Ladyboy Gagas und Meerjungfrauenfummler: Der Clip von Lady Gaga zu „Yoü And I“


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Das krasseste Bild im neuen Video „Yoü And I“ sieht man in der 46. Sekunde. Blauer Himmel, ein weites Feld, wogendes Gras, eine bäuerliche Holzhütte – keine Lady Gaga. Keine Gaga Frankenstein in Brautkluft. Keine brustwarzenfreie Arielle Gaga, die sich mit flappender Flosse gegen ein lüsternes Italo-Model wehren muss. Kein Ladyboy Gaga – also keine Stefani Joanne Angelina Germanotta, die sich mit Blue Jeans, White T-Shirt und Pomadentollenperücke als junger Mann verkleidet hat. Keine Tanzmaus Gaga, die mit latexbekleideten Tänzerinnen in einer Art Stall herumhampelt. Man genießt diese Ruhe, dieses wunderbare in spätsommerlich blassen Farben eingefärbte Bild geradezu.

Der Rest des Videos zu ihrem Love-Song über ihren Ex Lüc Carl ist nämlich ebenso unerträglich wie Brian Mays Gitarrenspiel, das er zu „Yoü And I“ beisteuerte. Die visuelle Breitseite kennt man von Lady Gaga eben zur Genüge, ebenso die extravaganten Kostüme und die zahlreichen Verkleidungen. Und genau das ist das Problem: Anstatt sich auf eine gute Story oder ein starkes Setting zu verlassen, reiht sie hier ein halbes Dutzend aneinander und blendet wieder alle mit Bilderrausch und schnellen Schnitten. Besonders schade ist das, weil einige Szenen für sich genommen schon stark genug wären. So zum Beispiel jene, in der man Lady Gaga als junges, blasses Mädchen inmitten eines Feldes an einem alten Klavier sitzen sieht, während auf dem Klavier ihr männliches Alter Ego, verkleidet als Halbstarker, von einer Macho-Pose zur nächsten switcht. Das schön ausgefilmt – mit noch ein paar dieser Stillen Landschaftsaufnahmen – hätte ein wirklich überraschendes Lady Gaga-Video ergeben, eines das nachhaltiger gewirkt hätte, als die paar Tabu-Brüchlein, die „Yoü And I“ aufbieten kann.

Aber lange genug gemäkelt – anschauen wird es ja eh jeder…