Nachts in der Oper: Destroyer mit seinem Album „Kaputt“


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Früher, als Mutter drohte, alles in den Müllsack zu stopfen, sollte das Zimmer in einer Stunde nicht aufgeräumt sein, hat er den Kram einfach unters Bett geschoben. Im Hotel Chelsea in Köln gibt es leider Kastenbetten, unter denen man nichts verstecken kann. Daniel Bejar bittet um fünf Minuten Aufschub. Er will das Zimmer noch in Ordnung bringen.

Sein neuntes Album heißt „Kaputt“. Er tritt unter dem Künstlernamen Destroyer auf. Kaputt? Destroyer? Der 38-jährige Kanadier spricht ganz ruhig und so desperat langsam, dass man manchmal denkt, er wolle die Zeit anhalten. Irrwitzige Locken bedecken seinen Kopf, er schaut ernst drein, ein bisschen traurig, ein bisschen wie der Schauspieler Daniel Auteuil in einem französischen Kriminalfilm. „Kaputt“ ist der Titel eines von Curzio Malaparte geschriebenen Romans. Gelesen hat ihn Bejar noch nicht: „Ich fand das Wort in seiner gestalterischen Form faszinierend, stellte mir vor, dass der Hauptcharakter so heißen könnte.“

Destroyer – Chinatown by tranzmission

Schwülstige Saxofonnoten fließen durch „Chinatown“, ein Klangstab-Vorhang zittert im Wind, das Drum-Computer-Keyboard, die Disco-Synthies machen „Savage Night At The Opera“ zum warm-süßen Sommernachtstraum. Man denkt an Roxy Music, an den „Heroes“-Bowie, an wunderschönen Untergang in glänzenden Hemden. „Bevor ich mit der Arbeit begann, dachte ich tatsächlich oft an Brian Eno. Ich habe viel von seiner Ambient-Musik gehört. Roxy Music waren meine Einführung in den britischen Pop, sie und T. Rex.“

Das Saxofon schätzte Bejar immer: „Aber irgendwann war es nicht mehr cool.“ Make-up music nannte man das, Musik zum Warmknutschen. Unkonventionell ist allerdings das ganze Werk Bejars. Anfangs klang es bekloppt, nach schiefem Anti-Folk. Später wurde er Teil des Indie-Kollektivs The New Pornographers mit Musikern wie Neko Case, heute nutzt er sogar zeitgemäße Techniken wie das Sampling. „Obwohl ich keine einzige HipHop-Platte besitze, höre ich so was gern. Wörter spielen eine große Rolle – anders als im Indie-Rock heute.“