Sinkane Life & Livin’ It 


Es beginnt mit dem glitzernden Paillettenrock einer schönen Frau, die sich elegant durch einen afri­kanischen Club schlängelt. Die Menschen um sie herum lachen und tanzen, die Band strahlt vor Spielfreude. Die Kleidung, die Möbel, die Augen: Alles leuchtet in erlesenen Farben. Doch immer wieder fällt der Blick auf einen Fernseher, der eine andere Realität zeigt: grobkörnige Schwarz-Weiß-Bilder von schwer bewaffneten Soldaten, die auf der Straße Menschen bedrängen und in Schach halten.

Das Video zu „U’Huh“ bringt das Album von Sinkane ziemlich gut auf den Punkt: Es geht um leichtherzige Musik für schwere Zeiten. Stilistisch sehr unterschiedliche, aber im weitesten Sinne afrikanisch klingende Songs, die das Leben feiern – ohne deshalb den Terror in vielen Teilen der Welt zu ignorieren.

Wie ein gutes DJ-Set

Sinkane ist das Alter Ego und zugleich die vierköpfige Band von Ahmed Gallab, der unter anderem bei DFA das etwas kantigere Album „Mars“ veröffentlicht hat. Zuletzt tourte der in England geborene und in Brooklyn lebende Sudanese mit der Atomic Bomb Band, einem 15-köpfigen Allstar-Ensemble, dem unter anderem David ­Byrne, Damon Albarn, Jamie Lidell und Pharoah Sanders angehören. Gemeinsam spielte man sich durch das musikalische Werk des nigerianischen Psychedelic-Funk-Meisters William Onyeabor, der leider am 16. Januar verstorben ist.

„Life & Livin’ It“ funktioniert im Prinzip wie ein gutes DJ-Set. In „Favorite Song“ geht es um das Gefühl, niemanden auszuschließen: „When you play a song that everyone knows, everybody is connected, lost in the music“, sagt Ahmed Gallab, dessen hoher Kopfgesang gelegentlich an den Soul der frühen Siebziger erinnert. In „Tele­phone“ serviert er dazu einen basssatten, aber trockenen Funk, die Bläser werden von der Daptone-Band Antibalas beigesteuert. „Passenger“ hat diesen herrlichen schaukelnden Rhythmus, den man auch von Wüstenrockern wie Tinariwen kennt, doch das hier ist leichter, vergnügter.

Was „Life & Livin’ It“ so gut macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Soul, Funk und Musik aus der Sahara eine Verbindung eingehen. Songs, die von innen leuchten. (City Slang)


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