Rumer: Die Geburt eines Stars.


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Als man die ersten Lieder der Sängerin Rumer hörte, dachte man: Da singt eine Frau, die schon eine ganze Karriere hinter sich hat. So ruhig und abgeklärt klingt die Londonerin, dass man Erfahrung und eine satte Diskografie vermutete. Zudem schien die Musik auf „Seasons Of My Soul“ bestimmt nicht aus der Gegenwart zu kommen. Rumer singt wie Karen Carpenter betont langsamen Soul-Pop mit jazzigen Akkordfolgen wie von Burt Bacharach, und die Lieder klingen, als wären sie im Hollywood der Sechziger oder am Broadway entstanden. Doch man täuscht sich: „Seasons Of My Soul“ ist das Debüt von Rumer.

Eine Geschichte gibt es natürlich trotzdem. Zehn Jahre lang sammelte die Sängerin in London Erfahrungen, spielte in den üblichen Club-Zirkeln und hoffte nach Kräften auf Ruhm und Karriere. Sie beschritt einen Sonderweg – ohne Produzenten, ohne Popmusikschule –, weil es hier nicht nur um Stimme und Performance, sondern auch um eigene Lieder und eine genaue Vorstellung von Klang und Stil geht. Eine Zeitlang sang Rumer für das Nürnberger Electro-Duo Boozoo Bajou und trat in Deutschland auf, wo der Erinnerung der Künstlerin nach kleine Kinder mit ihren Haaren spielten und überhaupt alle sehr freundlich waren. Zu Hause lehnte sie Angebote von kleinen Indie-Labels ab und wartete auf ihren Moment, während sie sich als Kellnerin verdingte und gerade so über die Runden kam. „Von Zeit zu Zeit schrieb ich ein Lied, das etwas Besonderes zu sein schien“, erzählt Rumer. „Ich legte diese Lieder beiseite – sie durften nicht billig produziert werden, sondern verdienten einen großen Rahmen.“

Der öffnete sich vor etwa einem Jahr, als sich doch ein Produzent meldete und aus Rumer dankenswerter- weise keinen weiteren Retro-Soul-Act machen wollte, sondern umsetzte, was die Künstlerin wollte. Eine Live Band, Späte-Nacht-Musik und möglichst viele Bacharach-Akkorde.

Rumer zeigte ihrem Produzenten und ihren Musikern eine Szene aus „A Star Is Born“ mit Judy Garland, in der ein Musikerensemble nachts nach einem Konzert einfach weiterspielt, müde, betrunken und glücklich. „So sollten wir klingen: Wir haben die ganze Nacht für Geld gespielt, jetzt spielen wir die ganze Nacht zum Spaß.“



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