Laura Izibor: Wahrheits-Trip


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Es ist vieles ungewöhnlich an Laura Izibor. Zunächst mal ist die 21-jährige Sängerin Irin und wuchs in Dublin auf – nicht die übliche Adresse für eine Stimme, die einige Beobachter mit der von Alicia Keys, Roberta Flack und Aretha Franklin vergleichen.

„Ich bin schwarz, ich bin Irin, ich singe Soul – und ich bin auf all das stolz“, sagt Izibor mit heimischem Akzent. „Ich finde es wundervoll, dass ich in keine Schublade passe. Das gibt mir viele Freiheiten.“ Zum Beispiel die, dass ihr für ihr erstes Album nicht gleich ein US-amerikanischer R&B-Hit-Produzent zur Seite gestellt wurde.

„Ich wollte nicht den Stempel eines anderen haben und auch nicht in eine fremde Welt eintauchen. Ich habe diese Platte gemacht, als wäre es meine letzte. Ich habe mich gefragt: Was für ein Vermächtnis würdest du hinterlassen wollen? Nun, es wäre dieses hier.“

Das sind die stolzen Worte einer Frau, die ihre Herkunft aus einfachen irischen Verhältnissen stets betont und ihre Musik ebenso verstanden wissen will: ehrlich, bodenständig, ohne Bling Bling und Plemplem. „Ich will Songs schreiben und sie singen. Viele Frauen in meiner Branche finden andere Dinge um sie herum attraktiver als ihre Musik. Ich gehöre nicht zu ihnen.“

Izibors Debüt, „Let The Truth Be Told“, ist das Spiegelbild dieser Haltung. Der Soul klingt klassisch, erdnah und tief empfunden, obschon Izibor keine Retro-Platte gemacht, sondern klangliche Modernismen erlaubt hat. Dazu hat sie eine dunkle, schwer reife Stimme, die unter die Oberflächen vordringen kann.

Schon vor fünf Jahren – also mit knapp 17 Jahren – unterschrieb Izibor ihren Plattenvertrag und begann aufzunehmen. Es wurde dann alles ein bisschen kompliziert, weil Izibor von einem Label ans nächste verkauft wurde. Sie sei schon gelegentlich am Rande eines Nervenzusammenbruchs gewesen, sagt sie, doch ihr Management sorgte für Beschäftigung.

Eine Tournee hier und da, sogar ein Support für Aretha Franklin war drin. Außerdem platzierte die Cross-Marketing-Abteilung immer mal Lieder im US-amerikanischen Serienfernsehen und in Kinofilmen, auch das macht Arbeit. Daheim in Irland gewann Izibor nationale Preise, bevor auch nur eine Single veröffentlicht war, den ersten mit 15. Ein unerhörter Vorgang.

„Ich hatte in den letzten Jahren kein festes Zuhause mehr“, sagt Izibor, die stattdessen in Hotels eingemietet wird oder bei Freunden unterkommt. Am ehesten fühlt sie sich in New York zu Hause, wohl, weil dort die Plattenfirma sitzt. Jedenfalls muss Izibor sich richtig anstrengen, um den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren und fliegt wechselweise ihre Mama und ihre vier Geschwister an ihren jeweiligen Aufenthaltsort, um nicht verrückt zu werden.

„Diese letzten Jahre waren sehr intensiv – sie sind es für jeden zwischen 16 und 20, aber bei mir kommt dieser seltsame Lebenswandel dazu. Wer ich bin und was ich fühle, habe ich in meinen Liedern festgehalten. Das ist nicht die Wahrheit von irgendeinem Songwriter oder irgendeinem Produzenten. Es ist meine Wahrheit.“

Jörn Schlüter