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Neunte Kunst: War Prince Charles jemals in Diana verliebt?

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Neunte Kunst: War Prince Charles jemals in Diana verliebt?

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„Der Ursprung der Liebe“: Was auch immer Liebe heißen mag

Die Schwedin Liv Strömquist gestaltete mit „Der Ursprung der Welt“ einen der größten Graphic-Novel-Erfolge der letzten Jahre. Die studierte Politikwissenschaftlerin stellte sich die Frage, warum die Menschheit eine so extreme Hassliebe mit dem weiblichen Geschlechtsorgan verbindet und machte daraus einen klugen, gezeichneten Essay, der wohl vor allem bei jungen Studentinnen offene Türen einriss. Manchenteils nervte der leicht altkluge Tonfall der Zeichnerin, die ihre Storys über den misogynen Augustinus und Dr. Kellogg (der nicht nur die berühmten Cornflakes erfand, sondern auch einen Krieg gegen masturbierende Frauen führte) mit allerlei theoretischem Ballast ausstattete. Aber wer „Der Ursprung der Welt“ las, sparte sich ein ganzes Studium „Gender Studies“.

Nun also der Nachfolger: „Der Ursprung der Liebe“. Schon der Anfang ist furios: Die Autorin stellt den Leser*innen die garstige Viererbande von TV-Comedians vor, die alle Welt kennt – aber die nichts anderes symbolisieren als geballten Frauenhass. Dabei handelt es sich um Tim Allen aus „Hör mal, wer da hämmert“, Charlie Sheen aus „Two and a Half Men“, Jerry Seinfield aus „Seinfield“ und Ray Romano aus „Alle lieben Raymond“. Allesamt Millionäre und die Darsteller von Figuren, die von Frauen umgarnt werden und davon eigentlich reichlich genervt sind. Für Strömqist der symbolische Beweis, dass die Mehrzahl der modernen Männer keine reifen emotionalen Bindungen eingehen wollen. Was diese von ihren Lieblingen im Fernsehen auch noch als erstrebenswerte Lebenshaltung dargestellt bekommen. Was antwortete noch Prinz Charles, gefragt, ob er in Diana verliebt sei? „Ja…was auch immer Liebe bedeuten mag.“

Auch wenn die intellektuelle Darstellung von feministischer Theorie auch in diesem Comicband reichlich bemüht daherkommt und immer dann einen etwas zu missionarischen Ton anstimmt, wenn es gerade witzig wird: „Der Ursprung der Liebe“ gestaltet sich als eine scharfsinnige Reise durch das Tal der Beziehungsödnis und zeigt mithilfe von Soziologen wie Ulrich Beck („Liebe ist der Kommunismus im Kapitalismus“) und am Beispiel von Medienpüppchen wie Britney Spears, dass anscheinend etwas mächtig schief läuft zwischen den Geschlechtern. Ihre These: Männer und Frauen ziehen sich viel zu sehr auf die Klischees zurück, die über sie seit Jahrzehnten existieren und die durch die gewaltige Verbreitung mittels sozialer Medien nur noch mehr Scham und Ängste auslösen. „Missy“-Leser nicken mit dem Kopf, alle anderen dürfen über die Weitläufigkeit der hier ausgebreiteten Gedanken staunen.

„Das Unbekannte“: Plötzlich Mutter

Melancholische Liebesgeschichte oder gar eine echte Horrorstory? Bei „Das Unbekannte“ der Schweizer Comicautorin und Illustratorin Anna Sommer kann man sich da gar nicht so sicher sein. Die Graphic Novel, in kargen Schwarz-Weiß-Zeichnungen mit scharfsinnigem Schwerpunkt auf körperliche Details und Gesten präsentiert, erzählt in zwei parallel, mal miteinander, mal gegeneinander laufenden Erzählsträngen einerseits von einer Frau namens Helen. Die findet in der Umkleidekabine ihrer Kleiderboutique ein Baby und beschließt, es zu behalten und vor aller Welt, aber vor allem vor ihrem Mann, zu verstecken.

Andererseits erfährt man die Geschichte der Jugendlichen Vicky und Wanda, die sich ein Internatszimmer teilen, wobei Wanda schwanger von ihrem Geschichtslehrer (ausgerechnet Helens Mann) ist und am liebsten deshalb davon laufen würde. Stattdessen „hinterlässt“ sie ihr Neugeborenes in einer Umkleidekabine und macht jene zu nichts ahnenden Eltern, die nie welche werden wollten…

„Das Unbekannte“ handelt in jeder Hinsicht von einer Entfremdungssituation, bei der jede der Protagonistinnen auf überraschende Art und Weise lernen muss, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Gerade auf den ersten Seiten bezieht die Handlung eine gewisse Spannung daraus, dass Helen die Pflege des Babys geheim halten muss, wobei die Boutiquebesitzerin nicht einen Moment an der Notwendigkeit zweifelt, ihre Mutterrolle anzunehmen. Die beiden Mädels gehen derweil shoppen und lassen sich bei Sex-Orgien befriedigen. Eine gewisse Nüchternheit der ausgesprochen realistischen Darstellung bleibt als Widerhaken in „Das Unbekannte“ stets bestehen, verleiht der Graphic Novel aber bis zu ihrer überraschenden, auch bösen Auflösung einen sehr viel größeren Reiz als die insgesamt etwas unglaubwürdige Story.

„Mafalda“: Hoffentlich hat das der liebe Gott nicht gesehen

Comicstrips richten sich in erster Linie an Männer. Natürlich gibt es bei den „Peanuts“ die wunderbar gehässige Lucy, die einnehmende Sally und die von der Kritik später als queere Figur avant la lettre gefeierte Peppermint Patty. Aber die Stars blieben Charlie Brown, Linus und vor allem Snoopy. Nicht anders ist es bei Garfield, Hägar und Calvin & Hobbes. Alles männliche Figuren.

Doch auf dem Höhepunkt der Berühmtheit der Peanuts wagte sich der argentinische Zeichner Quino 1964 an einen Strip, der von einer vorlauten Göre namens Mafalda handelt, die in einer Tour die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten anprangert, die eigene Familie mit zynischen Geistesblitzen gegeneinander aufwiegelt und wohl der größte Beatles-Fan der Comicwelt ist. Eine Lisa Simpson, die alles andere als Musterschülerin ist und gerne auch mal ihre Klappe aufreißt.

„Haltet die Welt an, ich will aussteigen“ – das ist dann auch das eskapistische Mantra von Mafalda. Und das Mädchen mit dem Birnengesicht und der auffälligen Schleife im Haar lässt sich von ihrer oft garstigen Umwelt nicht beirren. Die Comicstrips, die zunächst bis 1967 erst in einer Zeitschrift, später in der Tageszeitung erschienen und bis 1973 produziert wurden, gibt es in 26 verschiedenen Sprachen. Auch auf deutsch. Doch seit Jahren wurden sie nicht mehr neu aufgelegt. Ältere Bände aus dem „B&L“-Verlag und von Krüger gibt es zum Teil in gut erhaltenem Zustand auf ebay und Amazon. Manchmal auch zu etwas überteuerten Preisen.

Joaquin Salvador Lavado, besser bekannt als „Quino“, mit seiner Mafalda
Joaquin Salvador Lavado, besser bekannt als „Quino“, mit seiner Mafalda

Doch Mafalda, die eine zweite Karriere als Merchandisingheldin gemacht hat, braucht unbedingt ein Comeback. Es ist erstaunlich, wie aktuell und frisch der Strip auch heute noch erscheint, wie mutig soziale Misstände angesprochen werden (mehrere Folgen handeln davon, wie Mafaldas Vater sein Gehalt nicht rechtzeitig ausgezahlt bekommt und wie dadurch der Autokredit der Familie zum Problem wird). Die Nebenfiguren sind dabei zwar ähnlich motiviert wie bei den von psychoanalytischem Witz angetriebenen „Peanuts“, aber sie stehen noch eher für soziologische Stereotypen, was „Mafalda“ auch zu einem historischen Lehrstück einer Zeit macht, in der noch viel von Aufbruch die Rede war, doch in der sich viele Hoffnungen schließlich als Seifenblasen entpuppten.

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Liv Strömquist/ Avant Verlag
Edition Moderne
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ALEJANDRO PAGNI AFP/Getty Images
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