Warpaint Warpaint


Beggars


von

Rockmusik, was war das noch mal? Wie ein Schatten, eine entfernte Erinnerung dräunt sie hier, wie eine Aneignung aus dem Gedächtnis. Die vier Frauen, die vor knapp zehn  Jahren eine Band in Los Angeles gründeten, haben von der Idee Rockmusik das Prinzip Rockband behalten und seit ihrem furiosen Debütalbum in einem langen Prozess zu einem schwebenden Groove gefunden, der auf Wucht, Überwältigung, Triumph und nahezu alle sonstigen Attribute des Rock’n’Roll verzichtet.

Es geht um Erinnerung. Um erinnerte Elemente und Zeichen. Um eine Band, die eine bestimmte Phase der Popgeschichte und eine bestimmte Tonalität in sich aufgenommen hat und als eigenes, jetziges Statement moduliert. Die Sounds und Zeichen, die Warpaint erinnern, liegen 30 Jahre und länger zurück, in einer Zeit, als die Bandmitglieder gerade geboren wurden. Und dennoch klingt dieses Album kein bisschen retro. Es klingt wie ein Echo. Es beginnt mit einem eleganten Stolpern und groovt sich in ein molliges Bass-Riff, als stünden Joy Division auf dem Factory-Dach (im Regen vermutlich). Im Verlauf des Albums huschen die Schatten der Au Pairs und Bush Tetras, der Cocteau Twins und Breeders vorbei, auch Lush und die Young Marble Giants, frauendominierte Bands aus der Hochphase und den Nachwehen der New Wave also. Was die vier Schnürstiefel und Knöpfkleider tragenden Frauen daraus machen, ist so wenig spektakulär wie großartig.

„Biggie“ breitet sich salbungsvoll aus, biegt und windet sich, die Harmoniegesänge schwellen an und ab, die Keyboards tragen eine Melodie, die von Stella Mozgawas brillantem Schlagzeugspiel und Jenny Lindbergs sanft pumpendem Bass getragen werden. Der Song ist höhepunktfrei, ist eine Landschaftsmalerei (alle vier malen übrigens). Mehr noch in „Drive“, ein verhaltenes Pluckern und Tupfen, in das sich Emily Kokal hineinschraubt: „I want it, I need it“ und dann tut sich Fläche auf und eine Gitarre übernimmt, die Frauen singen wie eine klösterliche Girl-Group. Wie zart „Teese“ daherweht und nach zwei Minuten einen Groove findet, ihn verlässt, nach allen Seiten ausschwärmt, und schließlich zurückkehrt, „I need more now/ I’m in heaven“. Ganz anders „Disco/Very“: ein pumpender Bass, treibende Hi-Hats und Lindbergs pampige Vocals, ein hypnotisch rumpelnder Rap – er bleibt leider Ausnahme.

Drei Jahre haben Warpaint an diesem Album gearbeitet. Und auch wenn die depressive Grundstimmung mitunter etwas ermüdet – es hat sich gelohnt.


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