Gorillaz Song Machine, Season One: Strange Timez


Warner


von

Eigentlich entstand die Cartoonband Ende der Neunziger ja eher nebenbei, als sich Damon Albarn und „Tank Girl“-Zeichner Jamie Hewlett in ihrer Jungs-WG vor dem Fernseher langweilten.

Nach haufenweise Brit-Award- und Grammy-Nominierungen, Millionenverkäufen, einer Auszeit wegen Zankerei und dem etwas zweidimensionalen „The Now Now“ (2018) sprudeln auf diesem siebten Album die Einfälle wieder raumfüllend animiert – bis in schicke Videos wie die schräge Raumfahrt des Titelsongs, in dem das riesig auf den Mond projizierte Gesicht Robert Smiths genauso creepy aussieht, wie das Lied mit seiner repetitiven, gläsernen Xylofonfigur und dem bedrohlich dichten Beat klingt.

Dystopisch poppiger Sound

„Song Machine“ ist episodisch angelegt und wurde entsprechend seit Januar quasi in monatlichen Folgen veröffentlicht. Gründungsmitglied Russel Hobbs (der Grüne) meinte vorab: „Wir wissen noch nicht mal, wer als Nächstes durch die Studiotür kommt, aber wir sind bereit zu produzieren, als gäbe es kein Morgen.“

Wichtiger als die genreübergreifende Prominenz der Gäste – darunter Elton John, St. Vincent, Beck und Schoolboy Q – ist allemal, wie großartig global die Band sich geografisch und musikalisch sortiert. Und wie nahtlos sie ihren dystopisch poppigen Sound und die sozial- bis systemkritischen Meldungen aus den entsprechenden Genres nahtlos verfugen.

Wie sie also aufs Eleganteste den Achtziger-Soul von Leee John auf Zeithöhe modernisieren; wie sie aus einem fetten G-Funk mit Casio-Melodie und dem kraftvollen Schoolboy-Q-Rap in einen melancholischen Pop-Refrain kommen; wie sie schlüssig die Motive von Fatouma Diawara aus Mali mit kantiger Afro-Gitarre und buckelndem Beat durch ein paar Streicher und Bläser in ein träumerisches Bedauern verdubben.

Ein, zwei Titel klingen nach mäßig futuristischem R&B, der Slowthai-Titel dreht nach einem subaquatischen Quaken in kirmesnahen Pseudo-Ska ab. Aber das fängt der originelle, entspannt und ohne Vorführabsicht ausgebreitete Reichtum der Ideen lässig auf.

Und bis in die Tony-Allen-Hommage lohnt sich hier dringend die Deluxe-Version mit 17 Titeln.


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