Spezial-Abo

Willander sieht fern: „aspekte“ wirkt einfach nur drollig


von

Ein Bericht über einen Dokumentarfilm über Hinterbliebene von Mordopfern, die mit den Mördern sprechen, wird gezeigt, aber die Hinterbliebenen sprechen darin nicht mit den Mördern. Tobias Schlegl spricht an einem großen Tisch mit Herta Däubler-Gmelin, die früher Justizministerin war. Eine Wand hinter ihnen besteht aus braunen Quadern, die wie große Schokoladenrippen aussehen, und eine andere sieht rostig aus, und über Herta Däubler-Gmelin steht groß „vergebung“. Frau Däubler-Gmelin weiß nicht, ob in Deutschland konkret Hinterbliebene von Mordopfern mit Mördern sprechen, aber sinnvoll sei es jedenfalls. Mit Räubern habe man schon gute Erfahrungen gemacht.

Katty Salié kündigt einen Film an, „eine Geschichte, wie fürs Kino gemacht“: „Die Frau in Gold“. Die Redaktion hat aufgeschrieben: „Helen Mirren spielt großartig. Mindestens so beeindruckend ist das Original Maria Altmann.“ Das Original ist tot, aber man sieht noch einmal die Frau, der Österreich das Gemälde „Adele Bloch-Bauer II“ geben musste. Dann übernimmt Schlegl: „Ein Film für die, die Helen Mirren mögen und Fans sind – die anderen dürfen natürlich auch reingehen.“

„aspekte“ ist jetzt eine Talkshow

Jetzt erklärt der Korrespondent Dirk Schümer an einem Strand, weshalb Flüchtlinge in ihren Heimatländern um Asyl bei Botschaften nachsuchen sollen, statt in Schlepperboote zu steigen. Schümers Stimme quäkt. Im Studio befragt Salié den Bayern Heribert Prantl, das sogenannte linke Gewissen der „Süddeutschen Zeitung“. Prantl beobachtet seit 25 Jahren, dass die Deutschen viele Flüchtlinge aufnehmen wollen. „Wenn der Kollege Schümer in einer Festung leben will, dann soll er in eine Raubritterburg ziehen“, hat er sich vorher überlegt und sagt es jetzt. Mit den Booten gibt es ein Problem, sagt Salié: Man kann nicht Boot von Boot unterscheiden. Das bestätigt Heribert Prantl.

Am Freitagabend läuft bei „aspekte“ jetzt also, was überall sonst läuft: eine Talkshow. Und Luzia Braun kann auf einem Sofa ein Glas Rotwein trinken. Aber nicht auf einem blauen.



Buyer's Guide: Pixies, Breeders und Frank Black – die Alben und Raritäten

Essenziell Pixies: Bossanova (1990) Eine Ode an zwei Themen amerikanischer Popkultur: Surfen und Ufos. Melancholische Strandlieder, weil Black Francis wie Beach Boy Brian Wilson zwar von Abenteuern berichtete, beide sie aber nicht selbst erlebten. Die anderen schwammen, Francis saß mit der Gitarre im Sand – hatte also mehr Zeit zum Nachdenken. Sang von Untertassen in der Area 51 und einer magischen Puppe namens Velouria, die in den Wäldern haust. „Als würden Psychopathen Songs für ein B-Movie aus den 50er-Jahren komponieren“, urteilte Blur-Gitarrist Graham Coxon. Eine Paarung unwahrscheinlicher Härte („Rock Music“) mit Wassermelodien („Ana“), die Gitarrist Joey Sant-iago so zärtlich spielt,…
Weiterlesen
Zur Startseite