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Provokanter Chronist der Gegenkultur: Regisseur Peter Whitehead ist tot

Peter Whitehead, einer der provokantesten britischen Filmemacher und zugleich Autor zahlreicher Bücher, ist im Alter von 82 Jahren bereits am 10. Juni gestorben. Das meldete am späten Donnerstagabend (13. Juni) der britische „Guardian“.

Mit Filmen wie „Wholly Communion“ oder „Benefit Of The Doubt“ setzte er der Gegenkultur der 60er-Jahre in London und New York ein Denkmal und erwies sich als einer ihrer intellektuell versiertesten Begleiter.

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„Wholly Communion“, 1965 in der Royal Albert Hall gedreht, zeigt etwa einen Dichterwettbewerb, bei dem Beat-Poeten wie Allen Ginsberg gegen Querdenker wie Ernst Jandl antraten, und hielt dabei den Wirbelsturm der geradezu subversiven Gedanken dieser Zeit fest. „Benefit Of The Doubt“ (1967) dokumentiert hingegen ein Anti-Vietnam-Krieg-Stück der Shakespeare Company, das unter dem Titel „Us in Großbritannien für Furore sorgte.

Peter Whitehead und die Sixties

Natürlich interessierte sich Whitehead auch für die immer einflussreicher werdende Rockmusik seiner Zeit. Mit „Charlie Is My Darling“ gelang ihm 1966 ein wegweisendes Musikerporträt über die Rolling Stones, die in diesen Jahren von Fans geradezu überrannt wurden. Der geradezu intime und introvertierte filmische Stil, angelehnt an die Street Photography, inspirierte viele andere Regisseure für spätere Musikdokumentationen. „Don’t Look Back“ (1967), D. A. Pennebakers berüchtigte Dylan-Hagiographie, wäre ohne Whiteheads ausgefeilte Bildsprache so niemals entstanden.

Der stets kompromisslos arbeitende Brite, 1937 in Liverpool geboren, blieb bis ins hohe Alter offen für neue Inspirationen, arbeitete unter anderem mit Künstlerin Niki de Saint Phalle zusammen. Whitehead gilt auch als einer der Pioniere des Musikvideos. Er begleitete Aufnahmen der Stones (darunter: „Lady Jane“ und „Ruby Tuesday“), Nico („I’m Not Sayin’“) und Pink Floyds („Interstellar Overdrive“) und inszenierte kleinere Promoclips.

Pink Floyd sind auch in seinem Film „Tonite Let’s All Make Love In London“ (1967) zu sehen, Whiteheads Verneigung vor dem Swinging London der 60er.

Nach 1969 drehte Whitehead keinen Film mehr, zog sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück und arbeitete nur noch im Hintergrund als Künstler, Fotograf und Schriftsteller. Anfang der 70er zog es ihn in die Wüste Marokkos, wo er sich als Falkner betätigte. Eines seiner letzten Werke ist das Buch „Terrorism Considered as One of the Fine Arts“ (2007).


Rolling Stones: Die unglaubliche Geschichte des „Rock And Roll Circus“

Wie bei allen großen Ideen gibt es über den Ursprung unterschiedliche Darstellungen. Marianne Faithfull, stets kunstsinnig, hält das Zirzensische in Fellinis Filmen und Marcel Carnés „Kinder des Olymp“ für die Inspiration. ­David Dalton, im Dezember 1968 Chronist beim „Rolling Stones Rock And Roll Circus“, sieht „Sgt. Pepper“ als Vorbild. Pete Townshend erinnert sich, dass er mit Mick Jagger und Ronnie Lane überlegte, ob man einen musikalischen Wanderzirkus mit einem Güterzug durch die USA reisen lassen könnte – es wäre zu langsam gewesen. Jagger schwebte dann eine altertümliche Zirkus-Show vor, die fürs Fernsehen aufgezeichnet würde – mit Akrobaten und Clowns und lustigen Verkleidungen, Späßen…
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