Peaches: „Warum haben Männer solche Probleme mit ihren Ärschen?“


Als wir Peaches zum interview treffen, feiert die Rock-Welt gerade Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl, weil der nach einem Beinbruch auf einem eigens für ihn angefertigten Thron Konzerte im Gips spielt. Peaches rollt mit den Augen. Sie sitzt auf einer Holzbank in einem Berliner Café und wirkt dünner denn je, aber so was sagt man ihr natürlich nicht – es wäre wohl kein Kompliment für jemanden, der seit Jahren so gegen Schönheitsideale rebelliert.

Was Grohl kann, konnte sie jeden-falls schon lange, und noch dazu viel spektakulärer. Nachdem Peaches sich 2010 bei einem Festival in Portugal den Knöchel gebrochen hatte („Sprung vom Schlagzeugpodest, David-Lee-Roth-Style“), entwarf sie ein ganzes Tournee-konzept um ihre Behinderung. Eine nackte transsexuelle Krankenschwester mit bemaltem Penis und roten Kreuzen auf den Brüsten musste sie damals mitsamt Rollstuhl über die Bühne schleudern, während die kanadische Sängerin mit einer Hand das Mikro und mit der anderen eine Flasche Wodka umklammerte. Rock’n’Roll hoch zehn, aber als Heldin hat deshalb niemand sie gefeiert.

Peaches in der Music Hall of Williamsburg Brooklyn, New York June 19, 2009 (PHOTOS CREDIT: HOLGER TALINSKI, hello@holgertalinski.de / WHAT ELSE IS IN THE TEACHES OF PEACHES)
Peaches in der Music Hall of Williamsburg Brooklyn, New York, 2009 (PHOTO CREDIT: HOLGER TALINSKI / WHAT ELSE IS IN THE TEACHES OF PEACHES) hello@holgertalinski.de

„Bitches überall“

Die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen im Musikbusiness war von Anfang an die Triebfeder der Kunstfigur Peaches. Deswegen nannte sie ihre Alben „Fatherfucker“ und „Impeach My Bush“ und forderte in Songs wie „Shake Yer Dix“ Männer auf, zum Beat ihre Schwänze zu schütteln. „Schau dir die Rapper an: Bitches überall, ,twerk your asses, shake your tits, girls‘, die ganze Zeit. Oder die Rolling Stones, die mit einem riesigen aufblasbaren Schwanz auf der Bühne herumwedelten, 1975, bei ,Star Star‘. Warum kann eine Frau so was nicht auch tun?“

Natürlich hat es parodistische Züge, wenn sie auf der Bühne mit Stroboskop-kanone im Schritt Zeilen singt wie ,,You came to see a rock show, a big, gigantic cock show“ oder mit riesigem „Peaches“-Goldemblem vor der Brust ihr Publikum auffordert, die Shirts auszuziehen. Die darin enthaltende Forderung nach einem höheren Grad an weiblicher Selbstbestimmung ist dagegen ernst gemeint, und gegen die raue Energie ihrer Live-Shows wirkt bis heute jede in Unterwäsche nach Choreografie tanzende Pop-Femme-fatale verklemmt. Oder sollte man sagen: kastriert?

HOLGERTALINSKI@YAHOO.DE


Diese Filme wurden von Kino-Legende Artur Brauner produziert

Mehrfach besiegte er Krankheit und Tod, überlebte den Holocaust und verlor mehr als 49 Verwandte, die von den Nazis umgebracht wurden. Doch Artur „Atze“ Brauner, schon zu Lebzeiten eine Legende, steckte nie auf. Er baute sich ein eigenes Filmimperium auf, produzierte und fertigte etwa 300 Filme. Mit dabei so unterschiedliche Hits wie: „Der Tiger von Eschnapur“, „Old Shatterhand“, „Jungfrauen-Report“, „Der Garten der Finzi Contini“, „Vampyros Lesbos“, „Die weiße Rose“, „Hitlerjunge Salomon“ und „Babij Jar – Das vergessene Verbrechen“. Zuweilen gelangen ihm mehr als zehn Filme pro Jahr. Ein nahezu unglaublicher produktiver Ausstoß. Brauner hatte stets den Blick dafür, was das…
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