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Daniel Woodrell In Almas Augen


Liebeskind


von

Als es im Sommer 1929 bei einer Tanzveranstaltung in einem Kaff in Missouri zu einer Explosion kommt, sterben 42 Menschen. Die Gerüchte über die Ursachen des Unglücks schießen nur so ins Kraut, allein an der Wahrheit scheint niemand interessiert zu sein. Außer Alma, die bei dem Desaster ihre leichtlebige Schwester Ruby verloren hat. Sie weiß um deren heimliches Techtelmechtel mit einem einflussreichen Mann. Doch die Zeiten – die Große Depression ist im Anmarsch – und die Hierarchien der Kleinstadt machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Rund vierzig Jahre später erzählt die in ärmlichen Verhältnissen lebende Alma ihrem zwölfjährigen Enkel Alek die ganze Geschichte, eine Geschichte von Liebe, Eifersucht, Verrat, Besessenheit und dem Verlangen nach Rache. Und Alek erzählt sie uns.

Wie zuletzt in dem meisterlichen „Der Tod von Sweet Mister“ macht Daniel Woodrell keine großen Worte um eine menschliche Tragödie; dem Leser bringt er sie durch seinen reduzierten, lakonischen Stil umso näher. Ein ganzes, von einem Schicksalsschlag beendetes Leben kann er in wenigen Sätzen charakterisieren, während Seite um Seite das niederträchtige Beziehungsgeflecht eines gottverlassenen Nests im Mittleren Westen zutage tritt. Sein neuer Roman, „In Almas Augen“, lässt den Opfern einer lange zurückliegenden Katastrophe Gerechtigkeit widerfahren. Von Ende gut, alles gut kann bei einem solch tiefsinnigen Autor allerdings keine Rede sein. (Liebeskind, 16.90 Euro)


Daniel Lanois im Interview: „Wenn Brian Eno der König des Ambience ist, bin ich der Prinz“

Daniel Lanois ist nicht nur einer der unverkennbaren Klangarchitekten der Rockmusik, sondern auch ein musikalischer Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne. Egal, ob mit seinen eigenen Projekten oder Arbeiten für Bob Dylan, U2, Emmylou Harris oder Neil Young — der Franko-Kanadier ist gewissermaßen gleichzeitig Musikwissenschaftler, Soundforscher, akustischer Forensiker und Vordenker. Seine Projekte haben, bei allen musikalischen Unterschieden, eines gemeinsam: Den vertrauten, atmosphärischen Lanois-Sound, der, laut des Produzenten selbst, auf dem aus der Fotografie stammenden Konzept der Schärfentiefe fußt. Besagte Brücke zwischen Tradition und Moderne baut Lanois auch mit seinem neuesten Werk einmal mehr. Auf „Heavy Sun“ widmet er sich, gemeinsam mit…
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