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Kritik: U2 live in Berlin – und Bono sagt: „No more Chemnitz!“


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Update: Konzertabbruch! Aus Bono Vox wurde No No Vox beim zweiten Auftritt.

Es gehört zur Lieblingssportart der Musikkritiker, sich über Bono aufzuregen, den „Polit-Prediger“. Das ist so simpel wie ein Schuss ins leere Fußball-Tor, weil, wie es so schön heißt, „Pop und Politik nicht zusammengehören“. Ist das so? Der Beweis dafür steht ja, seit es Pop gibt, also seit mindestens 60 Jahren, aus – genauso wie der Beweis für das Gegenteil: dass Pop und Politik sehr wohl zusammengehören. Wer kann das schon beurteilen!

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Warum soll sich Bono also nicht über die Zustände in diesem Land aufregen? Weil er Ire ist? Oder Multi-Millionär? Beim Europa-Auftakt der „Experience + Innocence“-Tour in Berlin ruft er „No More Chemnitz!“ und er bringt auch, auf Deutsch, den neuen Anti-Nazi-Slogan „Wir sind mehr“.

Richtig so! „We are one, but we’re not the same“, singt er ganz am Ende, und gestikuliert wild: „Wir können diesen Song gar nicht singen, OHNE darauf hinzuweisen, was hier in Europa schief läuft.“

Bono kennt sich ja durchaus mit den Ländern aus. Macht einen anderen Eindruck als etwa Mick Jagger, der bei Stones-Konzerten in jeder Stadt der Welt nur regionaltypische Kalauer aus dem Hut zaubert (Berlin: BER, Stuttgart: Mercedes) und jedesmal so wirkt, als hätte man eine Stunde vor der Show eine Stichwortkarte rübergereicht und die dann mit ihm vor dem Schminkspiegel eingeübt.

Wer sich über Bono amüsieren will, sollte das vielleicht eher bei „The Ocean“ tun. Denn da hätte der Mann auch einfach mal nichts sagen können. Es ist eines der ganz wenigen Instrumental-Stücke der Band und so atmosphärisch, dass es instrumental bleiben sollte. Aber der Sänger nutzt es, um zur Melodie eine Rede über seine Mutter zu halten.

Und sonst so?

Und sonst so muss man vermerken, dass die „Experience + Innocence“-Tour sich kaum von der „Innocence + Experience“-Tour von 2015 unterscheidet. Sie bietet ein ähnliches Programm, das „E“ und das „I“ wurden halt vertauscht. Und schnell wird klar: Wer U2 das erste Mal in seinem Leben sieht, darf sich vielleicht über Songs wie „One“ freuen. Bei allen anderen kehrt Langeweile ein.

Paul Morigi Getty Images

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