A Tribe Called Quest We Got It From Here … Thank You 4 Your Service



von

Mann, ist das ein funky Einstieg! Einerseits füllig blubbernd im Bass, andererseits crisp und transparent, wie es zum Markenzeichen von A ­Tribe Called Quest gehörte, als vor 26 Jahren ihr Debüt, „People’s Instinctive Travels And The Paths Of Rhythm“, erschien. „Space Program“ heißt dieser erste Song, in dem Q‑Tip, einst Meisterdenker einer ganzen Generation von HipHoppern, den seit 400 Jahren andauernden Ausschluss der afroamerikanischen Bevölkerung an- und deren stärkeres Engagement und Selbstbewusstsein einklagt: „We’ve got to get our shit together!“

Q-Tip und ATCQ haben ihren Scheiß glorreich beieinander. Ein Gutteil des Albums gehört lässig zum besten HipHop der letzten (ja insgesamt guten) Zeit – obwohl immerhin 18 Jahre zwischen dem vorigen Album, „The Love Movement“, mit seinen minimalistischen Beats und diesem strammen Comeback liegen. Ende 2015 hatte sich die Crew als Quartett wiedervereint, zum zweiten Mal nach der Trennung 1998 – aber hiernach, heißt es, ist es endgültig vorbei. Auch weil mitten in der Produktion mit Phife ­Dawg, neben Q‑Tip der zweite zentrale Rapper, an den Folgen seines Diabetes starb.

Phife Dawg dabei

Er ist hier posthum zu hören und wird auch angesprochen: Der letzte Titel, „The Donald“, gilt nicht nur Trump, sondern vor allem dem heldenhaften „Don Juice“ ­Phife Dawg. Hillary-Unterstützer Q‑Tip propagiert wiederum das ganze Album über sehr angetan (ach, vergebens!) die weibliche Präsidentschaft.

Mit großartigen Gästen wie Busta Rhymes, Kendrick Lamar und Anderson Paak blühen in abwechslungsreichster Fülle alte Tugenden auf, die von versöhnenden Motiven zu kämpferischer Intelligenz zu hirnbockelnden Rapflows reichen. Wie nur je beherrschen sie die feinsinnigen Beats, die jazzigen Gespinste und die klar geschichteten Samples und Layers, es wackeln die trockenen Bässe, klug dribbeln die Stimmen durch die Reime. „It’s ­time to go left, not right“, rappt Q-Tip. Das hat zwar nicht geholfen. Aber derzeit ist es der Gedanke, der zählt.

(Sony)


ÄHNLICHE ARTIKEL

Die besten Bassisten aller Zeiten, Platz 10: Ron Carter

Ob im unaufdringlichen Duo oder in einer beschwingten Big Band, Carter fügt immer einen Hauch von purer Klasse hinzu.

Grammys 2017: Katy Perry lässt Gartenzäune brennen

Mit „Chained To The Rythm“ und einem Grenzzaun als Kulisse richtete sich Katy Perry bei der ansonsten in politischen Fragen eher zahmen Grammy-Verleihung in Richtung Trump.

Die Alben des Jahres 2016: Maik Brüggemeyer

Die Alben des Jahres 2016 von ROLLING-STONE-Redakteur Maik Brüggemeyer - u.a. mit Kate Tempest, Wilco, William Tyler und Nick Waterhouse.