Royal Trux: Die ersten vier Alben neu aufgelegt und wiedergehört.


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Es ist ein gewagtes Experiment, jemandem „Twin Infinitives“ in die Hand zu drücken und lapidar zu bemerken, dass man es für sein liebstes Royal-Trux-Album hält. Man wird beim nächsten Treffen schräge Blicke ernten und eventuell gar die Telefonnummer eines „echt guten Therapeuten“. Wenn es sich bei der betreffenden Person, der man das Album gab, gar um die eigene Freundin handelt, könnten die Konsequenzen noch arger sein. Denn da drängt sich die Frage auf: Will man die Beziehung haben, die so klingt wie diese 15 Songs, die das Paar Neil Hagerty/Jennifer Herrema 1989 und 1990 einspielte?

„Twin Infinitives“ (4 Sterne) ist keines dieser Alben, das man in gelungene und nicht gelungene Songs unterteilt, oder gar eines, auf dem man Lieblingssongs ausmachen kann. Hagerty und Herrema leben hier ihre künstlerischen Visionen aus – und die sind düster und dröhnend, voll versteckter Schönheit und Schrecken. Man nehme die „Kool Down Wheels“, dieses Leiern und Schreien aus der Echokammer, man höre Herremas giftiges Wettern auf „Osiris“, man staune über Bongos, Klavier und Geigen am „(Edge Of The) Ape Oven“, und man beende das Album zu atonalem Klavierspiel und Jennifer Herremas fast zärtlichem Gesang beim gemeinsamen Sprung von der „NY Avenue Bridge“ – bei dem sie einem Song am nächsten kommen.

Es ist dann auch dieser hier erfahrbare Schritt hin zum Song, der „Twin Infinitives“ von den weiteren drei nun wiederveröffentlichten Alben hervorhebt. Das Debüt (3 Sterne) geriet in seiner „Guck mal, ich kann auch Krachkunst“-Attitüde noch zu sehr zum noisigen Stinkefinger in Richtung des Hauptarbeitgebers Pussy Galore (Hagerty nannte es tatsächlich einen „Job“), während das namenlose, mit vage erkennbaren Totenschädeln bedruckte Nachfolgealbum dann beinahe zu handzahm geriet (3 Sterne).

„Cats And Dogs“ (3,5 Sterne) tarierte das Extreme und das Erkennbare optimal aus und zerdrechselt einem erst mit einem Feedback-Experiment wie „Friends“ das Gehirn, bevor Herrema und Hagerty nur einen Song später ebenso einträchtig wie -gängig „The Spectre“ singen – einen Song, der verstehen lässt, wie Virgin Records einige Jahre später so bescheuert sein konnten, Royal Trux einen Millionenvertrag anzubieten. (Domino)

Daniel Koch

Hier eine Live-Version von „Lightning Boxer“ (vom unbetitelten Album) aus dem Jahr 1990:

Hier noch ein schöner Promotionclip von Virgin Records, der vor ihrem Major-Album (dem fünften) „Thank You“ enstand: