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Andrea Schroeder Void


Glitterhouse

Natürlich ist Schwarz ihre ­Farbe. Andrea Schroeder klingt wie ein Nachtgebet, und es gibt in Deutschland niemand anderen, der so klingt – eine Hildegard Knef der Schwermut, Federboa um die Schulter, unterstützt von einer Band, die gleich im Titelstück dunkel und schwer, bassig und breitbeinig einen Boden bereitet, auf dem Schroe­der schreiten kann. „Whatever you share/ It all goes down/ In the ­void.“ Einzig das nervöse Xylofon wirft Lichtsprengsel in die Dunkelheit.

Herrlich! Auf ihrem dritten Album wirkt die in Berlin lebende Sängerin noch präsenter, ihre Band tighter denn je. Das Stimmungsspektrum schwankt zwischen Tindersticks und Bad Seeds, also nicht allzu sehr. Vor allem die bleischweren, im Rock ankernden Stücke überzeugen bis auf wenige Ausnahmen (wenn etwa in „Burden“ der Song tautologisch ächzt); der luftiger instrumentierte Schwarz-Pop, der ungefähr die Hälfte der Songs ausmacht, stand ihr schon immer.

Andrea Schroeder wird oft mit Nico verglichen, was halt passiert, wenn eine Deutsche schwermütig singt und auf der Bühne ein Handharmonium benutzt. Tatsächlich erinnert sie eher an einen tiefergelegten Stuart Staples. Und wenn Kristof Hahn von den Swans die Lap-Steel-Guitar dazu spielt, dann geraten ihre urbanen Songs zu maritimen Balladen. In „Little Girl“ wird nur getupft und angedeutet. In „Was Poe Afraid“ breitet sich diese elegische Salzwasserstimmung vollends aus – übrigens die Vertonung eines Gedichts des amerikanischen Beat-Poeten Charles Plymell und ziemlich große Kunst.

Ihre eigene Lyrik gerät einfacher. Es sind Bilder einer depressiven Sirene, die in „Drive Me Home“ ebenso lasziv wie drohend lockt. Eine sägende Getragenheit zeichnet Schroeders Songs aus, die eher schwebt, als sich lähmend über uns zu legen, die der brennenden Haut einen Wasser­eimer zur Seite stellt und „My Skin Is Like Fire“ erträglich macht. Durch „Don’t Wake Me“ schließlich weht ein Wind, zart und melodiös, er lüftet die Seele und treibt die Schwermut davon.


Im Sog der Leidenschaften: Erinnerung an die eruptiven Filme von Nicolas Roeg

Nicolas Roeg ist immer ein Außenseiter des Kinos geblieben. Fast könnte man sagen, dass er diesen Platz ganz bewusst verteidigt hat vor den (allerdings spärlichen) Versuchen, ihn zum Klassiker des experimentellen Kinos zu erheben. In fast allen seinen Filmen porträtierte er ganz buchstäblich Außerirdische, Verstoßene, dem Höllensumpf der Gesellschaft entflohene Sonderlinge, die dem Ruf der Wildnis auf Gedeih und Verderb verfallen sind und zwanghaft nach ihrer Identität suchen. Natürlich kennt die ganze Welt „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973), der im englischen Original so wundervoll wie weltabgewandt „Don’t Look Now“ heißt. Eine inzwischen kultisch verehrte und gespenstische Meditation über den…
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