Spezial-Abo

Plattenläden: Die Dealer unseres Vertrauens – es geht wieder aufwärts!


von

„Es herrscht heute für jeden Einzelhändler ein härterer Überlebenskampf als früher. Letztens sagte ein Verkäufer auf einer Tagung zu mir, er müsse heute das Dreifache an Arbeit leisten, um die Zahlen von vor ein paar Jahren zu erreichen. Der knallharte Preiskampf mit Internet­anbietern kommt noch hinzu.“

Ist Vinyl die Rettung?

Der derzeitige Hype um das Vinyl macht vielen Händlern Hoffnung. Seit die LP wieder hip und schick ist und die Musikindustrie neue Platten und aufwendige Reissues pressen lässt, kommen auch wieder vermehrt kaufkräftige Kunden in die Läden. Der Begriff „schwarzes Gold“ macht die Runde: Im vergangenen Jahr ist der Schallplatten-
Umsatz in Deutschland mit 1,8 Millionen verkauften Exemplaren um gut 27 Prozent gestiegen, einen vergleichbaren Hunger auf physische Tonträger gibt es weltweit sonst nur noch in Japan.

Die gestiegene Nachfrage kommt jedoch nicht nur den kleinen Fachgeschäften zugute. „Vinyl ist ein seit Jahren absatz- und umsatzsteigerndes Segment der Musikvermarktung, und viele unserer Märkte haben wieder Vinyl ins Sortiment aufgenommen“, erklärt eine Unternehmens­sprecherin von Saturn. Auch Media Markt oder die Drogeriekette Müller, die vor allem im Süden Deutschlands von jeher Musik verkauft, hat seit ungefähr fünf Jahren wieder verstärkt Vinyl im Angebot, neuerdings auch in Kleinstädten jenseits von München und Nürnberg.

„Die Schallplatte hat sehr gute Zuwächse. Seit zwei Jahren geht es steil nach oben“, sagt Norman Hauk, der für Müller den Multimedia-Einkauf betreut. „Beson­ders die alten Heavy-Helden wie AC/DC, Iron Maiden und Motörhead gehen gut.“

Selbst bei Urban Outfitters werden neben ironischen Bill-Cosby-Pullovern und 80er-Jahre-Sneakern nun auch wändeweise LPs angeboten. Hardcore von Minor Threat steht da neben Schmalz von Sam Smith, Black Sabbath folgt unkommentiert auf Katy Perry. Egal ob Flohmarktstoff oder Neuveröffentlichung, rund 35 Euro verlangt die hippe amerikanische Kleiderkette im Schnitt für ihre Scheiben. Bei IKEA kann man dann für 4,99 noch gleich passend dazu den Gladsax erstehen, einen Bilderrahmen, der genau auf LP-Hüllen-Maße zugeschnitten ist. Könnte die Platte vielleicht doch nicht viel mehr sein als ein kurzlebiges Trend-Accessoire?



Es lebe die Kopie! Nach 50 Jahren erlischt das Copyright. Und dann?

Wie man seine eigene Beatles-CD auf den Markt bringen kann? Ganz einfach: Man besorgt sich, zum Beispiel, eine alte Ausgabe des Albums "With The Beatles". Digitalisiert die Musik, überarbeitet sie ein wenig mit gängiger Software. Denkt sich einen neuen Titel aus, sucht ein hübsches Coverfoto. Lässt ein paar Paletten CDs pressen. Und wartet ein wenig. Genau: bis zum 12. November 2013. An dem Tag ist es nämlich exakt 50 Jahre her, dass „With The Beatles" in Deutschland erschien. Und laut geltendem Recht erlischt in dem Moment das Copyright, das die Plattenfirma an einer Aufnahme hält. Die Musik wird, welch holde…
Weiterlesen
Zur Startseite