PIZZICATO FIVE – Happy End Of You :: MATADOR/RTD

Daß das coolste Duo des Fernen Ostens sein letztes Album „Happy End Of The World“ komplett remixen ließ, ist schon irgendwie lustig. Schließlich war schon das Original nichts anderes als ein großer Remix: Pop, Filmmusik, Easy Listening, Drum’n’Bass, japanische Kayo-kyoku-Musik – alles wurde eins unter den Händen von Konishi Yasuharu und Nomiya Maki. Und jeder Song hätte auch ganz anders klingen können, die Elemente sind allgemein kompatibel. Konishi und Maki haben die Suche nach einer beständigen Form gar nicht erst begonnen: Sie sind die japanischen Jünger Andy Warhols, die Hohepriester des Überflusses, der Überreizung, der Beliebigkeit. Nichts Oberflächliches ist ihnen fremd. Manche nennen es die wahre Weltmusik. Mein Redakteur findet, es sei Frickelkram. Vermutlich hat er sogar recht. Aber großartiger Frickelkram, das auf jeden Fall. Remixen ist ja ursprünglich ein Vorgang des Auseinandernehmens einer festen Songstruktur. Aber weil in diesem Fall das Original-Album von 1997 schon ein Dokument der Dekonstruktion ist, passiert etwas Merkwürdiges: Durch ihre Neufassungen fügen die Beteiligten neue Stücke zusammen. „Happy End Of You“ ist ein Baukasten – und die Bastler fühlten sich ganz wie zu Hause. Wir erkennen sie alle auf Anhieb wieder: Sean O’Hagan, der aus „My Baby Portable Player Sound“ einen High Llamas-Schunkler macht, 808 State, die aus der verfrickelten „Trailer Music“ einen clubtauglichen Track herstellen. Saint Etienne, die das „Love’s Theme“ ihrem Harmoniebedürfnis aussetzen und es ordentlich glattbügeln. Der deutsche Beitrag ist ebenfalls in wenigen Sekunden zu identifizieren: Oval verleihen „Happy Ending“ einen tiefen, schweren Klang. Allemagne, douze points.

Wie es zu diesem Album kam? Man ist auf Vermutungen angewiesen. Im Innencover von „Happy End Of The World“ hatten Yäsuharu und Maki damals ihre Visitenkarten hinterlassen. Das haben die Kollegen wohl richtig verstanden.

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