Neu im Plattenregal: Die Alben vom 15. Juli 2011


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Hier wieder eine Auswahl der neuen Alben im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):


3 Doors Down – „Time Of My Life“ (Universal Records)
Ja, es gibt sie noch. Ja, sie sind zurück. Ja, richtig gelesen: Die Ausrufezeichen hinter diesen Feststellungen haben wir bewusst weggelassen. Die Herren aus dem unaussprechlichen Escatawpa veröffentlichen heute ihr erstes Album seit 2008 und haben laut Titel ihre „Time Of My Life“. Und diese feiern sie immer noch nach dem Schema, das schon Anfang der Nullerjahre nervte – aber in ihrer Heimat oft genug zielsicher zum Platz 1 der Single-Charts führte. Befindlichkeits-High-School-Nachsitzer-Lyrik, Akustikgeklampfe, langezogene nasale gesungene Vokale, dann ein paar kraftvolle Drumschläge, der Breitbeinrefrain mit geballter Faust – und am Ende noch ein saftiges Solo. „It will all get better now“, singen sie. Nö. Nicht wirklich. Nachzuhören hier:


Alkaline Trio – „Damnesia“ (Hassle/Soulfood)

Eine der wenigen Bands aus der Emo-Schublade, die man noch ganz gut hören kann, gerade wenn man sich an ihr Vagrant-Debüt „From Here To Infirmary“ hält. Und das obwohl Sänger Matt Skiba bisweilen einen veritablen Emo-Posterboy abgibt. Zum 15. Jubiläum bringt das Trio eine Unplugged-Best-of heraus und legt noch ein paar neue Songs drauf: „Olde English 800“ und „I Remember A Rooftop“ sowie eine Coverversion von „I Held Her In My Arms“ der Violent Femmes. Runde Sache, wenn man sich an der mit dem Alter zunehmenden Gothic-Attitüde der Band und Skibas speziellen Sangesorgan nicht stört. Alle Songs laufen im simfy-Player. Hier als Vorgeschmack:


Big Talk – „Big Talk“ (Epitaph/Indigo)
Das Solo-Album des Killers-Drummer Ronnie Vannucci ist gar nicht mal so übel – meint Jörn Schlüter in seiner Review. Nachzuhören im Simfy-Player oder hier:


Blondie – „Panic Of Girls“ (Eleven Seven/Capitol/EMI)
Über die neue Blondie gab es bei uns natürlich schon viel zu lesen. Zum Beispiel unser Exklusiv-Interview. „Panic Of Girls“ erschien zuerst bei uns, nun folgt der reguläre Release im Plattenladen. Hier gibt’s nun die offizielle Review und noch mal das Video zu „Mother“:

The Dead Trees – „Whatwave“ (Affairs Of The Heart/Indigo)
Dreieinhalb Sterne gibt es in unseren Rezensions-Quickies: „Entwarnung: Das hier ist nicht das ökologische Manifest sendungsbewusster Weltverbesserer. The Dead Trees aus Boston sind vielmehr eine Update-Version der Wings. Und ihr Debüt ‚Whatwave‘ ist eine polierte Variation von ‚Band On The Run‘, das wie dieses mit jedem Hören wächst und wächst. ‚Comfortable Kids‘, ‚Older‘ und ‚Arrows‘ hätte auch Paul McCartney nicht verworfen.“ Hier eine schöne Live-Aufnahme von „Older“:

Alice Gold – „Seven Rainbows“ (Polydor/Universal)
Die junge Dame war zuvor beim kleinfeinen Label Sunday Best, das vom britischen Radio-DJ Rob Da Bank gegründet wurde und schon immer ein gemütlicher Stall für junge, melancholische Menschen mit Gitarre und Hang zum Folk war. Alice Gold ist mit ihrem Debüt nun auf einem größeren Label gelandet – vermutlich half dabei, dass das Q Magazine sie mal auf die Shortlist zum „Next Big Thing-Award“ gesetzt hatte. Leider hört man dem Album an, dass man nun klotzen statt kleckern will – die bisweilen recht feinen Popsongs, sind glatt- und oft überproduziert. So zum Beispiel die Single „Runaway Love“. Aber im simfy-Player kann man noch weitere Beispiele finden. Dann doch lieber akustisch, so wie hier:

Hefner – „Dead Media“ (Belka/Cargo)
Ein Re-Release, den wir nicht unterschlagen wollen: Das letzte Album der seligen Hefner „Dead Media“ kommt heute noch einmal mit gesammelten B-Seiten, Remixen und unveröffentlichten Songs aus der Endzeit in die Läden. Ob sich das alles lohnt, kann man im simfy-Player nachhören. Da gibt’s alle Songs der beiden CDs.

The King Blues, – „Punk & Poetry“ (Transmission/Rough Trade)
Man weiß nicht so recht, wohin die Reise geht mit dieser Band aus London: War ihr Frühwerk noch straighter Folkpunk, hat man sich zusehends auch anderen Stilen geöffnet – machte mal mit Pseudo-Rap rum, gab mal den Fun-Punk-Kasper und war dann plötzlich wieder sozialkritisch und derbe. Bei „Let’s Hang The Landlord“ und dem amüsanten „What If Punk Never Happened“ ging das gut, aber oft – und auch bei den neuen Stücken – schleicht sich ein unangenehmer Baseballkappen-Crossover-Flair ein, den man bitte schnell abschütteln sollte. Hier gibt’s einen kleinen Ritt durch das etwas plakativ betitelte „Punk & Poetry“:

Pigeon John – „Dragon Slayer“
Dreieinhalb Sterne vergibt Jörn Schlüter in seiner „Beats“-Kolumne für den Drachentöter mit der Taube im Namen: „Die fantastische Single ‚The Bomb‘ hat dem Rapper aus Los Angeles einige Aufmerksamkeit verschafft. Grund genug für das Major-Label Universal, das ein Jahr alte Album jetzt in Deutschland zu veröffentlichen. ‚Dragon Slayer‘ soll vermutlich den Überraschungserfolg von Aloe Blacc wiederholen. Guter Daisy-Age-HipHop mit viel Soul, für entspannte Sommerabende.“

Portugal.The Man – „In The Mountain In The Cloud“ (Atlantic/Warner)
Der verspielte, zwischen Indie, Prog und Rock mäandernde Sound der Amerikaner gibt sich auch auf ihrem neuen Album hochmelodiös und bisweilen gar hymnisch. „There’s a madness in a song“, singen sie gleich im Opener „So American“ – und diese Zeile darf ruhig für das ganze Album stehen. Denn trotz den zuckersüßen Gesangsharmonien, Streichverzierungen und Handclaps bleibt da immer noch eine gesunde Prise Irrsinn und Unberechenbarkeit.