Christine And The Queens „Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue)“ – Poesie als Show


Virgin (VÖ: 11.11.)


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Héloïse Letissier alias Christine And The Queens alias Chris heißt jetzt Redcar – mindestens für dieses neue Werk. Als dieser Text entsteht, ist so viel bekannt: Der französische Künstler hat ein Konzeptalbum aufgenommen, das auch als Theaterproduktion zur Aufführung kommen wird. Redcar selbst nennt es auf Instagram eine „poetry show“. Die Presseinformation verwendet das ausgestorbene Wort „Rockoper“. Natürlich ist (fast) keine Rockmusik auf „Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue“)“, sehr wohl aber ein Gefühl von Bühne, Inszenierung und Grandeur.

Er ist ein singender Tänzer und ein tanzender Sänger

Schon bei der vorab veröffentlichten Single, „Je Te Vois Enfin“, hatte man es gehört. Letissier steht darin in einem groß geöffneten Raum, die Musik hat eine Eighties-Synth-Zackigkeit, doch der Pop dissoziiert und weist über sich selbst hinaus. Bei Héloïse Letissier spürt man alles gleichzeitig: die Sehnsucht nach Melodie, die unbedingte künstlerische Haltung und die unmittelbare Physis. Der Franzose spuckt seine Silben, überbetont die Konsonanten und singt mit seinem ganzen Körper. Er ist ein singender Tänzer und ein tanzender Sänger. Das gilt für dieses Album noch mehr, weil die Songs Bühnen für Letissiers Performances sind. „Redcar …“ ist ein Monodrama.

Musikalisch führt das neue Repertoire die Sounds der genannten Single weiter. In Hall getauchte Synths stehen auf Seventies- und Eighties-Beats, die Letissier zusammen mit Produzent Mike Dean (Kanye West, Lana Del Rey, Jay‑Z) zeitgemäß deutet. Toll ist zum Beispiel der bizarre Eighties-EBM von „Tu Sais Ce Qu’il Me Faut“, den Letissier mit burschikoser, auf die Spitze getriebener Intensität singt bzw. lautmalt. Das wundervolle „Rien Dire“ dagegen erinnert an den sanften Electro-Pop von „Tilted“. Eine besondere Rolle spielt der Auftakt, „Ma Bien Aimée Bye Bye“. Das Lied beginnt mit einem vertrackten Jazz-Rock-Groove und verzerrtem Bass. Fast ist es Prog! Letissier singt über zwei Akkorde eine betörende Melodie. Es ist der fremdeste Moment auf „Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue)“ – und der beste.


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