Vorband verschollen: Low spielten Doppelkonzert in Berlin


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Erst war sie in Indien verschollen, später hing sie mit in Pakistan fest, die Support-Band der Slowcore-Heroen Low am Montag Abend in Berlin. Alan Sparhawk kann eben nicht nur in seinen Songtexten ein ziemlicher Zyniker sein sondern auch in seinen Ansagen. Tatsächlich steckten Dark Dark Dark, auf der Leuchtreklame des Kreuzberger Clubs Lido noch in glühendem Rot angekündigt, nach Support-Shows für The National irgendwo zwischen Brüssel, Porta Westfalica und Wolfsburg im Stau fest.

Die Vaudeville-Kammerfolker, die wie Low aus dem Bundesstaat Minnesota kommen und deren Alben „The Snow Magic“ und „Wild Go“ in Deutschland bisher nur als Importe zu haben sind, haben dennoch bereits ihre Fans. So versuchte einige besonders Enttäuschte ihre Tickets vor der Tür direkt wieder zu verscheuern. Unterdessen übernahmen Low im Lido kurzerhand auch noch den Slot ihrer Vorband und spielten ein zunächst selig beklatschtes, später frenetisch gefeiertes Doppelkonzert.

Angefangen mit dem somnabulen „Nothing But Heart“vom neuen Album „C’Mon“ über jüngere Klassiker wie „Monkey“, „Silver Rider“ und „Pissing“ vom 2005er Album „The Great Destroyer“ bis hin zu „Breaker“ von „Drums And Guns“: Es war beeindruckend mitanzusehen, wie Low dabei in den großen Melodiebögen, den minimalen Rockismen von Sparhawk an der Gitarre und der sanften Stoik ihrer Songs ruhen können.

Nach einer Stunde entließ Sparhawk sein Publikum in eine zehnminütige Pause, ehe Low in einem zweiten, wiederum einstündigen Konzertteil weitere Fan-Favoriten spielten – ob des harmonischen Minimalismus fast besser: vorsangen. „Canada“ vom Album „Trust“, „California“, auf Zuruf „Over The Ocean“ aus dem Jahr 1996 und schlussendlich „Murderer“:  „If you need a murderer/ Someone to do your dirty work“, singt Sparhawk darin zutiefst sinister. Low haben an diesem Abend mehr als nur einen dreckigen Job getan. Sie sind – mal wieder – in Schönheit gestorben.

Doch zurück zu Dark Dark Dark: Ihren Support-Verpflichtungen für Low am 31. Mai in Hamburg und am 1. Juni in Köln dürften die Amerikaner nachkommen. Und am 30. Juni gibt die Band Berlin eine zweite Chance und spielt eine Solo-Show im Comet. Vorausgesetzt sie schafft es, innerhalb von zwei Tagen vom Roskilde-Festival nach Berlin zu kommen.

„Daydreaming“ von Dark Dark Dark. Die Single lief bereits bei Grey’s Anatomy und American Idol:

Dark Dark Dark – „Daydreaming“ by danaleighraidt