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Der Jahresrückblick: Wahre Helden halten sich zurück

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Wenigstens eine neue Erkenntnis hat uns die anhaltende Retro-Phase der Rockgeschichte gebracht: Entgegen früherer Annahmen verhält sich das Lebensalter einer Band keineswegs umgekehrt zu ihrer Relevanz – und die Rolling Stones sind das beste Beispiel dafür. Zugegeben, als sie am 25. November im Londoner O2 Centre vor 20.000 Zuschauern ihre erste von fünf Comeback-Shows zum 50. Bühnenjubiläum gaben, zählten die beiden neuen Songs „Doom And Gloom“ und „One More Shot“ nicht gerade zu den Höhepunkten.

Aber die Aufgabe dieser Band liegt schon lange nicht mehr in der Erweiterung ihres Katalogs, sondern im Gemahnen der Rockmusik an ihre ewigen Verpflichtungen gegenüber dem Boogie, und dieser Rolle sind die Stones immer noch mächtiger als ihre vielen Epigonen. Mick Jaggers Hüften wollen auch mit 69 Jahren weder breiter werden, noch vorfallen, noch aufhören geschmeidig zu schwingen. Ein ausgenüchterter Ronnie Wood und Keith Richards in großmütiger Versöhnungslaune (nach dem Versprühen aller Galle in seiner Autobiografie) klingen launig und tight wie seit Jahrzehnten nicht mehr und verströmen dazu noch die Lebenserfahrung jener Blues-Männer, die sie ihr Leben lang nachgeahmt haben. Als etwa Gastgitarrist Jeff Beck in der Don-Nix-Nummer „Going Down“ spektakuläre Feuerwerkssalven aus den Saiten zaubert, demonstrieren Ronnie und Keef in ihren darauffolgenden Soli musikalische Weisheit in unbeeindruckter Reduktion, nach dem Motto: Du spielst den Helden, wir spielen den Blues. Ein für „Midnight Rambler“ restaurierter, schwerfälliger Mick Taylor tappt in dieselbe Falle, und der direkte Vergleich zwischen dem für zwei Songs ausgemotteten Bill Wyman und seinem Nachfolger Darryl Jones fällt ebenfalls zugunsten der Neubesetzung aus. Eine Tour scheint angesichts dieses euphorischen Jubiläums so gut wie unvermeidlich. Die astronomischen Kartenpreise (zwischen 110 und 1100 Euro) werden allerdings nicht zu halten sein. Irgendwann sind selbst die Baby-Boomer abgemolken.

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