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Blackout Tuesday

Willander sieht fern: ‚Die Königin von Versailles‘

Jackie arbeitete früher als Ingenieurin bei IBM im Staat New York, kündigte, heiratete in Florida unglücklich und lernte David Siegel an jenem Abend kennen, als sie zur Miss Florida gekürt wurde. Für ihn sei sie die schönste Frau der Welt gewesen, sagt er. Mit der Liebe habe es eine Weile gedauert, sagt sie. Er brauche kein Viagra, aber es sei gut, dass es so etwas gebe. Vielleicht in zehn Jahren.

Dann ist 2008, die Lehman-Brothers-Pleite, die Immobilienkatastrophe. Der Film setzt neu ein, die Siegels sind umgezogen, aber nicht nach Versailles, das nicht weitergebaut wird. Man muss sich nun einschränken. 6000 Mitarbeiter wurden entlassen, ein paar Getreue wollen für David Siegels Firma spenden. Sein ältester Sohn, der auch kaum noch Geld bekommt, schwört die letzten Mitarbeiter ein. Siegel will die PH Towers nicht aufgeben, er will auch nicht 370 Millionen dafür. Er will seine Firma zurückgewinnen. „Und wenn ich 150 Jahre alt werden muss“, grummelt er. Seit den Fotos auf dem Thron ist er schmaler geworden, bleich, Ringe unter den Augen, die Körpersprache ist die eines eingesperrten Raubtiers. Er ist schlecht gelaunt, er will, dass seine Frau das Licht ausschaltet, wenn sie nicht im Zimmer ist, und dass ein Bekannter dafür zahlt, wenn er sich den Rolls-Royce ausleiht.

Mit dem Bekannten, der früher Immobilienmakler war und jetzt Chauffeur ist, fährt Jackie in einer Stretch-Limousine und isst Pommes Frites von McDonald‘s. Sie war früher auch nicht reich, sie ist immer optimistisch. Als sie eine alte Freundin in der Heimat besucht, fragt sie am Flughafen nach einem Chauffeur für den Mietwagen. Die Kinder wundern sich, was all diese Leute in ihrem Flugzeug machen. Jackie versteht es so, dass die Banken ihrem Mann das Geld nicht geben, das sie vom Staat bekommen haben und das ihnen, den Siegels, also den normalen Leuten gehört. Sie wollen es David Siegel einfach nicht geben, sie fordern sein Las-Vegas-Hochhaus und sogar das unvollendete Versailles. Er hat immer alles in die Firma gesteckt, deshalb gibt es keine Rücklagen für die Kinder, deshalb kann er seinen angestellten Sohn nicht bezahlen. „Wir waren uns niemals nah“, sagt der Sohn.



Kritik: „Unorthodox“ auf Netflix – Kunst oder Kitsch?

FFK behandelt die Netflix-Miniserie „Unorthodox“: die Verfilmung der wahren Geschichte der Deborah Feldman, Angehörige der ultra-orthodoxen jüdischen Religionsgemeinschaft der Satmarer. Sie flüchtet aus Brooklyn und beginnt ein neues Leben in Berlin, während ihr Mann versucht, sie aus Europa zurückzuholen. Die Regie bei dem Vierteiler übernahm Maria Schrader, das Drehbuch ist von Anna Winger und Alexa Karolinski, in den Hauptrollen sind Shira Haas, Amit Rahav und Moishe Lefkovitch zu sehen. FFK-Weiterhören: „Tiger King“ „Der Schacht“, „The Mandalorian“, „Der Unsichtbare“ 1986 – das magische Kinojahr Corona-Krise: „Contagion“ und „Outbreak“ 1985: Goonies, Mad Max, McFly und Co. 1985 auf dem Prüfstand – Teil…
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