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Sebadoh Defend Yourself


Domino


von

Wer ihn nur als Bassisten und Sidekick von Dinosaur Jr. kennt, im Schatten der schlohweißen Mähne von J Mascis, hat etwas verpasst. Schließlich steht zu vermuten, dass einzig und allein für Typen wie Lou Barlow einst der Begriff des Independent Rock erfunden wurde. Ob solo unter eigenem bzw. dem Namen Sentridoh oder mit dem Projekt The Folk Implosion – der in Dayton, Ohio geborene Musiker mit der Stimme voller Sehnsucht beharrte stets auf der Schönheit der Dissonanz.

Am markantesten hat er die Gegensätze von Schroffheit und Feingefühl jedoch von Anfang an mit der Mitte der Achtziger gegründeten Band Sebadoh vereint, die nach sage und schreibe 14 Jahren endlich wieder ein Album veröffentlicht. Die Vorreiter der ehedem angesagten Lo-Fi-Bewegung besinnen sich mit der neuen Platte auf alte Stärken, indem sie sich von dem aufwendigen Produktionsschnickschnack des Vorgängers „The Sebadoh“ verabschieden und an das Frühwerk anknüpfen. „Defend Yourself“ klingt entsprechend ungeschliffen, rumpelig und zerzaust. Das allein ist selbstredend keine Kunst; wie Barlow, Jason Loewenstein und Bob D’Amico allerdings eine unfassliche Melodie nach der anderen durch den barschen Sound dringen lassen, das ist ein Ereignis. Die musikalische Bandbreite reicht von ungehobelten Grunge-Anleihen ganz ohne Gegniedel über schrammeligen Rock bis zur elegant getupften Ballade. Nichts davon erschallt in Reinkultur oder als augenzwinkerndes Zitat, sondern verwaschen und aufrichtig, mal angenehm disharmonisch, mal ausgesprochen euphonisch. Indie mag ein Schlagwort von gestern sein – die an dessen Ur-Form erinnernden Songs von „Defend Yourself“ gehören dennoch zum Besten, was die Gegenwart zu bieten hat.


TV-Tipp: „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“

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