Kritik: „If These Walls Could Sing“ – Hommage an die Abbey Road Studios



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In ihrem Dokumentarfilmdebüt erzählt Mary McCartney die Geschichte des Gebäudes der Abbey Road Studios, seitdem es 1929 von der ehemaligen Grammophon Company gekauft und zum Aufnahmestudio umgebaut wurde.

Chronologisch handelt sie ausgewählte Meilensteine der Musikgeschichte ab, die aus der Abbey Road hervorgingen, darunter die erste Aufnahme 1931 von Edward Elgar, der erste Rock’n’Roll-Hit der Studios von Cliff Richard, die Zeit der Beatles und die Aufnahme von Filmsoundtracks in den 1980er Jahren. Als Regisseurin hat sich McCartney der Musik verschrieben, dennoch fehlt ein kurzer Exkurs zu den Comedy-Aufnahmen von beispielsweise Peter Sellers, mit denen George Martin vor den Beatles Erfolg hatte.

Wie eine persönliche Führung

Trotz des akribischen historischen Ansatzes hat die Dokumentation durch McCartneys persönlichen Bezug eine besondere Wirkung. Zu Beginn erzählt die Fotografin, die Abbey Road Studios sind, so lang sie sich entsinnen kann, Teil ihres Lebens. Eine ihrer ersten Erinnerungen an das Aufnahmestudio ist der Grund, warum sie den Film verwirklichen wollte: Ihre Eltern Paul und Linda laufen mit Pony Jet über den Zebrastreifen vor dem Gebäude. Diese Herangehensweise gibt der Doku ein besonderes Flair, lässt sie nahbar und heimelig wirken. Der Film fühlt sich wie eine private Führung durch die (nahezu heiligen) Räumlichkeiten an.

Die Gespräche, die McCartney unter anderem mit ihrem Vater Paul, Elton John, Roger Waters, David Gilmore und Ringo Starr führte, intensivieren das Gefühl. Zwischen den Gesprächspartnern herrscht eine vertraute Atmosphäre, die der Dokumentation spürbar zugutekommt. Die Musikgrößen erzählen unbeschwert ihre Geschichten über das Aufnahmestudio. Den Eindruck verstärken Szenen mit Giles Martin, der zwischen Tonbändern an den Aufnahmegeräten sitzt, sie erklärt, Lieder anspielt und in Erinnerungen schwelgt.

Giles Martin, Mary McCartney, Ringo Starr und Barbara Bach

Manchmal bleibt der Wunsch nach mehr

McCartney schafft es mit ihren Bildern, Gesprächen und diversem Archivmaterial, den Geist des Studios und der damaligen Zeit einzufangen sowie aufleben zu lassen. Die 90 Minuten, in denen sie in die Historie der Abbey Road Studios entführt, reichen keineswegs aus, um auf alle große Hit-Produktionen einzugehen. Daher hat die Regisseurin einige Titel und Musiker*innen ausgewählt, deren Storys sie anfänglich zügig und lebendig erzählt. Manche Inhalte kommen zu kurz und es bleibt die Sehnsucht nach mehr Informationen.

Im Verlauf tendiert McCartney dazu, länger und ausgiebiger zu berichten. Dabei fokussiert sie sich jedoch auf bekannte Geschichten, wie die „Dark Side Of The Moon“-Sessions von Pink Floyd. Zudem schafft es die Doku, wirklich an jeder Stelle die Beatles zu thematisieren. Deren Vermächtnis ist nunmal untrennbar mit der Abbey Road Studios verbunden. Dennoch wäre es wünschenswert, läge der Fokus nicht auf den bereits oft genug erzählten Geschichten, sondern auf weniger bekannten Aufnahmen.


Mary McCartney im Interview

ROLLING STONE hat mit Mary McCartney über Herausforderungen und schöne Momente während der Arbeit an der Abbey-Road-Dokumentation gesprochen. Das komplette Video-Interview finden sie HIER.

Joe Maher Getty Images

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