JACK LOGAN & BOB KIMBELL – Little Private Angel :: TROCADERO/TIS

Jack Logan ist ein klassischer amerikanischer Seitenstraßenpoet Hätte der Mitdreißiger aus Georgia vor 40 Jahren gelebt, hätte er als Autor billiger Krimi- oder Science-Fiction-Magazine für erbärmliche Zeilenhonorare brillante Literatur erschaffen und wäre erst nach seinem Tod als Fünf-Pence-Genie entdeckt worden – als zweiter Steinbeck, Hemingway oder Chandler. Doch diese Kultur ist heute ausgestorben, also macht der hauptberufliche Mechaniker Musik. Auf der Debüt-Doppel-CD „Bulk“ profilierte er sich mit 42 Home-Recordings als ein so außergewöhnliches Songwriter-Genie, daß man das matte Folge-Album „Mood Elevator“ nur als Ausrutscher betrachten konnte. Und tatsächlich: Hier kommt ein weiterer Haufen großer Momente der kleinen Form.

Es geht wieder um den Alltag, um Müdigkeit, Sinnsuche, Einsamkeit: um Männer, die ihr Wochenende mit anderen Männern verbringen, weil sie sonst niemand haben, keine Frau, keine Familie, nichts. Oder um das ganze Leben, das in einen Drei-Minuten-Song paßt, weil es nichts ist außer Zeit, die man verbringt, und nicht einmal viel. Logan hat die Texte geschrieben und singt sie, seelenvoll wie ein wohlmeinender Prediger.

Doch die Musik stammt von einem neuen Partner: Bob Kimbell, der mit seiner Band Weird Summer bereits drei LPs veröffentlicht hat, fand die passenden Melodien, melancholisch dabinschlendernde Tonfolgen, leise Klänge des Wartens und Betrachtens, Musik aus der Seitenstraße, unauffällig ungewöhnlich. Aufgenommen ab intime Home-Recordings in spärlichen Arrangements und superdurchsichtigem Sound, könnten diese Lieder auch deprimieren, doch genau da liegt eben die nicht geringe Kunst: Die Wärme, mit der hier vom Menschsein gesungen wird, transzendiert die Themen. So schlecht kann das Leben denn doch nicht sein, wenn es solche Platten gibt.

Abonniere unseren Newsletter
Verpasse keine Updates