LUMP LUMP

Dead Oceans/Cargo

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Das überrascht dann doch: Laura Marling gehört ja seit Langem (sechs Soloalben seit 2008) und trotz der relativen Jugend (sie ist 28) zu den besten Singer-­Songwritern ihrer Zeit. Gerade letztes Jahr gelang ihr mit „Semper Femina“ wieder ein allseits anerkannter Geniestreich. Aber mit so viel Elektronik hätte man nicht gerechnet. Die kommt wohl auch eher von ihrem Partner auf diesem Werk, dem Folktroniker ­Mike Lindsay von der Londoner Band Tunng nämlich. Dass sie sich bei einem Konzert von Neil Young kennengelernt haben, in dessen Vorprogramm Marling auftrat, passt natürlich.

Musikalisch handelt es sich bei LUMP um ein Konzeptprojekt, wor­auf die beiden so stolz sind, dass sie den Spirit dahinter etwas albern als Yeti personifizieren und sich selbst als dessen Gehilfen vorstellen. In die gleiche Kerbe privat-euphorischen Ziel-­Überschießens hauen Bekenntnisse zum Manifest des Surrealismus, zu Marlings inspirierender Patentochter und zur unter ominösem Gewaber vorgetragene Credits-­Liste am Ende.

Song-Album mit Flow

Doch Prätention hin, Überkandidelei her – es ist ein sehr schönes Album geworden. Die sechs Titel (plus Waber-­Credits) sind in derselben Tonart gehalten, was dem Ganzen einen sanften, durchgängigen Flow gibt. Im Herzen ist dies ein Songalbum, mit herkömmlichen Instrumenten, die Lindsay umsichtig und unaufdringlich um elektronische Quellen erweitert: als leichtes Mäntelchen aus synthetischen Nebeln, mit sacht rotorartigem Schubbern, als brummfedernder Synthiebass.

Elegant verändern sich die Atmosphären vom frei schwellenden Einstieg zur wuchtigen Textur von „Rolling Thunder“ zum bouncenden Wummern von „Hand Hold Hero“, das seltsam unter einer Art Morricone-Western-­Stimmung ausläuft. Höhepunkt und Zentrum der guten halben Stunde ist „Curse Of The Contemporary“, Single und Kandidat für einen Song des Jahres. Es strömt mit twangendem Elektro-­Swing zu einem fein bewegten, gedämpften Bass, und ­dazu wiegt sich Marlings Stimme mit ungewöhnlichstem Effekt zwischen der üblichen Joni-Mitchell-Haftigkeit und einer Kate-Bush-­besessenen Geisha. Dann stechen komisch gecuttete Bläser in den Refrain (oder was hier als solcher durchgeht). Ganz toll!

Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe

Was ist nur aus dieser Band geworden, die einmal so treffend den „Trouble“ nach der verloren gegangenen Liebe besang, sich in die Gehirnwindungen eines Wissenschaftlers vergraben konnte, das erbarmungslose Verstreichen der Lebenszeit in eine grelle Klavier-Tanz-Nummer überführte und den Titel eines ihrer kürzesten und schönsten Songs dem goldenen Mantra eines Kultbuchs für Nerds und Studenten entlieh? Ich muss zugeben, dass ich an Coldplay verzweifle. Ich kann nicht begreifen, wie es möglich sein kann, dass vier doch recht begabte Typen, die einen Haufen unsterblicher Lieder geschrieben haben, plötzlich aufgehört haben, Musik zu machen. Oder wenigstens Musik, die berühren will. Wie sensibel…
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