Spezial-Abo

Freiwillige Filmkontrolle


Jack Bruce: Der Tod des Cream-Bassisten


von

Als Eric Clapton, Ginger Baker und Jack Bruce 1966 Cream gründeten, bestand Clapton auf Bruce als Bassisten der Band, obwohl sich Bruce und Baker von Beginn an aneinander rieben. Die Entscheidung, als Trio zu arbeiten, fiel darüber hinaus erst, nachdem zahlreiche Anwärter auf die Position des Sängers getestet worden waren, darunter Ray Phillips von den Nashville Teens und Steve Winwood von der Spencer Davis Group. Clapton war sich bewusst, dass Bruce kein einfacher Durchschnittsmusiker war, der in einer Band ein wenig die einzelnen Basstöne mitspielen konnte. In der Mischung aus Blues, Rock und experimentellen Klänge interpretierte Bruce das Instrument viel weitreichender als die meisten seiner Berufsgenossen jener Zeit (John Entwistle einmal ausgenommen).

„Jack Bruce hat mir definitiv die Augen dafür geöffnet, was ein Bassist live alles kann“, sagte Black-Sabbath-Bassist Geezer Butler einmal. „Ich bin hauptsächlich wegen Clapton zu Cream gegangen, doch ich war fasziniert von Jack Bruce‘ Spiel. Ich wusste nicht, dass ein Bassist diese Dinge tun kann, indem er dort einspringt, wo normalerweise die Rhythmusgitarre steht.“

Jack Bruce

Was dem Publikum gefiel und noch während des kurzen Bestehens der Band zwischen 1966 und 1968 Millionen Platten verkaufte, sorgte im Inneren jedoch für Unbehagen. Die ausufernden Live-Improvisationen nannte Clapton einmal „endlose, bedeutungslose Solos“. Cream spielten sie nicht, weil sie ihnen selbst gefielen, sondern weil das Publikum es von ihnen erwartete. Den Chicago-Blues-Standard „Spoonful“ etwa dehnte man bei der Aufnahme aus dem Filmore in San Franciso über mehr als eine Viertelstunde.

Der Punkt, an dem es nicht mehr weiterging, war nach gerade einmal zwei Jahren schnell erreicht. Nach einer US-Tour und zwei Abschiedskonzerten in der Londoner Royal Albert Hall lösten sich Cream auf.

Drummer Ginger Baker und Gitarrist Eric Clapton von Cream auf der Bühne des Starlight Ballroom in Greenford, London 1967.

„Ich habe die Musik nicht adoptiert, die Musik hat mich adoptiert.“

Jack Bruce wurde am 14. Mai 1943 in Bishopsbriggs geboren, eine Kleinstadt nördlich von Glasgow. Seine Eltern gehörten zur Arbeiterklasse, stark linksgerichtete Überzeugungen gehörten dabei zu Bruce‘ Erziehung. „Meine Mutter sang schottische Volkslieder und mein Vater war ein großer Fan des traditionellen Jazz von Leuten wie Fats Waller und Louis Armstrong. Aber mein älterer Bruder liebte modernen Jazz. Es gab buchstäblich physische Kämpfe in unserem Haus zwischen meinem Vater und meinem Bruder, die sich über die Rolle des Saxophons im Jazz oder so stritten, richtige Schlägereien“, erinnerte sich Bruce. „Ich habe die Musik nicht adoptiert, die Musik hat mich adoptiert.“

Als Teenager sang Bruce in einem Kirchenchor und besuchte die Royal Scottish Academy of Music, um Klavier und Cello zu studieren. Ein Studium, das er nicht abschloss, doch das Cello übte einen starken Einfluss auf sein Bass-Spiel aus. Johann Sebastian Bach, dessen Kompositionen er auf dem Cello gelernt hatte, habe die besten Bassläufe aller Zeiten geschrieben, so Bruce‘ Überzeugung.

Von Alexis Korner zu Marvin Gaye

Anfang der 60er suchte Jack Bruce den Kontakt zur Blues-Szene in London. Er spielte in diversen Gruppen, traf Ginger Baker (der schon damals fand, Bruce‘ Spiel sei zu hektisch) und stieg schließlich bei Alexis Korner’s Blues Incorporated ein. „Die Arbeit mit Alexis war die prägendste und wichtigste Zeit meines Lebens“, sagte er später. 1965 bekam er ein Angebot, das beinahe dazu geführt hätte, das Cream nie entstanden wäre. Marvin Gaye bat ihn, in seiner Band zu spielen, doch Bruce lehnte ab.

Jack Bruce 1967

„Zu dieser Zeit musste ich viel Kritik einstecken, weil ich zu viele Noten spielte. Weil ich auf eine bestimmte Art und Weise Bass spielte“, sagte er später dem Bass Guitar Magazine. „Marvin liebte aber mein Spiel, also wurde mir klar, dass ich etwas richtig gemacht haben musste. Es wäre erstaunlich gewesen, wenn ein Weißer dabei und Teil dieser Szene gewesen wäre. Es hätte eine Menge Dinge verändern können und wäre wunderbar gewesen. Aber ich war zu jung, und es hätte Cream nicht gegeben.“

Die Todesursache von Jack Bruce

In den Jahrzehnten nach der Auflösung von Cream arbeitete Jack Bruce unbeirrt weiter und schenkte den finanziellen Erfolgsaussichten seiner Musik wenig Beachtung. In zahlreichen Jazz- und Blues-Bands machte er das, wonach ihm der Sinn stand – und überwand seine Heroin-Sucht. Mit Ginger Baker und Gary Moore gründete er die kurzlebigen BBM, spielte außerdem in Charlie Watts Bigband und Ringo Starr’s All Starr Band.

2003 forderten die Jahre des Exzesses erstmals ihren Tribut. Ärzte diagnostizierten Leberkrebs, der eine Transplantation erforderte. Jack Bruce Immunsystem stieß das neue Organ zunächst ab und kämpfte gleichzeitig mit einer Lungenentzündung, die ihn beinahe das Leben kostete. Trotz allem erholte sich der Musiker, den Roger Waters als den „musikalisch begabtesten Bassisten aller Zeiten“ bezeichnete. Nur zwei Jahre später kam es zur Reunion von Cream bei einzelnen Konzerten im Madison Square Garden in New York und der Royal Albert Hall, in der die Band vierzig Jahre zuvor ihren Abschied gefeiert hatte.

Cream 1966

Elf Jahre nach der Lebertransplantation erlag Jack Bruce schließlich den Folgen der Operation. Am 25. Oktober 2014 starb er in Suffolk, England, an Leberversagen. Er wurde 71 Jahre alt.

 

 

Sulfiati Magnuson Sulfiati Magnuson
Michael Putland Getty Images
Michael Ochs Archives
RB Redferns

Ramones: Ihre Geschichte und der Tod der Gründungsmitglieder

Die Ramones mögen den Punk-Rock erfunden haben oder auch nicht. Unbestreitbar gehören sie zu den wichtigsten Bands in seiner Geschichte und schufen einen stilistischen Prototyp, dem unzählige Bands folgten. In ihnen bündelte sich der Donner und Blitz von The Who, die Geschwindigkeit und der Primitivismus von Iggy und den Stooges. Dazu abwechselnd mürrische und alberne Grübeleien in Form von Songtexten, die die Pop- und Jugendkultur der 70er gleichzeitig verspotteten und feierten. Die Ramones synthetisierten ihre Einflüsse zu etwas Rohem und Revolutionärem, einer Wut aus stampfenden Rhythmen und peitschenden Gitarren, zusammengehalten von rudimentären und doch unwiderstehlichen Melodien. Die Ramones waren melodisch,…
Weiterlesen
Zur Startseite