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Zum Tod von Hellmuth Karasek

Hellmuth Karasek über Phoenix: Thomas, mein Neffe, der Pop-Star

Hellmuth Karasek ist tot. Der Literaturkritiker und Schriftsteller starb im Alter von 81 Jahren in Hamburg. Berühmt wurde Karasek in der TV-Sendung das „Literarische Quartett“ neben Marcel Reich-Ranicki, später leitete er beim „Spiegel“ das Kulturressort und schrieb für die „Welt“.  Für den ROLLING STONE beschrieb Karasek im Jahr 2009 sein Leben als Onkel eines Popstars – sein Neffe ist der Phoenix-Sänger Thomas Mars.

Phoenix: Mein Neffe, der Pop-Star

(aus ROLLING STONE, 5/2009):

Im „Boulevard de la Reine“ in Versailles, der auf einen Nebeneingang des Parks von Versailles zuführt, liegt, nahe am Hotel „Trianon“ auf der Schlossseite, ein Stadtpalais hinter einer schweren Mauer mit einem schweren Garagentor. Hinter dem Haus ist ein karger, oder soll man besser sagen: ein streng französischer Garten, hinter dem man, nur über eine Hecke, in den Park der Marie Antoinette blickt.

Mein französischer Schwager, Jean-Louis, ist hier als kleiner Junge, Sohn einfacher Versailler Bürger, über den Zaun geklettert, wurde erwischt und vom Besitzer oder dessen Gärtner beim Schlafittchen gepackt und auf die Straße befördert. Während dieser Kränkung hat er sich geschworen, das Haus nebst Garten später zu erwerben.

Er benannte sich nach dem Schokoladenriegel, nicht nach dem Kriegsgott

Es hatte eine bewegte junge Geschichte. Im Vichy-Frankreich, während der deutschen Okkupation, sollte es der Sitz der Kollaborationsregierung werden. Nach dem Krieg war es die Residenz General Eisenhowers, des Befreiers von Paris, der, um die französische Gloire nicht zu kränken, de Gaulle den Vortritt beim umjubelten Einmarsch ließ.

Thomas Mars 2014
Thomas Mars 2014

1994 heiratete meine Schwester Jean-Louis, mit dem sie schon seit über 20 Jahren zusammen lebte. Alle Verwandten, auch die Familie meiner Schwester, waren dabei, saßen im warmen Garten, und es spielte die Band des damals 18-jährigen Thomas, die noch nicht Phoenix hieß und der sich noch nicht Thomas Mars nannte- wohl nicht nach dem Kriegsgott, sondern nach dem Schokoladenriegel, ich habe später immer vergessen, ihn danach zu fragen.

Chelsea Lauren Getty Images


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