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Ranking

Diese 50 Serienstars werden immer in unseren Herzen sein


von

40. Emilia Clarke

(Game Of Thrones)

Ausgerechnet die größte, massentauglichste Serie unserer Zeit hat ihre Hauptfigur einer der riskantesten Wandlungen der Fernsehgeschichte unterzogen: Aus der völkervereinenden Revolutionärin Daenerys Targaryen wurde schleichend, innerhalb von acht TV-Jahren, eine Faschistin, die Nationen unterjocht, unschuldige Frauen und Kinder tötet. Zuschauer, die ihre Tochter nach der vermeintlichen Heldin benannt hatten, liefen Sturm. Emilia Clarke verkörperte die „Mutter der Drachen“ in „Game Of Thrones“ – und die Britin, die im Kino noch auf den Durchbruch wartet, stellte in ihrer Darstellung die hohe Kunst unter Beweis, bei jeder Grausamkeit tiefe Unsicherheit mit sich herumzuschleppen. Ihr Ende hat Daenerys verdient. Unser Mitleid aber auch. SN

39. Jennifer Aniston

(Friends, Morning Show)

Zugegeben, Jennifer Aniston hatte man gar nicht mehr auf dem Serien-Radar. Sie war zwar zehn Jahre lang in „Friends“, der besten Sitcom aller Zeiten, Rachel Green, verwandelte sich in den 236 Episoden vom verwöhnten blonden Dummchen zum Herz dieser Ensemblekomödie und wurde dafür mit Emmys und Golden Globes ausgezeichnet. Doch das ist lange her. Aniston ließ sich seither zu ein paar Gastauftritten in „30 Rock“ oder „Cougar Town“, nicht aber zu einer „Friends“-Reunion überreden und bevorzugte es, im Kino angehimmelt zu werden. Jetzt haben die Serienfans sie wieder. In „The Morning Show“, der ersten Premiumserie von Apple-TV+, spielt sie an der Seite von Reese Witherspoon eine Fernsehmoderatorin. Willkommen zurück! GR

38. Peter Krause

(Six Feet Under, 9-1-1)

Aktuell ist er in der Notruf-Serie „9-1-1“ zu sehen, das Tor zur Unsterblichkeit jedoch hat sich für ihn in den Jahren 2001 bis 2005 geöffnet. In „Six Feet Under“, einem Pionier-Format der goldenen TV-Ära, verkörperte Peter Krause den ältesten Sohn einer Bestatterfamilie, die naturgemäß täglich mit dem Sterben zu tun hat. Dass der unscheinbare Hüne in der Rolle des Nate Fisher als einziges neurosenfreies Ensemblemitglied auftrat, hatte einen Grund: Nach einer Nahtod-Erfahrung wurde Nate klar, wie wichtig es ist, sich von Menschen, die einen krank machen, fernzuhalten. Es gibt viele TV-Figuren, die in den Abgrund blicken und ins Leben zurückkehren. Peter Krause gelang das als Nate ohne Pathos – er sortierte sich akribisch neu, in der Zeit, die ihm noch blieb. SN

37. Larry David

(Curb Your Enthusiasm)

Als Miterfinder, -produzent und -autor von „Seinfeld“ hat es Larry David zu Ruhm und Reichtum gebracht. Das ist nicht bloß eine Tatsache, sondern die geniale Grundidee hinter „Curb Your Enthusiasm“. „Der TV-Larry ist nur einen halben Zentimeter entfernt vom echten Larry“, erklärte David letztes Jahr anlässlich der neunten Staffel: ein jüdischer TV-Produzent, den es aus New York ins oberflächliche Los Angeles verschlagen hat. Ein herrlicher Bilderbuch-Schlemihl, einer, der an Gender-Diversity ebenso scheitert wie an den alltäglichen Konflikten einer multikulturellen Gesellschaft. Der Humor ist dabei so atemberaubend krass wie die Idee, einen Holocaust-Survivor und einen Teilnehmer der TV-Show „Survivor“ über die Frage streiten zu lassen, wer Schlimmeres erlebt hat. JZ

36. Kit Harington

(Game Of Thrones)

„Du weißt nichts, Jon Schnee“ wurde zum Running Gag in „Game Of Thrones“ – dabei ist er der Weise. Der von Zweifeln zerfressene, uneheliche Königssohn und Anführer der Strafkompanie „Nachtwache“ hat eine Sonderstellung im Intrigenspiel um die Herrschaft über die Sieben Königreiche. Er will nicht um die Krone kämpfen, muss aber, kehrt dafür sogar aus dem Jenseits zurück. Der Theaterschauspieler Kit Harington hat damit einen Antihelden geschaffen, den es im Fantasy-Genre selten gab: In dieser Welt voller Drachen und Zombies ist er als Untoter selbst zu einem Fantasiegeschöpf geworden. Im Kino geht’s für den Briten königlich weiter: Im Marvel-Film „The Eternals“ verkörpert Harington einen „Schwarzen Ritter“. SN

35. Olivia Colman

(Broadchurch, Fleabag)

Keine andere Schauspielerin dürfte zurzeit die Schlagseiten britischer Identität so treffsicher auf die Film- und vor allem die Fernsehbühne holen wie Olivia Colman. Das richtige Timing für Sprachwitz und manchmal deviante Körperregungen übte sie in gleich mehreren Sitcoms („Peep Show“, „Green Wing“). In der hierzulande unterschätzten Krimiserie „Broadchurch“ zeigte sich Colman zum ersten Mal von ihrer verletzlichen und dunklen Seite. Die Vergleiche mit Judi Dench und Helen Mirren sind gerechtfertigt. Fluch und Segen: Gleich in mehreren Versionen spielte Colman die Queen, in der dritten Staffel von „The Crown“ gar Elizabeth II. All dies wird aber noch gekrönt von ihrem Auftritt als neurotisch-garstige Stiefmutter in „Fleabag“. MV

34. James Spader

(The Blacklist)

James Spader kann eigentlich alles. Nicht nur mimt er in „The Blacklist“ mit unwiderstehlicher Lust an der Ambivalenz zwischen Gut und Böse ein kriminelles Genie. Er beherrscht auch das volle Charme-Programm, weswegen seine Redekunst als berüchtigter Anwalt in David E. Kelleys wunderbarer Kanzleiserie „Boston Legal“ vor allem das andere Geschlecht überzeugte. Das Geheimrezept von Spaders Spiel mag auch sein, dass er auf Knopfdruck den Softie geben kann – um nur eine Szene später zum virilen Arschloch zu mutieren. Sein Hauptfach ist aber die Komödie, was der einstige Eisenbahnwagen-Belader und Yoga-Lehrer vor allem im Kino, aber eben auch als geheimnisvoller Chef-Sprücheklopfer in der US-Version von „The Office“ unter Beweis stellte. MV

33. Millie Bobby Brown

(Stranger Things)

Kinder als Helden einer Serie für Erwachsene sind selten eine gute Idee – immer klebt etwas zu viel Marmelade in den Mundwinkeln, sorgt ein Übermaß an Sentiment und Niedlichkeit für wohlbehütete Langeweile. „Stranger Things“ hat gezeigt, dass es auch anders geht, ohne dabei komplett auf die Schlüsselreize minderjähriger Zahnspangen-Träger zu verzichten. Neben der bis ins kleinste Detail stimmigen 80er-Jahre-Ausstattung und der an Altmeistern wie Carpenter, Cameron und Spielberg geschulten Regie der Duffer Brothers ist es vor allem die Figur der Eleven, die für helle Begeisterung sorgt.

Als Millie Bobby Brown in der Rolle eines kindlichen Kaspar Hauser zum ersten Mal auftaucht, steht sie barfüßig und mit starrem Blick am Rande eines Waldes, aus dem sie offensichtlich gerade geflüchtet ist. Den kleinen Schädel kahl rasiert, am Leib ein verdrecktes und zerrissenes Nachthemd. Schwer zu sagen, ob Junge oder Mädchen, ähnelt dieses verängstigte Wesen einem in die Enge getriebenen Tier oder einem KZ-Häftling. Die auf den Unterarm tätowierte Zahl 011 wird ihr zum Namen: Eleven.

Als 2016 die erste Staffel von „Stranger Things“ auf Netflix anlief, war schnell klar, dass der Star der Serie nicht, wie im Vorfeld von vielen Medien behauptet, Winona Ryder heißt, sondern Millie Bobby Brown. Die in Spanien geborene und in Dorset aufgewachsene Tochter eines britischen Immobilienmaklers war damals allerdings gerade erst zwölf Jahre alt. Ihre Schauspiel-Erfahrung bestand überwiegend aus Werbeclips, in denen sie Cupcakes vor die Kamera hielt und fragte: „Mom, can I have these?“ Später kamen Nebenrollen in Serien wie „Grey’s Anatomy“ und „Intruders“ hinzu. Also das volle Frühstart-in-die-Karriere-Programm, wenn Eltern der ganzen Welt zeigen möchten, wie niedlich, besonders und hochbegabt ihr Kind ist.

Doch Millie Bobby Brown ist wirklich besonders. Als wäre sie eine Netflix-Version von Billie Eilish, geht vor allem zu Beginn von ihr eine gehörige Portion Dunkelheit und Geheimnis aus. Sie passt einfach nicht in die mit „Dungeons & Dragons“-Abenden, Bonanzarädern und lustigen Trucker-Käppis vollgestopfte Welt der vier anderen jugendlichen Figuren. Dass Eleven obendrein auch noch Telekinese beherrscht und mit diesen übernatürlichen Kräften selbst Monstern Paroli bietet, unterstreicht ihr Anderssein aufs Schönste. Staunend begreift sie – von Folge zu Folge besser – die banalen Gegenstände und Rituale eines amerikanischen Lebens in den grellbunten Achtzigern.

Doch was für den Erfolg der jungen Schauspielerin noch wesentlicher ist: Mit ihrem ungläubig fragenden Blick sieht Millie Bobby Brown so außerordentlich hübsch aus, dass sich die Fashion-Branche sofort begeistert auf das neue Gesicht stürzt. Skrupel wegen des jugendlichen Alters des Mädchens? Fehlanzeige. Doch das siebenminütige Video zu „ I Dare You“ von The xx, in dem Millie prominent mitwirkt, übt tatsächlich einen ganz besonderen Zauber aus. Der Stardesigner Raf Simons hat Musiker und Schauspieler komplett in von ihm entworfene Calvin-Klein-Outfits gepackt – ein perfekt gelungenes Wechselspiel zwischen Pop, Mode und Werbung. Ein melancholischer Rausch aus Farben, Licht und schönen jungen Menschen, mit einer Millie Bobby Brown, die wirkt wie ein Update des ewigen It-Girls Chloë Sevigny.

Inzwischen ist die Schauspielerin bei IMG Models unter Vertrag – so wie Kate Moss, Gigi Hadid oder Heidi Klum. Man hat sie bereits zweimal für einen Emmy nominiert, und Talkshows gehören nun ebenso zur Routine wie ein sehr souveräner, von den Roots begleiteter Live-Rap in Jimmy Fallons „Tonight“-Show. Auch in Hollywood hat Millie 2019 Spuren hinterlassen, auch wenn „Godzilla: King Of The Monsters“ wenig mehr ist als eine gewaltige Materialschlacht mit reichlich dünner Handlung. Doch Hochglanz-Modestrecken, Hollywood-Blockbuster und die etwas arg an klassisches Teenager–Entertainment angelehnte dritte Staffel von „Stranger Things“ nagen an dem, was ursprünglich den Reiz von Eleven/Millie ausgemacht hat – das Geheimnisvolle ihrer Figur verblasst. Doch die Duffer-Brüder haben bekanntlich immer noch ein Ass im Ärmel: In der letzten Folge büßt Eleven ihre übersinnlichen Kräfte ein und ihr Ziehvater, Sheriff Hopper, segnet das Zeitliche. Ein Schock – aber auch ein fantastischer Cliffhanger. Jürgen Ziemer

32. Linda Cardellini

(ER, Dead To Me)

Zu den Ungerechtigkeiten der TV-Welt zählt, dass eine so witzig-schlaue Serie wie Judd Apatows „Freaks And Geeks“, die es nur auf 18 Episoden gebracht hat, immer wieder übersehen wurde – genauso wie Linda Cardellini, die sich als 16-jährige Lindsay in „Freaks And Geeks“ zwischen Mathematik-Wettbewerben und den Grateful Dead entscheiden musste. Cardellini war später zwar auch als zupackende Krankenschwester in „Emergency Room“ oder als Don Drapers Geliebte in „Mad Men“ toll, doch erst seit sie im Familiendrama „Bloodline“ als fürsorgliche Anwältin beeindruckte und sich nun in der schwarzen Komödie „Dead To Me“ in eine Trauer-Selbsthilfegruppe einschleicht, ist die Zeit endlich vorbei, in der man sie ungestraft übersehen kann. GR

31. Kiefer Sutherland

(24, Designated Survivor)

Er ist der Sohn eines der virtuosesten Kinoschauspieler – ein wenig von der unheimlichen Ambivalenz seines Vaters liegt auch in den Rollen von Kiefer Sutherland. Seine Figuren sind wilde Männer, die um Kontrolle ringen und denen doch alles entgleitet – in „24“ wurde er zum Schmerzensmann, der er auch im wirklichen Leben eine Weile war, nachdem er in „The Lost Boys“, „The Young Guns“ und „Flatliners“ junge Grenz- und Draufgänger gespielt hatte. Im Kino weniger eingesetzt, kehrte Sutherland 2001 in „24“ zurück, einer Serie, deren Rasanz und Brutalität die Fernseherzählung des neuen Jahrzehnts definierte. In „Designated Survivor“ variiert er die Rolle des Außenseiters, der immer mitten in den haarsträubendsten Schlamassel gerät. AW

Plätze 30-21:



007-Ranking: Alle James-Bond-Songs inklusive Billie Eilishs „No Time To Die“

Mit „No Time To Die“ veröffentlicht Billie Eilish den Song zum 25. Bond-Film „No Time To Die“. ROLLING STONE hat die 26 wichtigsten James-Bond-Songs ab 1963 gelistet. Das Ranking: 26. Madonna: „Die Another Day“ https://www.youtube.com/watch?v=VlbaJA7aO9M Gute Bond-Songs leben von der Balance zwischen Orchester und Pop. Madonna aber setzte sich gegenüber den Filmproduzenten durch und nahm mit ihrem Produzenten Mirwais ein rein elektronisches Stück auf. Es klingt wahlweise nach Vorstadt-Disco oder Singen in den Blasebalg. 25. Alicia Keys und Jack White: „Another Way To Die“ https://www.youtube.com/watch?v=hM5UJvnbbuY Ein „Die“ im Titel macht halt noch keinen guten Bond-Song. Jack Whites Stimme ist gar nicht…
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