George Harrison: „All Things Must Pass 50th Anniversary“ – voller, konturierter und dynamischer als das Original



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Nicht alles vergeht, aber alles wird irgendwann neu abgemischt. Im Falle von George Harrisons passiv-aggressiver Beatles-Verdrängungsmaßnahme auf drei LPs, „All Things Must Pass“, ist man darauf sogar ein bisschen gespannt, weil man sich immer schon gefragt hat, was eigentlich hinter diesem durch allerlei Halleffekte und große Orchestrierung herbeigeführten Überwältigungsgetöse steckt, das Produzent Phil Spector sich als Wall of Sound patentieren ließ und hier bis zum Exzess zelebriert.

Selbst Harrison, der großen Anteil daran hatte, dass der Produzent sich am Beatles-Album „Let It Be“ zu schaffen machen durfte, war irritiert, als er den barocken Mix hörte. Aber er fand Gefallen an der Vorstellung, dass der „stille Beatle“ nun der lauteste Ex-Beatle sein würde. Als Spector seine Arbeit wegen zunehmender Paranoia abbrechen musste, übernahm Harrison und packte noch ein paar zusätzliche Streicher und Chöre auf die Tracks.

In diesem Fall gewinnt man mehr, als man zerstört

„All Things Must Pass“ ist in jeder Hinsicht ein exzentrisches Album. Dass er seine intimsten und besten Lieder so grotesk aufgemotzt hat, soll Harrison allerdings später bereut haben. Sohn Dhani hat einige der im ohrenbetäubenden Brausen des Originals untergehenden Facetten der Songs über Göttliches, Groupies und Gezänk freigelegt. Sein Remix klingt voller, konturierter und dynamischer als das Original. Klar, Geschichtsklitterung ist das trotzdem. Aber in diesem Fall gewinnt man mehr, als man zerstört.

Als Beigabe gibt es Demos, Jams und Outtakes, die Anzahl variiert je nach Konfiguration von der Deluxe Edition (drei CDs) bis zur Uber Deluxe Edition (acht LPs, fünf CDs und 5.2-Surround-Mix auf Blu-ray) zwischen 17 und 47. Besonders toll sind ein quecksilbriges Take von „Run Of The Mill“ und das bisher unveröffentlichte „Cosmic Empire“, bei dem Harrison zeigte, dass er ein ziemlich passabler Sänger war, wenn er nicht über eine Mauer aus Lärm singen musste. Und, ja, die dritte LP braucht immer noch kein Mensch. (Universal)


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