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U2-Konzertabbruch in Berlin: Was an Bono „no no“ Vox gut war

Nach fünf Songs und 20 Minuten war Schluss: U2 mussten ihr zweites Konzert des Europa-Auftakts ihrer „Experience and Innocence“-Tour gegen 21 Uhr abbrechen. Bonos Stimme verschwand – und kehrte nicht wieder. Auch nicht nach einer Pause von fast einer Stunde, bei der der Musiker backstage versuchte, seine Stimmbänder in den Griff zu kriegen.

„Ich habe leider keine guten Nachrichten“, sagte dann der Hallensprecher der Mercedes-Benz-Arena. Er bat ausdrücklich darum, die Tickets aufzuheben – denn es werde nach einer Lösung gesucht, an deren Ende hoffentlich nicht die Rückgabe der Konzertkarten, sondern ein Ersatztermin von U2 stehe. Aber erstmal: ab nach Hause!

Bei „Red Flag Day“ ging’s los

Kooperation

Wie werden sich die Bono-Skeptiker freuen, dass ausgerechnet er, der Prediger, seine Stimme verloren hat! Wer die Sache jedoch fair betracht, kommt um den Schluss nicht herum: Man erlebte einen – vielleicht in der 42-jährigen Band-Geschichte einmaligen – Versuch, eine ins Schlittern geratene Sache zu retten. Konzert-Gold.

Die „Experience + Innocence“-Tour funktioniert ja sonst wie eine Maschine, Einspieler wie die Setlist sind eingeübt, aber hier sahen wir eine Band in der Improvisation. Bei „Red Flag Day“ fasst Bono sich erstmals an den Hals und blickte Richtung Tontechniker zur Seite.

„Eben noch war alles okay“, sagte Bono am Ende des Lieds. „Ich weiß auch nicht, was los ist.“ Umso lauter war dafür einer der meistunterschätzen Co-Sänger der Musikgeschichte: The Edge. Er fing seinen Chef auf. Es klang toll.

Bono konnte seinen Stimmverlust nicht glauben: „Could sing like a bird ten minutes ago.“

Sogleich erlebte man einen Einblick in die Feinabstimmung zwischen Stimme, Luft und Bühnenventilation: Bono erkundigte sich, was mit der Nebelmaschine nicht in Ordnung sei („dicker Zigarrenqualm“). Er bat darum, die Lüftung so einzustellen, dass der Rauch abzieht. Das sind Abläufe und Lösungsvorschläge, die vielleicht keinem Konzertbesucher je gekommen wären.

„Beautiful Day“ in der darauf folgenden Version gab es so noch nie zu hören: Bono rief den Text. Singen war komplett ausgeschlossen. Als Song fünf zu Ende war, drehte er sich zu den anderen drei um, gestikulierte beruhigend mit den Händen langsam gen Boden, stellte sicher, dass Larry, Adam und Edge das mitbekamen und nicht gleich in Stück sechs, „The Ocean“, einstiegen. Das waren intime Momente wie bei einem Soundcheck.

Und das war’s. Leichte Verbeugung, und Pause – aus der ein Konzertabbruch wurde.

Wie unschön es sich anhören kann, wenn Bono mit versagender Stimme singt, lässt sich etwa auf dem Sarajevo-Konzert von 1997 nachhören. Das sagte er damals einfach aus dem Grund nicht ab, weil es der erste U2-Auftritt in der damaligen Kriegsregion war.

Der letzte Abbruch eines Konzerts der Iren war, wie U2tour.de berichtet, vor fast 30 Jahren: 1989 in Amsterdam. Damals spielte die Band immerhin noch 16 Songs.

Gut, dass U2 nicht Guns N’Roses sind und wir nicht im Jahr 1991. Deren Fans hätten die Halle zerlegt.

Bono bricht ab:

 

Paul Morigi Getty Images
Paul Morigi Getty Images

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„We’re going away now“, sagte Bono beim letzten Konzert der Band ihrer aktuellen Tour in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin. Das musste Fans zu denken geben. Machen die Iren doch Schluss, bevor die Zeit sie von selbst irgendwie wegspült? Natürlich sollte man Worte während eines von Adrenalin getriebenen Konzertes nicht auf die Goldwaage legen, schon gar nicht wenn sie von U2 kommen. Wie viele Ankündigungen der Iren zerstreuten sich in den letzten Jahren? Doch der Zweifel war in die Welt gesetzt. U2 auf großer Australien- und Asien-Tour? Vielleicht können sich Anhänger der Band mit den ersten Gerüchten beruhigen, die nun die…
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