Konzertreview: Gemma Ray mit dem Filmorchester Babelsberg


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„Auf der Linie der S25 kommt es zu Einschränkungen…“, erklärt eine Stimme zu Konzertbeginn. Eine ungewöhnliche Einleitung, die mit dem ein oder anderen Schmunzeln und vor allem mit spannungsvollem Schweigen entgegengenommen wird – denn alles was von nun an in der im Studio des Filmorchester Babelsberg passiert, wird live auf Radio Eins gesendet.

Doch soll dabei natürlich nicht die aktuelle Berliner Verkehrslage im Zentrum stehen, sondern das anstehende Konzert, das die Songwriterin Gemma Ray zusammen mit dem Filmorchester Babelsberg spielen wird. Eine Stunde lang wird die britische Künstlerin, die inzwischen in Berlin lebt, zusammen mit dem Orchester sowie einer kleinen Begleitband spielen.

Den Anfang macht Gemma Ray mit „Make It Happen“ von ihrem neuen, vierten Album „Island Fire“. Ein guter Einstieg, bei dem nach den ersten paar einzelnen Akkorden, nach und nach, immer weitere Teile des Orchesters mit einsteigen, und der Song so nach wenigen Takten den Raum einnehmen lässt. Ein Spiel mit Stille und bedrohlichen Dröhnen – das Gemma Ray ohne Frage beherrscht und immer wieder gerne bei ihren Songs einfließen lässt, so zum Beispiel auch bei den später folgenden „Runaway“ und „Flood And A Fire“, die das Publikum anscheinend schon kennen und mit besonderen Applaus belohnen.

Ein Sound, den die meisten von dieser jungen Frau im Blümchenkleid und sechziger Look nicht unbedingt erwarten dürften, der sich jedoch durch die meisten ihrer Songs zieht. Während sie mit klarer, heller Stimme über den oft brausenden, verzerrten, wummernden Gitarrenklängen singt, steht Gemma Ray meistens ruhig auf ihrem Platz und lässt lediglich die Musik wirken. Das Orchester greift die Dynamiken auf und lässt die anwesenden Zuschauer immer wieder kurz erschauern.

Bereits auf ihrem Album hat Gemma Ray schon die ein oder andere, sparsam eingesetzte Geige oder Flöte erklingen lassen, doch an diesem Abend zeigt sich, dass ihre Songs auch einmal die ganz große Ausstattung, eben ein vollständiges Filmorchester, vertragen. Immer wenn sie kurz davor stehen ins allzu pathetische oder süßliche abzudriften, setzt das Orchester wieder aus und es bleiben für einen Moment nur Ray und ihre Gitarre – die sie dann auch gerne mal, fast vorsichtig, mit einem Messer statt mit einem Plektrum streicht. Wieder dieses Spiel mit den Gegensätzen.

Ein lohnender Abend für die knapp dreißig im Studio anwesenden Gäste und auch für die Sängerin selbst, die sich zum Ende hin offenbar ehrlich begeistert beim Orchester bedankt.

Wer nun neugierig geworden ist: Im September, am 05. um genau zu sein, spielt Gemma Ray noch einmal mit dem Filmorchester Babelsberg im Tempodrom.