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The Black Keys El Camino


Nonesuch / Warner VÖ: 02. Dezember 2011


von

Womit absolut nicht zu rechnen war: dass ausgerechnet die Black Keys jemals über den Status einer soliden Kellerband hinauswachsen könnten. Jahrelang hatten Pat Carney und Dan Auerbach ihren rudimentären Garagenblues in Carneys Waschkeller aufgenommen. Wer genau aufpasste, hörte auf den Platten jener Phase angeblich sogar das Schlingern der Maschine.

Dann kam „Brothers“. Ihr fünftes Album katapultierte die Black Keys in die Charts, auf die große Bühne, zu den Grammys. Die halbe westliche Welt pfiff das Leitmotiv aus dem Überhit „Tighten Up“, das schlichte Typo-Cover, eine Reverenz an Howlin’ Wolf, wurde überall gelobt, das Album verkaufte sich allein in den USA 900.000 Mal. Ein Erfolg, der ohne den Produzenten Brian Burton (Danger Mouse) undenkbar gewesen wäre. Bereits das vorangegangene „Attack & Release“ war unter dessen Ägide gereift, doch erst bei „Brothers“ ging Burtons Konzept in Gänze auf, das schroffe Blues-Amalgam der Black Keys behutsam um diverse Modernismen zu erweitern.

Nun also „El Camino“. Zackig geht’s los mit einem ZZ-Top-artigen Shuffle und der wie gewohnt aus dem Jahre 1969 zu uns sprechenden Stimme von Danny Auerbach: „Oh-oh-oh-oh, I got a love that keeps me waiting, I’m a lonely boy“, heißt es in „Lonely Boy“. Einsam? Man will es Auerbach kaum mehr abnehmen, denn ebenso wie der überwiegende Rest des Albums klingt auch der erste Titel wie für die Großhallen dieser Welt gemacht. Puristen sind also gewarnt. Aber dann erinnert „Dead And Gone“ mit schwülem Chor und superben Handclaps auf derart bestechende Weise an die Sachen, die Quentin Tarantino immer für seine Filme ausgräbt, dass man den Black Keys das Schielen aufs große Publikum schnell verzeiht. Man folgt den Plattensammler- und Blues-Nerds ja gerne auf den Dancefloor, wenn dies auf so unwiderstehliche Weise geschieht wie in „Gold On The Ceiling“ mit diesem bratzigen Bass-Sequenzer. 

„Little Black Submarines“ beginnt als sparsam gepickte Ballade, geht in einen eruptiven Gitarrenrocker über – und schrammt nur knapp am „Stairway To Heaven“-Plagiat vorbei. Dankenswerterweise verzichtet Auerbach jedoch auf den Einsatz von Einhörnern und sonstigen Fantasy-Elementen. Es geht, wie meistens auf dieser Platte, um das gute alte Boy-meets-girl-Schema in sämtlichen Variationen. Auch „Money Maker“ ist mächtige Rockmusik und erinnert ein bisschen an „Bitch“ von den Stones. Schön hier: die Talkbox, ein 70er-Jahre-Requisit, das man heute viel zu selten hört. Zusammenfassend gilt: Mehr als jede andere dieser Band ist „El Camino“ eine groß gedachte Rock’n’Roll-Platte. Zum bewährten Garagenblues addieren die Black Keys Boogie, Soul sowie – noch konsequenter als zuletzt – raumgreifende Melodien mit vielen „Ohs“ und „Ahs“. Der schwitzende Groove, die halluzinierende Cream-2.0-Psychedelik und die lässige Coolness sind natürlich nicht zuletzt wieder Danger Mouse geschuldet.

Auch „El Camino“ wurde im Heimstudio der Black Keys aufgenommen, das seit einiger Zeit nicht mehr in Akron, Ohio, sondern in Nashville steht. Die Waschmaschine hört man nicht mehr. Sie werden ausgebaut haben.

Beste Songs: „Lonely Boy“, „Dead And Gone“


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