zäsur: eine introspektive Rückschau, die Sting nach dem Tod seines Vaters schrieb.

Zur Jahrtausendwende verwandelte sich Sting abermals: Er adaptierte arabische Musik und Country Music. Dann lernte er obsessiv das Lautenspiel und nahm ein Album mit den altertümlichen Liedern von John Dowland auf, danach eine Platte mit klassischen Winter- und Weihnachtsliedern, schließlich eine Werkschau seiner Songs mit Symphonieorchester, „Symphonicities“. Einen Songzyklus (und ein Musical am Broadway), „The Last Ship“, widmete er 2013 den verschwundenen Werften und Arbeitern seiner Heimatstadt, um dann das erste Album mit Rocksongs seit 13 Jahren aufzunehmen. Mit Shaggy veröffentlichte er 2018 ein enorm erfolgreiches Reggae-Album, zuletzt Neuinterpretationen seiner eigenen Stücke: „My Songs“.

Schon in den 80er-Jahren beteiligte sich Sting an Konzerten für Amnesty International und gründete den Rainforest Foundation Fund zum Erhalt des brasilianischen Regenwaldes und der indigenen Kultur. Kürzlich veröffentlichte er angesichts der Waldbrände einen profunden Aufruf zum Handeln. Gordon Sumner weiß sehr viel – und er weiß auch, was er mit dem Wissen machen kann.

Der International Music Award wird erstmals am 22. November in Berlin vergeben.

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