40 Jahre „Krieg der Sterne“: 10 Gründe, warum wir “Star Wars” lieben

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40 Jahre „Krieg der Sterne“: 10 Gründe, warum wir “Star Wars” lieben

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Von Dietmar Dath

Warum haben sich eigentlich so viele Leute vor Erregung weggeschmissen, als bekannt wurde, dass J. J. Abrams die „Star Wars“-Reihe im Kino fortsetzen würde? Sicher, die drei seinerzeit zuerst gezeigten mittleren Teile der auf neun Klötze angelegten Serie, „Krieg der Sterne“ (1977), „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983), gehören zum Weltkulturerbe. Aber mögen irgendwelche auch nur bedingt Zurechnungsfähigen die Prequel-Trilogie, mit der George Lucas, der Vater des Ganzen, seinen Ruf zertrampelt hat? „Episode I – Die dunkle Bedrohung“ (1999), „Episode II – Angriff der Klonkrieger“ (2002) und „Episode III – Die Rache der Sith“ (2005) waren bestenfalls mau, schlimmstenfalls Komplettkatastrophen.

Lucas hat es vermutlich gut gemeint: Nach eigener Auskunft wollte er der Welt nur zeigen, wo das herkommt, was „Star Wars“-Fans lieben: das finstere Imperium, der heldenhafte Widerstand dagegen, die Jedi-Ritter mit ihren Lichtschwertern, der Todesstern und so weiter. Er hätte sich, bevor er die breite Vorgeschichte in Angriff nahm, dieses Vorhaben von dem Komiker und Schauspieler Patton
Oswalt ausreden lassen sollen, der dagegen vorgebracht hat, Angelina-Jolie-Fans hätten ja auch keine Lust, sich stundenlang die Hoden von John Voight anzuschauen, aus denen ein Teil von Jolies Erbgut stammt. Eines haben die drei Rohrkre­pierer klargemacht: „Star Wars“ und das, was unter diesem Namen durchs All segelt, ist nicht zwangsläufig besser als alles andere.

Zehn Siege in Einzelwertungen aber holt sich das Erbe doch, das jetzt mit „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ verteidigt werden soll. Der Reihe nach:

1. KLANG

Dass dich im Weltraum niemand schreien hört und Explosionen dort vakuumbedingt keinen Krach machen, weiß jeder Realschul-Physik­lehrer. Die George-Lucas-Firma Skywalker Sound kann darüber aber nur dröhnend lachen: Besser als in ihren Produktionen hat sich das Unmögliche nie angehört: Bässe, tiefer als die interstellare Leere; Höhen, präzis wie der Puls einer kosmischen Radioquelle. Und diese „Star Wars“-Musik! Die Titelfanfare, der imperiale Marsch, das Prinzessin-Leia-Thema: Was John Williams da zusammenkomponiert hat, klingt immer noch galaktischer als der entrückteste Spacerock von Hawkwind, spekulativer als die Roboter­märchen von Janelle Monáe und größenwahnsinniger als der grenzenloseste Untertassen-Free-Jazz von Sun Ra. Get stoned! Homer Simpson hält die „Star Wars“-Musik für die wahre Klassik, stabiler als Beethoven. Er hat recht, wie immer.

2. ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN

„Star Wars“ oder „Star Trek“? Der Streit ist so uralt wie „Beatles oder Stones?“; eines aber lässt sich kaum abstreiten: Gene Roddenberry, der Schöpfer von Captain Kirk und Konsorten, nahm irrtümlich an, dass in Zukunft alles immer besser werden müsste – und das hieß innerhalb seines linksliberalen Ami-Horizonts: immer gesetzesförmiger („Oberste Direktive“), zivilisierter („Föde­ration“) und vernünftiger. Selbst die Klingonen wurden irgendwann an der Starfleet Academy zugelassen, jedes Jahrhundert überwand mindestens ein Vorurteil, einen Aberglauben, eine doofe Kulturerbschaft. Schön wär’s!
„Star Wars“ dagegen zeigt uns ein Universum, das viel mehr mit dem tatsächlichen wirren und ärgerlichen Geschichtsverlauf zu tun hat, und das, obwohl es bei „Star Wars“ laut Lucas und anderen Eingeweihten gar nicht um ein Bild des Künftigen geht. Wie sieht’s da aus? Wie bei Google unterm Sofa: Esoterik neben Hightech, ein irres Imperium neben bizarren Provinzen, unendliche technische Verfeinerung neben schwachsinnigstem Mist. Schlimm, aber wahr und eine gute Vorbereitung auf das, was uns noch erwartet.

3. DIALOGE

Dass George Lucas nicht schreiben kann, wissen vor allem diejenigen, die sein verknurpseltes Zeug vor der Kamera aufsagen mussten. Harrison „Han Solo“ Ford soll den Mann sogar mal auf seinen Regiestuhl gedrückt und zum Ertragen einer Spontanlesung gezwungen haben, samt Abschluss­deklamation: „Mann, ich kann das nicht spielen! Das kann überhaupt niemand!“ Ab „Das Imperium schlägt zurück“ wurden deshalb Profis an Bord geholt, darunter die geniale Leigh Brackett. Und so zitiert man heute die Lehrsätze des kleinen grünen Zenmeisters Yoda, als wären sie von Shakespeare, oder die Einladung auf die dunkle Seite der Macht, die Darth Vader dem armen Luke Skywalker im selben röchelnden Atemzug serviert, mit dem er ihn auch darüber aufklärt, dass er sein Sohn sei – wer will da noch ins Theater, wo dort doch seit etwa 50 Jahren international nur noch gegen die Texte gearbeitet wird, statt das Optimum an Wirkung aus ihnen herauszuholen?

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