★ ★ ★ ★

Oscar-Anwärter „The Favourite“: Abgründe weiblicher Macht

Es ist der pure Wahnsinn: Da hoppeln 18 Häschen auf dem erlesenen Parkett eines Barockpalasts. Die Diener müssen sich liebevoll um sie kümmern. Ein großartiges Filmbild, eine Groteske, aber eine mit tieferer, abgründiger Bedeutung. Nicht nur weil dies keineswegs ein spleeniger Einfall eines Regie-Hipsters ist, sondern historische Realität.

Der Schrecken liegt darin, dass jeder dieser Hasen für eines der 18 Kinder steht, die die Königin innerhalb von 17 Jahren zur Welt gebracht und wieder verloren hat. So hoppelt auch die tägliche Erinnerung an das private Grauen durch die Palast­gemächer.

„The Lobster“ auf Amazon.de kaufen 

Queen Anne ist heute ein bisschen vergessen. Sie regierte von 1702 bis 1714 und stand im Schatten von Ludwig XIV., aber auch ihres bedeutendsten Feldherren, des Duke of Marlborough. Dessen Frau, Sarah, war die wichtigste Hofdame der Königin, ­eine Art inoffizieller Premierministerin, die von allen für die wahre Regentin gehalten wurde – nicht ganz zu Recht, denn zumindest in diesem Film ist ihre Stellung von Anfang an durch Hof-Intrigen und königliche Launen bedroht.

Kooperation

Wölfischer Überlebenskampf

Rachel Weisz spielt sie als ebenso kalte wie leidenschaftliche Machtpolitikerin, die zugleich die heimliche Liebhaberin der Königin ist. Olivia Colman spielt die depressive, launische, mental und körperlich zerquälte Königin mit Verve.

Energie ist überhaupt das prägende Merkmal dieses großartigen Films. Die kraftvollste Bewegung kommt von der jungen Abigail (­Emma Stone). ­Lady Sarah hält ihre entfernte Verwandte für Wachs in ihren Händen und verhilft ihr zum Aufstieg – doch die bedient bald ähnlich geschickt die Klaviatur der höfischen Machtausübung und wird zur ebenbürtigen Konkurrentin um die königliche Gunst.

„The Favourite“ ist eine facettenreiche Studie über weibliche Macht. Giorgos Lanthimos („The Lobster“) zeigt die Realität des Matriarchats, Frauen, die Macht haben, und deren wölfischen Überlebenskampf empathisch, witzig und abgründig boshaft.


The 27 Club: Von Robert Johnson zu Amy Winehouse

Schon Arne Willander wies in seinem Nachruf auf Amy Winehouse darauf hin: "Sie starb nun mit 27 Jahren, der magischen schwarzen Zahl der Popmusik: Hendrix, Joplin, Morrison und Cobain wurden ebenso alt." Wenig später oder früher sprangen auch die übrigen Medien von seriös bis Gossenblatt an, den ominösen "27 Club" zu thematisieren. Aber wir dürfen uns da nicht beschweren: Schon unsere Gastautorin Alexa Hennig von Lange erinnerte in ihrem sehr persönlichen Beitrag zu Jim Morrisons Todestag "Jim und ich" an den "Klub 27", wie er im Deutschen genannt wird. Es bleibt die Frage, ob man um diese Zahl wirklich einen…
Weiterlesen
Zur Startseite