Neu im Plattenregal: Die Alben vom 03. Februar 2012


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In unserem beliebten Überblick der Alben der Woche reisen wir weiterhin durch die Plattenläden des Landes. Heute empfehlen wir Ihnen einen Besuch bei Musik Schlaile, Kaiserstraße 175 in 76133 Karlsruhe. Alle Infos gibt’s unter www.schlaile.de.

Die Aeronauten – „Too Big To Fall“ (Rookie/Cargo)
Schön, dass es die Aeronauten aus der Schweiz noch immer gut, und schön, dass sie mit aller Selbstironie an Bord zum Format Doppelalbum ansetzen, und das gleich ganz programmatisch „Too Big To Fail“ nennen. Denn natürlich haben sie sich da charmant übernommen und auch den ein oder anderen Filler produziert. Dennoch: Ihr mal knurriges, mal lakonisches Liedgut, das nun sogar oft im schweizerischen Zungenschlag gesungen wird (wie in „Buumeshuse“ oder „Uswanderer“), weiß nach all den Jahren noch immer zu begeistern. Und man freut sich, dass man nun seinen Freunden Lieder auf das Mixtape packen kann, die „Hababuk Willisau“ heißen.
>>>> Video: „Too Big To Fail“

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Air – „Le Voyage Dans La Lune“ (Virgin/EMI)
Das neue Album von Air ist der Soundtrack zum gleichnamigen Stummfilm, der nun ca. 110 Jahre später nachgereicht wird. Im Film und im Soundtrack geht es um die Besiedelung des Mondes. Ein Thema, dass für die beiden Franzosen naheliegt, denn immerhin gingen Air ja schon Ende 1998 auf „Moon Safari“. Im Interview mit den Kollegen vom Musikexpress sagte Nicolas Godin: „‚Moon Safari‘ behandelte unseren Traum von einer Mondlandung. Wir waren damals auch fasziniert vom Retro-Futurismus. Unser neues Album folgt eher einem, nun, nennen wir es ‚Volcano-Style‘: Der Mond besteht ja aus Steinen, Geröll, Mineralien. Vulkanen. Wir wollten klingen wie die ‚Gods of Thunder‘, die Könige des Donners. Unser Schlagzeug sollte lauter sein als je zuvor. Und wir wollten so klingen, als hätten wir die Stücke in einer Höhle eingespielt.“
>>>> Air sprechen auf NPR über die Entstehung des Albums
>>>> Interview zum Album beim Musikexpress
>>>> „Sonic Armada (A Trip To The Moon)“ im Stream
>>>> Albumstream

Die Antwoord – „Tension“ (Cooperative Music/Universal)
2010 waren sie der heiße Scheiß, die südafrikanischen Die Antwoord um Watkin Tudor Jones alias Zef Rap-Rave-Master Ninja und die mädchenhafte Yo-Landi Visser. Vornehmlich wurde damals über die Frage diskutiert, wie echt dort der südafrikanische White Trash abgebildet wurde. Selbiges galt für die Tattoos von Ninja, der es damit sogar in unseren Jahresrückblick schaffte. Mal schauen, ob Die Antwoord da mit ihrem Zweitling anknüpfen können. „Tension“ ist auf jeden Fall keine Kursänderung, eher wird der etablierte Stil einerseits noch greller, andererseits noch mainstreamkompatibler, was man zum Beispiel der aktuellen Single anhört. In „I Fink U Freeky“ gibt es Parts, die in jeder Großraumdisse funktionieren werden, andererseits sind die Raps verstörend wie eh und je. Wenn man sich nur die reine Musik gibt, nervt „Tension“ auf Langstrecke ein wenig, aber die einzelnen Songs werden live sicher funktionieren. Am besten sind Die Antwoord nach wie vor in Verbindung mit ihren aufwendigen Videoclips. Deshalb sollte man sich diese auf jeden Fall anschauen:
>>> Video: „I Fink U Freeky“
>>> Video: „Tension“-Trailer

Dione Bromfield – „Good For The Soul“
Nun erscheint auch hierzulande offiziell das erste Album mit eigenen Songs von Dionne Bromfield, der Nichte von Amy Winehouse. Die übrigens gerade erst – am 01. Februar – sechzehn Jahre alt geworden ist. Was man dem Album nicht wirklich anhört: Es ist voll mit diesen bittersüßen Soulpop-Nummern, die dank Duffy und vor allem – in Perfektion – von Adele und Amy Winehouse in den letzten Jahren immer wieder den Weg in die Charts fanden. Vieles davon kann mit den genannten Namen durchaus mithalten.
>>>> Videointerview mit Dionne Bromfield
>>>> Video: „Yeah Right“ live

Diverse – „Chimes Of Freedom. 50 Years Of Amnesty International.The Songs Of Bob Dylan“ (Fontana/Universal Strategic Marketing/Universal)
Vier CDs mit über 80 Coverversionen: Keine Frage, bei „Chimes Of Freedom – The Songs Of Bob Dylan“ bekommt man was fürs Geld. Selbst wenn die Frage bleibt, ob das wirklich jedem Dylan-Fan oder Dylanologen gefallen wird, wenn Bubblegum-Pop-Acts wie Ke$ha oder Miley Cyrus ihren Dylan covern. So kann und muss man über die Qualität einiger Beiträge durchaus streiten, als popkulturelles Experiment bleibt der Sampler dennoch hoch interessant. Und man darf ja nicht vergessen, dass man für die rund 20 Euro noch etwas für die gute Sache tut und Amnesty International unterstützt.
>>>> Albumstream
>>>> Unsere Themenseite zum Sampler

Ben Howard – „Every Kingdom“ (Island/UID/Universal)
Die Review zum Album des einfühlsamen Songwriters gibt es bereits online. Und zwar hier.
>>>> Albenteaser zu „Every Kingdom“

Kiesgroup – „Shantychrist“
Wir haben in dieser Albenvorschau ja bekanntlich auch manchmal einen Drang zum Obskuren, oder zu dem, was man heutzutage wirklich noch „Indie“ nennen kann. Veröffentlichungen von Tumbleweed Records, das dicht mit dem Haldern Pop-Festival verbandelt ist, fallen eindeutig in diese Kategorie. Dort ist soeben das neue Album der Kiesgroup erschienen. Wer sich nicht vom Titel und vom Artwork abschrecken lässt, wird herzlich eingeladen mit Andreas van der Wingen und seinen Kollegen in die kleinen und großen Abgründe des alltäglichen Lebens hinabzusteigen. „Warum habt ihr nie nach uns gefragt? Warum muss ich in den Penny-Markt?“, singt van der Wingen zum Beispiel gleich im Opener, was seine Art zu texten sehr gut triff. Musikalisch verortet man sich weiterhin zwischen Andreas Dorau-Pop (in einer etwas besser gelaunten Variante als dessen Spätwerk) und Indie-Pop-Schrammel, der wie Hamburger Schule (im Song „Ich schließe meine Augen“ zum Beispiel) mit polierten Tischen klingt. Ach ja: Statt eines Hidden Tracks liefert die Kiesgroup übrigens ein „Kriminalhörspiel“ von van der Wingen, was ja nicht so oft passiert.
>>>> Video: „Wenn die Müdigkeit ruht“

Mark Lanegan & – „Blues Funeral“ (4AD/Beggars Group/Indigo)
Neue, dunkle Töne von der ehemaligen Stimme der Screaming Trees. Die Review zum passend betitelten „Blues Funeral“ gibt es hier.

Paul McCartney – Kisses On The Bottom (Concord/UID/Universal)
Das Coveralbum als Liebeserklärung und Fingerübung: Was Maik Brüggemeyer als McCartney-Experte vom neuen Album hält, kann man hier lesen.
>>>> Albumstream

Twiggy – „Romantically Yours“ (EMI/Capitol/EMI)
Die Review zum neuen Album von Twiggy gibt es hier. Im aktuellen Rolling Stone gibt es übrigens einen ausführlichen Report von Joachim Hentschel, der die Stilikone zuhause besuchte.
>>>> Videointerview mit Twiggy

Van Halen – „A Different Kind Of Truth“ (Interscope/UID/Universal)
Bei dem neuen Album von van Halen ist, so Birgit Fuß in ihrer Rezension für die Märzausgabe, „nicht immer dann der Song oder die Melodie das Wichtigste, sondern die Frage, wie viele Riffs Eddie Van Halen wohl unterbringen kann“. Textlich solle man auch nicht plötzlich „philosophische Betrachtungen“ erwarten, aber dafür, und darum geht es bei Van Halen ja schließlich, „klassische Rockmusik“, und da „lassen sich Van Halen nicht lumpen.“
>>>> Albumstream