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ROLLING-STONE-PORTRÄT

U.S. Girls: „Es ist keine Befreiung, wenn man seine Titten zeigt“


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Ganz in der Tradition von Bruce Springsteen möchte Remy auf „Half Free“ Geschichten von einfachen Menschen und ihren täglichen Tragödien erzählen, aber – und das ist neben der musi­kalischen Entfernung zu Spring­steens erdigem Rock der große Unterschied – aus rein weiblicher Perspektive.


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„Ich erzähle von Dingen, mit denen Frauen jeden Tag zu kämpfen haben. Vieles davon sind fast Klischees: der untreue Ehemann, Abhängigkeit in der Beziehung, ungewollte Schwangerschaft, solche Dinge.“ In jedem der acht Lieder porträtiert Remy ein anderes weibliches Schicksal, das sie meistens aus der Ichperspektive erzählt. „Ich stelle mir vor, dass jeder Song genug Stoff birgt, um wie ein Film zu funktionieren“, sagt sie.

Mir bleiben von dir nicht einmal Knochen zurück, an denen ich mich festhalten kann

Es sind mitreißende, unheimliche Filme in der Tradition von David Lynch, in denen das Grauen hinter einer bürgerlichen Fassade lauert. In der ersten Single, „Damn The Valley“, erfährt eine Frau am Telefon, dass ihr Mann in einem umkämpften Tal in einem fremden Land gefallen ist. Zu tanzbarem Industrial-Pop singt Remy ihre verzweifelte Anklage: Mir bleiben von dir nicht einmal Knochen zurück, an denen ich mich festhalten kann. Und: Ich habe dich nicht geheiratet, um allein zu sein.


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„Die Idee kam mir, als ich das Buch ‚War‘ des Kriegsberichterstatters Sebastian Junger las, ein unparteiischer Bericht über alltägliche Dinge im Leben eines Soldaten: Hygiene, Kameradschaft, das Wetter, der Tod.“ Remy hat selbst einen Bruder, der als Soldat im Irak stationiert war und seit seiner Rückkehr kein Wort darüber verliert. Auch aus diesem Grund interessierte sie die andere Seite: „die Menschen, die zurückbleiben“. „Allein das Wort ‚Kriegerwitwe‘ triggert so viele Bilder und Geschichten in mir“, sagt sie.

„Alles, was ich mache, ist Pop“

Bereits mit 15 Jahren wurde Remy in ihrer Heimatstadt Joliet im Bundesstaat Illinois Teil einer avantgardistischen Noisepunk-Szene. Sie hantierte mit Drumcomputern und Tonbandgeräten, verehrte Bands wie CrAss und Bikini Kill. Mit Anfang 20 entdeckte sie dann die queeren Riot-Grrrls von Le Tigre und war begeistert, wie die Band um JD Samson Genderthemen und andere politische Inhalte in eingängigen Elektropunk verpackte. „Alles, was ich mache, ist Pop“, sagt die ehemalige Kunststudentin heute.



Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Bruce Springsteen – „Tunnel Of Love“

Es war das Album nach „Born In The U.S.A.“, dem Mega-Mainstream-Meisterwerk mit den sieben Hit-Singles – wie hätte Bruce Springsteen danach nicht enttäuschen können? Zumindest die Massen, die mehr vom selben wollten. Er war drei Jahre später nicht mehr so an Rock-Hymnen interessiert; „Tunnel Of Love“ erzählt in leiseren Liedern davon, wie eine Ehe sein kann, wenn sie nicht so schiefgeht wie in „The River“. Springsteens Romantik, ob in „Tougher Than The Rest“ oder „All That Heaven Will Allow“, bleibt hemdsärmelig, aber klingt jetzt doch überraschend zuversichtlich. https://www.youtube.com/watch?v=SdJIpyiupJo In „Walk Like A Man“ bringt er sogar noch mehr Verständnis für…
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